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Und es zuckt durch all' die Herzen Selt'nc, unnennbare Lust!
Eingelullt sind alle Schmerzen In der hoch geschwellten Brust!
Aber aus dein frohen Himmel
Stürzt der nächste Augenblick;
Denn gar oft in's Lustgetümmel
Mischet sich ein hart Geschick;
Un6 die Träume sind erblichen Gleich dem frühen Morgenroth, Und die Freude ist gewichen, Und das Herz ist lebend tobt.
Bau' nicht auf den elften Schimmer, Der Dir, Sterblicher! wohl hold, Erdenglück liegt bald in Trümmer, Wenn des Schicksals Würfel rollt! Und so steiget auf und nieder Ewig Glück und ewig Schein;
Heute Lust und frohe Lieder, Morgen Schmerz und herbe Pein.
Unter Mühen, unter Sorgen, Unter schwerer Arbeit Last, Von dem jungen frühen Morgen, Vis zum Abend ohne Rast: Muß der arme Dulver streben, Berge steigen auf und ab; Um das karge nackte Leben Sich zu fristen bis zum Grab.
Doch nur Muth im SturmeSwehen, Muth in jeder Erdennoth!
Muth läßt uns im Kampf bestehen, Führt durch Nacht zum Morgenroth! . Muth hilft jede Bürde tragen, Und erleichtern die Gefahr; — Drum hinweg mit allem Zagen, „Glück und Heil zum Neuen Jahr!" Gießen am 1. Januar 1852.
Theodor Loos.
Die Stadt kirche
war während dieses Winters zur Zeit des Gottesdienstes seltener besucht als jemals. Wir wollen nicht auf die inneren Gründe dieser Erscheinung eingehen; aber der Ortsvorstand sollte doch Alles aufbieten, um die äußeren Ursachen, welche vom Kirchenbesuch abhalten, zu beseitigen. Das Innere der Stadtkirche läßt jedes für religöse Betrachtungen empfängliche Gemüth durch den gänzlichen Mangel aller würdigen Ausstattung,, durch die auffallende Geschmacklosigkeit des Baustyls kalt, aber noch mehr muß Viele die äußere Kälte während der Wintermonate vom Besuche der Kirche zurückschrecken, denn wer nicht im Stande ist, sich mit einer Menge von wärmenden Stoffen zu bekleiden, wer nicht
gegen alle so empfindlich wirkenden Einflüsse der Temperatur bei einem mindestens eine Stunde andauernden ruhigen Verhalten abgehärtet ist, kann ohne Gefahr für die Gesundheit dem Gottesdienste in jener Kirche nicht beiwohnen. In allen Städten, in welchen der Ortsvorstand regen Eifer für die Religionsübung bezeugt, werden daher die K i r ch e n , deren bauliche Einrichtung dies zuläßt, bei herrschender Kälte geheizt. Seitdem in Darmstadt die Kirchen erwärmt werden, hat deren Frequenz sehr zuge- nominell. Wenn es der Ausführung eines Vergnügens gilt, wird kein Heizmaterial erspart, um ausgedehnte Balllokale zu Heizen. Warum sollte eine gleiche Ausgabe nicht im Interesse des Goties- dienstes geboten sein, zumal wo der Stadt so ausgedehnte Waldungen zu Gebote stehen, daß sie eine Quantität Holzes leicht abgeben kann? Außerdem ist die technische Ausführung ohne alle Schwierigkeiten, sei es durch Erwärmung des Bodens der Kirche, nach Art der Treibhäuser, oder durch einige mit zweckgemäßen Einrichtungen versehene Oefen. Jedenfalls war es hiernach nvthwen- dig, daß dieser Gegenstand öffentlich in einer Stadt zur Anregung gebracht wird, in welcher der protestantische Kirchenbesuch im Ver- hältniß zur Bevölkerung als ein äußerst geringer bezeichnet werden muß, wo also alle Hinverniffe mit aller Entschiedenheit beseitigt werden sollten. X.
Die Getreidetheuerung und der Getreidchandel.
Die Steigerung der Getreidepreise hat leider auch jetzt wieder die Wirkung, eine Menge Voruriheile im Volke hervorzurufen und die Stimmung Bieler gegen einzelne Stände aufzureizen.
Zunächst hat man zu erforschen, welches das Wesen hoher Getreidepreise ist, denn nicht jeder hohe Getreidepreis ist für den Landwirth ein theurer Preis. Theuerung des Getreides findet nur dann stall, wenn der Produeent so viel für sein Getreide erhält, daß er zu großen Gewinn bei der Erzeugung hat; wenn aber in Folge einer schlechten Ernte das Getreide sehr int Preise steigt, so ist dieser gesteigerte Preis für die Consuntenten zwar zu hoch und drückend, aber für den Produeenten nicht iheuer, weil er bei der geringen Menge nur wenig verkaufen kann.
Daß man in Theuerungsjahren keinen Mangel hat, ist zum großen Theil den höher» Getreidepreisen zu verdanken, durch welche die Zufuhr aus solchen Gegenden, wo die Preise niedriger stehen, bewirkt wird. Da sich diese Verhältnisse nur Wenige klar machen, so ist das Vorurtheil aufgetaucht, als ob die Getreidepreise durch die großen Landwirthe und durch die Händler willkührlicb in die Höhe getrieben werden könnten. Wer aber an dieses Vorurtheil glauben kann, hat sich noch gar keinen Begriff geinacht von der Großartigkeit des Verkehrs im Allgemeinen und von der Wohlthat des im Großen betriebenen Getreidehandels insbesondere. Durch Schifffahrt und Eisenbahnen ist es leicht geworden, eine große Menge Getreide über ein großes Land zu verbreiten, und zugleich mit einer Schnelligkeit, daß jetzt wirklicher Mangel in ganzen Ländern kaum denkbar ist. Wo der Vorrath in einer Gegend zu Ende geht, kann der Bedarf in kurzer Zeit aus andern Gegenden beschafft werden, und daß irgendwo der Vorrath zu Ende gehe, wird durch die Einrichtungen des großen Getreidehandels schnell in andern Gegenden bekannt.
(Schluß folgt.)
Dem Anonymus der leisen Anfrage diene hiermit zur Nachricht, daß dieselbe so lange keine Aufnahme in diesem Blatte sin- den kann, bevor er der Redaction dieses Blattes zur Notiz seinen Namen genannt habe.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckecei.


