JE IS.
Beilage.
Auch in -em Zeitensturm -ie Liebe.
Novelle aus dem Frühjahre 1848.
(Fortsetzung )
Henrich war überglücklich. Er küßte Eusebien die Hand und eilte, vor Entzücken taumelnd, aus dem Hause.
Eusebia sah ihm listig nach :
„Die Marionette tanzt vortrefflich und wird mein Spiel gewinnen machen. Wie richtig, daß ich meines Herrn Bruders altes Schloß verließ und meine Wohnung hier in der Restvenz wieder bezog. — Marnstein ist hier und lebt in dem Strudel der TageS- ergebnisse. Ich werde schlau vie Saiten berühren, die angenehm in seinem Innern wiederklingen und während ich so leise in sein Herz mich schleiche, verdrängt Mißtrauen und Eifersucht ein anderes mir verhaßtes Bilv. — Ob er wohl heute kommen wird? — Ich hoffe es. — Doch in diesen Pracktgewändern varf er mich nicht treffen. Er liebt dieß nicht und ich muß vorerst auf seine Ideen eingehen."
Sie klingelte und das Kammermädchen trat ein.
„Den einfach weißen Anzug will ich anlegen."
„Wie, gnädiges Fräulein, hier in der Residenz?"
„Thue, wie ich befehle."
Das Mädchen entfernte sich und Eusebia lächelte.
„Wüßte sie den Preis, würde sie nicht sich wundern. Männer zu erobern, muß auch die Eitelkeit ihr Opfer bringen."
Sicheren Schrittes verließ sie daS Zimmer.
8. S turmes-W ogen.
Ein freundlicher Märztag eilte zu Ende und der öffentliche Hofgarten umzog sich mit Dämmerung. Während derselbe von Lustwandelnden sich entvölkerte und die Amseln zirpend die knospen- ; de» Sträuche durchschwirrten, belebten sich die Straßen der Residenz i mit fröhlich umherziehenden Menschen. j
Ein prachtvoller Zapfenstreich des Garderegimentes, an welchen I Hunderte von Fackelträgern sich anschlossen, wandelte, umsurrt von j tausend Jubelnden, durch die festlich erleuchtete Stadt. Dem Laudes- vaier wurde vor dem Schlöffe die erste Serenade gebracht. Er erschien auf der großen Altane, Allen sichtbar durch die Beleuchtung großer Giraudolen, welche Bediente in Galla ihm zur Seite trugen, und dankte mit herzlichen Worten für die neuen Beweise treuer Anhänglichkeit und Liebe. Donnerndes Vivat und nie enden wollender Jubel der Kopf an Kopf gedrängten Menge war die Antwort.
Der Musikzug setzte sich nun aufs Neue in Bewegung und nahm seine Richtung, die geschmückten Festordner an der Spitze, der Lindenallee entlang nach dem Bergthore.
„Zu dem Manne ves Volkes", tönte es jetzt von tausend und aber tausend Stimmen, „zu dem wahren Freunde des Vaterlandes, zu dem kühnen Redner für Freiheit und Recht, zu Marnstein!
Mit der Heftigkeit des vom milden Thauwinde geschwellten Bergstromes, wo Well' an Welle überschäumt, wälzte sich jetzt die vielbewegte Masse nach einem Gebäude zu, das in der Nähe des Thores aus einem weit sich dehnenden Garten in einsacher Größe hervorragte. Schon ordnete sich der nachgcfolgte Zug und das einsame Haus erleuchteten im ungewissen Scheine die vom Winde bewegten Fackelflammen, als Bediente aus dem Hause ängstlich heraus- kamcn und um die Ursache dieses nächtlichen Zusammenlaufes sich erkundigten. Von den Festordnern freundlich, von der Menge aber spottend, wurden die Erschrockenen verständigt, daß es sich hier um
einen Act der Huldigung und der Dankbarkeit handle, worauf die Bedienten bemerkten, daß Herr von Marnstein nicht zu Hause, viel» mehr in einer Abendgesellschaft bei der Baronesse von Dannberg sich befinde.
Betroffen hörte der Haufe diese Nachricht, die allmählig von Mund zu Munde fortlaufend, Anfangs leises Gemurmel, später aber tobendes Ungestüm veranlaßte.
Dannberg, Bedrücker des Volkes, Förderer der Gewalt, Bezwinger der Freiheit, Parthei des Rückschrittes und viel dergleichen Worte flogen gellend durch die Lüfte und nur mit vieler Mühe gelang es den Festordnern, die rasch entzündete Menge einigermaßen zu beschwichtigen, damit dem allgemein verehrten Manne die Festserenade, wo er sich auch befinden möge, an dem heutigen denkwürdigen Tage dennoch dargebracht werden möge.
Der Zug setzte sich nun abermals und zwar nach dem Wohn» Hause Eusebiens in Bewegung und die munteren Weisen der Musik übertönte von der einen Seite des buntscheckigen Gefolges Jubelruf, von der andern aber drohendes Heulen und Pfeifen.
Marnsteins und Eusebiens Wohnungen lagen an entgegengesetzten Enden der Stadt und der Zug, der eine große Strecke durchwandern mußte, bedurfte deshalb eine geraume Zeit, bis er an dem Orte seiner neuen Bestimmung anlangen konnte.
(Fortsetzung folgt).
Was giebt es Neues?
— Professor Dr. Schäfer in Gießen ist in Anerkennung seiner Verdienste um die Geschichte Portugals von der Königin von Portugal zum Commandeur des Christus-Ordens ernannt worden.
— Ein Nordlicht wurde kürzlich hier und an vielen anderen Orten, als im Taunus, in Mannheim, Carlsruhe, Straßburg, Stuttgart ic. wahrgenommen. Gleichzeitig waren die Telegraphen, namentlich die bad. und würt., durch Einwirkung der atmosphärischen Electricität verhindert zu spielen.
— Von nun an ist im Kurhessischen die ältere Verordnung, wornach fremdländische Israeliten (Dienstboten, Handwerksgesellen u. s. >v.) bei Strafe nicht in Dienste genommen werden dürfen, wieder in Kraft gesetzt.
— Vom preuß. General-Steuerdireetorium soll bereits der Befehl zur Errichtung von Zollhäusern an der sächsischen Gränze ertheilt worden sein.
— Am 13. Nov. stürzte sich ein junger Mensch von der Brücke bei Frankfurt in den Main, wurve aber noch gerettet.
— Man hat erfahren, daß an derselben Stelle zwischen Cöln und Coblenz, wo kürzlich die Post beraubt wurde, vor einigen Jahren ganz dieselbe That zur Ausführung kam. Damals wurden ca. 6000 Thlr. gestohlen und die Diebe auch nicht entdeckt.
— Das Obergericht in Kassel hat 14 Mitglieder des Stadtraths von Hanau theils zu 3 Monaten, theils zu 6 Wochen Gesängniß- strafe verurtheilt, weil sie 1850 den in Wilhelmsbad verweilenden Kurfürsten in einer Adresse zur sofortigen Rückkehr nach Kassel aufgefordert hatten.
— Den Gasthofbesitzern in Kassel ist eröffnet worden, daß di« Concesfion zum Weinschank ihnen vom 1. April 1853 an nicht werde erneuert werden. Wie man hört, sollen ihnen dagegen Pachtbriefe für eine gewisse Reihe von Jahren, zu einem noch zu bestimmenden Pachtzins verabreicht werden.


