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wie solche vom 1. Juni 1852 an
bet den Bahnen
-cs mittek-eutschen Eisenbahn - Verbandes
zur directen Beförderung von Gütern zwischen den Endpunkten
Berlin, Leipzig, Magdeburg, Warburg, Carlshafen und Hattingen (Basel) zur Anwendung kommen,
sind nach dem amtlichen Formulare angefertigt und stets vorrathig zu finden bei G. D. Brühl I.
Kanzleibrrq, Lit. B. Nr. 1.
Was gibt
— Am 27. Juni fand dahier (Gießen) ein Jugendfest mit Spiel und Gesang Statt. Knaben aus allen Ständen und Schulen von 5 bis 15 Jahren, beteiligten sich daran. Die Art und Weise, sowie die gute Ordnung und die gewählten Jugendspiele sprachen bei Eltern und Jugendfreunden allgemein an und gaben Veranlassung, daß der Festplatz (in den Anlagen des Philosophen- Waldes) von 1000 unv 1000 Erwachsenen von nah und fern besucht wurde.
— An demselben Tage fand ein Militär beim Baden in der Lahn dahier seinen Tod.
— Am 28. Juni wurde am Kreuz von einem Chaisenfuhrwerk einem Kinde vaS Gesicht überfahren.
— An demselben Tage fiel bei dem Transport eineS Schweins ein hiesiger Metzger und brach das Bein.
— Bei Aufbrechen des Pflasters in einer Straße dahier (Hintergasse) wurden versunkene Baumstämme auSgegraben, sowie eine Münze mit der Umschrift: SALVATOR MUNDI CRISTI, gefunden.
— Am 30. Juni brach in dem nahe bei Gießen gelegenen Dorfe Rödgen Feuer aus und wurden 30 Gebäude, darunter 4 Häuser, eingeäschert. Weiter erhielt ein Mann nicht unbedeutende Brandschäden und ein Ochse, eine Kuh, ein fetteS Rind, Schafe und Schweine wurden ein Raub der Flammen.
— Ein hiesiges Mädchen, das ohngefähr 17 Jahre alt unv schon wegen Gelddiebstahls bestraft worden ist, schleicht sich fortwährend in die Häuser und dringt oft bis in die Dachkammern, wo sie den Inhalt der — in der Regel unverschlossenen — Kisten der Dienstboten, nach Geld suchend, durchwühlt. So ost sie betreten wird, Hal sie eine AuSrede bei der Hand, indem sie angiebt, „sie sei bestellt", — „sie suche den oder jenen" — „sie habe Loose anzubieten" u. d. m. Es wäre gut, wenn diese Person, so ost sie in fremden Häusern betreten wird, festgehalten und der bett. Behörde überliefert würde.
— Am 25. Juni d. I. wurde in Gießen die Ehefrau deS Kaspar Braun auS Daubringen von einem Polizeidiener angehalten, als sie eben mehrere Pflugsschaare und Spannketten verkaufen wollte. In der Nacht vorher waren dergleichen in der Daubringer Feldgemarkung gestohlen worden.
— Am 20. d. entwendete ein Manu von hier mehrere Blumen sammt den Töpfen von einem Grabe und bot sie zum Kaufe an. Er wurde ertappt und sieht der Bestrafung des groben Frevels entgegen.
es Neues?
— Vor mehreren Tagen hat eine hier dienende Magd die Wilhelmine Mathäs aus Gladenbach, ohne sie zu kennen, heimlich über Nacht beherbergt. Zum Lohn hierfür wurde sie von dieser tüchtig bestohlen. In Folge der polizeilichen Nachforschungen wurde sie entdeckt, ergriffen und bestraft.
— Die Ehefrau des Christoph Meißner von Großenbuseck, eine bekannte Branntweinsäuferin, die sich bisher unter allerlei Vorwand in hiesige Häuser einznschleichen wußte, hat schon mehrere Leute bestohlen und wurde deßhalb neuerdings in Untersuchung gezogen. Es ist vielleicht vvrtheilhaft, auf dieselbe aufmerksam zu machen.
— Am 11. Juli findet in Wetzlar ein Sängerfest Statt. — Auch soll im Laufe dieses Monats ein großes landwirthschaftliches Fest demselben folgen.
— Am 24. Juni hat ein Gewitter in der Nähe von Meißen große Verheerungen angerichtet; der Sturm hat in einigen Dörfern ganze Gebäude eingerissen.
— Nach einer Verfügung des Finanz-Ministeriums zu Stuttgart ist der Postdienst zur Beförderung der Sonn- und Festtagsfeier an diesen Tagen beschränkt worden — und bleiben in Fol, e dessen die Schalter während des Vor- und Nachmittags-Gottesdienstes geschlossen. Auch das Austragen der Briefe für den Rest des Nachmittags unterbleibt. (Zu Letzterem glaubt man bemerken zu müssen: daß solches keine Störung in die Feier des Tages bringe--,
sondern vielmehr eine große Störung im Postenlauf, Handel, Gewerbe und vielen anderen Beziehungen int Leben veranlassen werde, und man um deßwillen rathen solle, in dieser Beschränkung nicht zu weit zu gehen. Denn es wäre hiernach das: was man auf der einen Seite schaffe (Eisenbahnbeförderung) vernichte man auf der andern Seite (durch die Post.) D. Red.)
— In Frankfurt ist der Preis des sechspfündigen Laib BrodS uni 1*4 fr. gestiegen.
— Die Hamburger Kaufmannschaft soll sich dahin vereinigt haben, alles nicht fnndirte Papiergeld als volle Zahlung nicht anzunehmen und deßhalb Listen in den dortigen Kaufläden und ComptoirS aufzulegen. Zur Nichtannahme gehören: 1) Anhalt - Dessauer Kassenscheine, 2) Cöthen-Bernburger Eisenbahnscheine, 3) Kur- hesstsche Leih-Kammer-Banknoten, 4) Schwarzburg - Rudolstädter Kassenbillets, 5) Leipziger Banknoten auf 20 Rthlr., 25 bis 100 Rthlr., und solche, welche die Nr. auf einer Seite haben, als falsch.
— Es hat sich das Gerücht verbreitet,- der Prinz-Präfident würde bis zum Herbst vaS Obereommando in Kabylien übernehmen.


