54

nach rundete sich die Stadt ab und schloß sich mehr und mehr zu einem Ganzen, und jetzt nach vier Jahren sind alle Straßen belebt und bebaut, schöne Häuser, zwei Kirchen und Schulen, Handwerker jeder Art, Kaufleute unv alle Bequemlichkeiten des Lebens in vollem Maße zu finden. Vergnügen und Feste nach deutscher Weise sind gewöhnlich, überhaupt ein Ge­deihen des Ganzen, wiewohl nirgend augenfälliger als hier. Woher kommt dies? Aus den Mitteln, welche der Verein hier vorschoß, aus der guten Lage und dem herrlichen Boden und aus der Thätigkeit seiner Bewohner.

Du willst nun wissen, was Du bei Deiner An­kunft zu thun und wie Du dich zu verhalten, und was der Fragen mehr sind. Freilich ist ein Rath darin nicht ohne Schwierigkeit; denn ich weiß nur zu gut, daß Du und Alle in Deutschland sich unsere Verhältnisse nicht deutlich genug vorstellen können; daß die guten Rathschläge häufig so verschieden und widersprechend sind, und daß ihr gerade dann ent­weder gerade das Verkehrte ergreift, oder euch selbst zu rathen am Besten haltet und dann meistens fehl geschossen wird. Unter den Handwerkern sind Schmiede, Stellmacher, Tischler, Zimmerleute stets in Nachfrage. Es sind in Braunfels z. B. sechs Schmieden, von deren Besitzern, soviel ich weiß, keiner Vermögen bei seiner Ankunft hatte. Jeder derselben besitzt jetzt Haus und Stadtplatz nebst Werkstätte, außerdem noch Einige von ihnen Farmen und Vieh und mehrere ohne Zweifel noch Geld im Kasten. Auf diese Weise könnte ich bei allen Handwerkern das Wohlergehen nachweisen. Die Kaufleute sind fast zahllos; wo Kaufleute sind, da müssen doch auch Käufer sein, und wo Käufer sind, da muß auch Geld sein denn — bekanntlich verschenken die Kaufleute nichts — und wo Geld ist, muß auch Verdienst, um Geld zu erwerben, sein. Aber wie köstlich liegt auch die Stadt: an der Haupt­straße von Osten nach Teras, nach dem Westen nach Meriko, ja nach Kalifornien; hier kreuzen sich täglich zwei Fahrposten, täglich ziehen Reisende durch; alles dies trägt natürlich dazu bei. Was man sogern sagt: es müsse hier Alles sehr theuer sein, so könnte solches Gerede dadurch sehr bald widerlegt sehn, wenn man sagt: es ist hier auch mehr Verdienst; und da­her können die Leute auch mehr zahlen; jedoch jenes Gerede ist nicht einmal wahr, aber wahr ist, daß der Tagarbeiter hier täglich %—% Dollar (16 Sgr. bis 1 Thlr.) verdient, nebst Beköstigung, daß Hand­werker, wenn sie bei Tage arbeiten, gewöhnlich 1 Dol­lar 75 Cent (1 Thlr. 10 Sgr. bis 1 Thlr. 25 Sgr.) verdienen; geht zur Genüge daraus hervor, daß z. B. ein Fenster fir und fertig 7 Dollar kostet, eine Thür 5 Dollar beim Tischler, daß der Schmied sich ein Hufeisen mit ’/2 Dollar, sage 20 Sgr., bezahlen läßt. Solche Preise müssen wir noch heute zahlen, ob­gleich alles andere verhältnißmüßig sehr billig ist. Aber noch mehr: Wohin wird und muß der Strom der Auswanderung von Deutschland sich ziehen?

Nur nach dem Westen von Teras, wenn man nur erst alle die Vortheile des Landes hinreichend erkannt hat. Dann .können wir aber noch lange Jahre an den Emigranten bei seiner Ankunft unsere Producte verkaufen. Doch noch mehr: Was werden wir in Zukunft produciren?

1) Waizen, um das untere Land von Teras, wo er nicht gezogen werden kann und wird, um die Zucker- und Baumwollenpflanzer damit zu versehen.

2) Rindvieh in unfern schönen und herrlichen Prairien, um Westindien, unfern natürlichen Absatz­punkt und den Markt von New-Orleans, damit zu versehen.

3) Schafe, um dem Norden und Süden feine und gute Wolle zu senden.

4) Tabak für uns, selbst für euch in Deutschland.

5) Wein, wozu bereits viele versprechende Anlagen gemacht, und der hier ereellent gedeiht.

6) Seide. Sollte dieser Betrieb nicht besonders auf dieses Land hingewiesen sein, da die Maulbeere hier wild in den Wäldern wächst und sich sogar ein Seidenspinner in der Wildniß findet? Ich mache mit dem Seidenbau im nächsten Jahre einen An­fang , wahrscheinlich der erste Versuch in dieser Ge­gend, und ich bin überzeugt, er wird sehr bald Nachahmer finden.

Niemand wird mit jenen von uns gelieferten und besonders für Ausfuhr bestimmten Artikeln coneur- riren können; die Entfernung zur See ist keine Ent­fernung; daher behaupte ich: der Westen von Teras ist geborgen, er wird stets einen Markt für Das, was er producirt, finden.

Es läßt sich freilich nicht leugnen, daß in Teras, wie in anderen Ländern, auch fchlechtes Land sich findet; aber wer soll und muß denn auf dem schlech­ten Lande wohnen? Und wenn Du klug bist und mich hören willst, so achte darauf, daß es besser ist, ein gutes Stück Land zu haben, welches von schlech­tem umgeben ist, als eben solches von lauter gutem umgeben. Jetzt wirst Du feen: „Da gibst Du mir aber thörichten Rath." Und doch ist dies meine wahre Meinung. Denn das gute Land wird, be­sonders an bedeutenden Straßen, gewöhnlich sämmt- lich in Cultur genommen, die Leute kommen zu nahe Einer an den Andern und das hindert die Viehzucht vielfach in der leichten Weise, wie sie hier getrieben wird, wo man alles Vieh: Schweine, Scbase, Kühe, Pferde frei und ungehütet, Sommer und Winter, umherlaufen läßt, der Ernte von Winterfutter für das Vieh bedarf es nicht, da dasselbe zu jeder Jahreszeit reichliches Futter im Freien findet. Hast Du aber fchlechtes Land neben deinem guten, fo kommt Dir Niemand in die Nähe, Dein Vieh hat Mehr Raunt, braucht nicht so weit nach Futter zu gehen und hat für immer Weide in der Nähe.

(Fortsetzung folgt.)

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schm Buch- und Steindruckerest