Ausgabe 
26.2.1851
 
Einzelbild herunterladen

138

Druck und Verlag der G- D. Brühl'schm Buch- und Steindruckerei.

einer immer ärger als der andere."

Darin bi» ich vollkommen Eurer Meinung", sagte der Angeklagte,nur lassen sie einander nicht erschießen, wenn sie sich dabei ertappen."

Richtig, aller Bursche; aber dabei fällt nut etwas ein: die Untersuchung ist zu Ende und ich will jetzt das Urlheil sprechen." Mit diesen Worten streckte der würdige Stichler die Hand aus, um seine Feder zu ergreifen; aber sie steckt- so fest in der vertrockneten Dinte, daß er sie nicht herausziehen konnte.Carainba. rief er aus,ich habe ja auch vergessen Stempelpapier holen zu lassen. Was soll ich nun machen?" Dann, wie Plötzlich von einer Idee inspirirt, wandte er sich zu den beiden Dragonern mit den Worten:Da ich gerade kein Papier habe, um mein Urtheil darauf zu schreiben, so nehme ich euch, meine Söhne, zu Zeugen, daß ich hiermit Joachim Pachcco, den Mörder des Don Antonio, verurlhejte, nach Verlauf von 48 Stun­den erschossen zu werden, auf der Stelle, wo da- Ver- brechen verübt wurde. Die Untersuchung lst geschlossen, Klingt den Verurtheilten wieder ins Gefaugmß."

Indem nun Joachim das Zimmer verlassen wollte, sprang der Stichler aus der Hängematte und ihn am Arme fassend sagte er:Mein armer Joachim, ich hoffe Ihr werdet es mir nicht Nachträgen, daß ich diese klein- Fyrmalt'gt jn Eurer Geschichte habe vornehme» müssen, und vergeßt nicht, Eurem Freunde dem Con- trabandista, ein Wörtchen in Betreff meiner zu sagen, wie Ihr mir eben versprochen habt."

Zwei Tage darauf wurde Joachim erschossen.

Macht keine Umstände, Mann," sagte der dichter rii ibm rauchen ist eine der wichtigsten Beschas- tigungen' im Leben ; aber um die Wahrheit Euch zu sagen, seit di- Regierung das Tabaksmonopol °n sich genommen bat, wird der Tabak wltner fch echt-r.

Jndeß gibt cs noch immer einige brave Buschen, die sich nichts daraus machen mit den Zollbeamten X Pa., Äugdn i- «-chftl.3»*«, und wenn Euer Gestrengen sich davon überzeugen will, so brauchen Sie mir nur die Ehre zu erzeigen, dies Bünv-l Cigarren anzunehmen."

Gern, Freund," war des Richters Antwort, in­dem er das hingereichte Cigarrenbilitdel nahm und sofort eine herauszog, die er am Kohlenbecken anzun- d-te.Caramba!" rief -r, als er schweigend ein Paar Minuten den Dampf der Cigarre von sich, g'- blasen hatte.Ihr habt recht, das ist Etwas Köst­liches 1 Ihr Räuber seit heutzutage dl- einzigen Ca- bqll-ros, welche gute Cigarren zu rauchen bekomme,I. Meiq lixber Jupgefuhr er uist f-in-r fuße eil Stimme fort,Ihr müßt wtrkltch be> dem Contra- bandista , der Euch diese schönen C'garren geliefert hat, ein gutes Wort für mich einlegen. Es wird

Eures Freundes Schade nicht sein, denn außer dem Gelve, das er in die Tasche steckt, kann man nicht wissen, ob es nicht in meiner Macht stehl ihm zu helfen, wenn er über kurz oder lang in Unannehm­lichkeiten kommen sollte. Doch nun zum Geschäft, wenn Ihr wollt. Sagt mir einmal beim Teufel, warum habt Ihr den armen Antonio uingebracht?"

Um Euch die reine Wahrheit zu sagen, Richter," antwortete der Angeklagte mit der größten Kaltblütig­st von der Welt,so bin ich niemals im Stande gewesen, das ganz genau zu begreifen. Wenn mein Gedächtniß mich nicht trügt, so waren an jenem Morgen meine R-rven sehr aufgeregt und dadurch war ich sehr reizbar geworden."

Das ist allerdings ein Entschuldigungsgrund, muß ich sagen," entgegnete der Richter,aber nicht von großer Bedeutung, und deshalb kann ich die Entschuldigung nicht gelten lassen. Doch, was ich sagen wollte, wie hoch läßt denn Euer Coutrabaudista sich die Nuda (großes rundes Packet) von seinen Cigarren bezahlen?

Zwölf Realen, und in jedem Paket sind 32 Bündel." .

Und dafür läßt die Regierung uns zwei Piaster, das sind doch 16 Realen, bezahlen!" rief der Richter mit Heftigkeit.Das ist ja Diebstahl, ein offenbarer und schamloser Diebstahl. Bah, sprecht mir nicht von den Regierungen, die bestehen alle aus Spitzbuben,

bestand aus einer Hängematte von Gras geflochten, welche mit zwei Haken an der Decke befestigt war einem Paar Stühlen von Bambusrohr, einem alten wurmstichigen Tische von Mahagoni, der aus dem un- In-n Steinpflaster des Gemachs wackelte, nut, einer schlechten Strohmatte au der Thure. jn d H y matte ruhte halb sitzend, halb liegend ausdenEll-

neftüfet die Hand unterm Kinn, ein Heiner spindeldürrer Mann mit runzeligem G-M, dessen schmutzige abgetragene Kleidung von der hohen richter­lich'n Würde keinen hohen Begriff gab Auf dem Tische stand ein Gefäß mit glühenden Kohlen zur Be-

ä ZML. B» ein 'staubbedecktes Diutensaß und daraus sch-ute euie verqe bie kurze Feder hervor, aber Papier war nicht r» sehen Um das Bild des Gerichtshofes von Cosala zu vollenden, braucht der Leser sich nur noch den ^nackiim Nacheco zu denken, wie er, ganz phlegmatisch

ÄW -f.

.-J hin- und herschaukelt und seinen Wachtern, zwei Dragonern, den Stücken zukehrt, die itebeneinander aus der Strohmatte sitzend, mit dem Karabiner zwischen den Knien, emsig beschäftigt sind Papi-rc.garren zu drehen bis der Dienst sie wieder aufrust.

Nun llombre" (Mann), sagt- ^Richter, s seiner bequemen Stellung sich etwas ausrlchtenv,nun wollen wir Euch verhören." .

Mit Eurer Erlaubniß, Senor, sprach Pacheco, indem er, ohne dein Richter zu antworten, austand, Ti cke ging und eine Cigarre, di- er zwischen LnFingern" gehalten hatte, am Kohlenbecken an-