Ausgabe 
10.7.1852
 
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Die Einweihungsfahrt der PariS-Slraßburger Bahn ist nun bestimmt auf den 17. d. Mis. festgesetzt. Der Prinz-Präsident wird nach Mittheilungen der Inauguration beiwohnen. Die ganze Fahrt von Paris nach Straßburg wird nur 10 Stunden in Anspruch nehmen. Das Frühstück wird in Barr, das Mittagsmahl in Straß­burg eingenommen.

Kossuth hat seinen Plan von Amerika nach England zurück­zukehren, wieder anfgegeben.

In Paris soll ein Komplott entdeckt worden sein, welches im Begriff war, eine Höllenmaschine anzufertigen, die zu einem Atten­tat gegen das Leben des Prinz-Präsidenten bestimmt gewesen sein soll. Die bei der Anfertigung dieser Maschine Betroffenen sollen I nur Schuhmacher und Schneider gewesen sein. Wir theilen übrigens ( diese Meinung nicht und glauben vielmehr, daß diese Revolutions- Complotte hinter keinen Schuhmachern und Schneidern stecken, son­dern hinter den römischen Klerikanern.

In Kalisch soll die Cholera auf eine schreckliche Weise wüthen, i so, daß von der Einwohner-Seelenzahl, von 12,000 täglich 40 als j Opfer dieser Seuche fallen.

Die Bischöfe Schlesiens, Posen's und Westpreußen's sollen ! gegen den König die Weigerung ausgesprochen haben, in die zu- : künftige erste Kammer zu treten. I

Einer der Filzhüte Napoleons ist bei einer Versteigerung am 14. Juni unter ocn Erben, von einem derselben zu 4000 Franks erstanden worden.

In München starb am 21. Juni der berühmte Astronom v. Gruitbnise» int Alter von 78 Jahren.

Der Pädagog, F. Fröbel, durch seine Kindergärten bekannt, ist am 21. Juni gestorben.

Zur Unterstützung der abgcsetzten und proscribirten Schleswig- Holsteiner ist von Hamburg aus ein Aufruf an das deutsche Volk ergangen.

Der gesetzgebende Körper Frankreichs soll in seinen letzten Lebenslagen mit Ausnahme einiger unschuldigen Oppositionen, bei Berathung des Budgets, seine Ergebenheit an den Tag gelegt,' und alles von der Regierung Gewünschte mit Bereitwilligkeit genehmigt haben. Darnach soll denn auch von dem Prinz-Präsident die Ses­sion unterm 28. Juni mit einer im Ganzen zufriedenen unv fchmei- chelhaficn Botschaft geschlossen worden sein. Einige Mitglieder, welche ihre gehaltenen Reden gerne gedruckt gesehen hätten, sollen von der Körperschaft die Erlanbniß dazu erhalten haben; ihnen aber die Veröffeniltchung in Journalen verboten worden sein.

Die Kammern Hannovers sollen Anträge: auf Errichtung einer deutschen Kriegsflotte, auf Vertretung des deutschen Volks bei der Centralgewalt und in Bezug auf die Annullirnng der Schleswig- Holsteinischen Staalspapiere, angenommen habens

^n Danzig haben die Jesuiten: Patres Haßlocher, Pottgießer Und Anderloti ihre zweite Mission begonnen. Sie sollen auf die gänzliche Zerstörung des Protestantismus abzielende Predigten gehalten haben, die denn auch nicht, namentlich unter den Frauen, ohne Wirkung geblieben sein sollen; besonders bei gemischten Ehen. Es soll bei solchen vorgekommen sein, daß Leute, welche 5 Jahre in der glücklichsten Ehe und den besten Familienverhältnissen zusammen gelebt durch ne jetzigen jesuttischen Wühlereien in Streit ge- rathen, und aus fanatischen religiösen Gründen, Frauen ihren Män­nern entlaufen sind, und so auf das Familienglück störend ein- gewtrkt und dasselbe vernichtet haben.

Am 3. Juli ist der französische General Changarnier und mehrere Mitglieder der ehemaligen französischen Nationalversammlung, in Berlin eingetroffen. |

In Würzburg und Bamberg sind am 2. Juli bereits die ! ersten neuen Karkoffclu zu Mark! gebracht worden.

Der Metzger Franz Lille in Coblenz soll eine Wurst von 120 Pfb. Schwere und 130 Fuß Länge, an deren einem Ende sich ein künstlich gearbeiteter Schweinskopf befand und alle Arten feiner Wurstwrten enthielt, verfertigt und solche I. Mas. dem König von Preußen und der Kaiserin von Rußland im Schlosse präsentirt haben.

^jic Versammlung deutscher Philologen, Schulmänner und Orieitkaiisten wird in diesem Jahr vom 29. September bis 2. Octo­ber in Göttingen stattfinden.

Sc. Königl. Hoheit der Großherzog nebst Gemahlin von Hessen reifte am 6. d. Mts. von Darmstadt über Mannheim nach Ger­mersheim , wo die hohen Herrschaften mit Sr. Mas. dem König Ludwig von Bayern zusammentrasen. Bei Ankunft derselben in Ludwigshafen flaggten die Schiffe.

Dem Ulmer Cameralamt soll ein anonymes Schreiben aus Frankfurt mit dem Inhalt von 554 st. zugekommen sein; worüber einer in der Todesstunde die reuige Erklärung abgegeben haben soll, den Staat darum betrogen zu haben.

Am 3. Juli soll auf dem Bahnhofe zu Chemnitz ein bei dortigem Postamt an cstellter Briefträger 4000 Thaler unterschlagen haben unv noch zeitig genug verhaftet worden sein.

Der Bundes-Coninliffür, Staatsrath Fischer, soll unterm 3. Juli in Bremerbaven eine Bekanntmachung, wegen Angeboten auf die Schiffe der Nordseeflotte, erlassen haben.

An dem Geburtstage des Kaisers von Rußland wohnte der­selbe dem Morgengottesdienste bei und trat darnach seine Reise zur See nach Swinemünde an.

Der seiner Hemiath beraubte SchlcSwiger, ächt Deutsch ge­sinnte Mann und trefflicher Pädagog Ketelsen auS Husum, ist als Ober­lehrer an der Paßmann'schen Schule in Hamburg angestellt worden.

Der König Ludwig von Bayern soll die Summe von 500 fl. dem Göttinger Central-Comite zur Unterstützung der abgesetzten Kie­ler Professoren Übersandt haben.

Die barmherzigen Schwestern, sieben an der Zahl, sind nunmehr durch den Bürgermeister Nack und Bischof Ketiler in Mainz in das städtische NochuSspital eingeführt und ihnen die Kranken­pflege übergeben worden.

Louis Napoleon soll sich in seine Gefangenschaft nach Hamm zurücksehnen. Er soll gesagt haben, daß er dort mehr Muse gehabt habe, über das menschliche Schicksal nachzudenken, als jetzt, wo er auf dein Präsidentenstuhl der französischen Republik sitze.

Venedig zählte im verflossenen Jahre 104,372 Einivohner. Militär 10,000 und Fremde' 12,000.

In dem kleinen schmutzigen Debreczien tief in Ungarn, sollen dem jungen Kaiser von Oesterreich, bei reffen Einzüge daselbst, 700 berittene Edelleute in Nationaltracht entgegengeritten sein und demselben die Versicherung ihrer Treue Überbracht haben. Zeigt es sich hier nicht deutlich, wie wandelbar die Dinge und die Gesinnungen der Menschen sind? Dies ist dasselbe Debrecztn, in dessen Mauern der Reichstag vor 3 Jahren die Unabhängigkeit Ungarns von Oesterreich ausrics.

Der fanatische Mönch Christophorus in Griechenland, der sich von den zu seiner Venolguiig abgeschickten Truppen an die Grenze zurückgezogen hatte, erschien wieder in der Maina, wo er abermals ein Theil der Bevölkerung zum Aufstand brachte. Eine Menge Mönche, welche in das jüngste Complott verflochten waren, ist ver­haftet worden.

In Kalifornien soll ein Bär auf einer Jagd einen Deut­schen, Namens Laertes Schillerau, in dem Augenblick, wo derselbe durch einen Schuß leicht verwundet wurde, aus Wuth mit seinen Klauen in Stücke zerrissen haben.

^ruck uns Verlag der G. D. Brüht'scheu Buch- und Ltnnvruckerei.