Ausgabe 
12.2.1851
 
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Asfifenverhandlungen

vom ersten Quartal 1851.

I) Montag den lo. Februar. Joh. Friedler von müller"H roC3en m^mcr Diebstähle. Verth.: Pfann-

2) Dienstag den 11. Febr. Peter Walther von Stre- Samcs W9Cn Setrus u"d Schristfälschung. Verth.: Dr.

3) Mittwoch den 13. Febr. Contumacialverfahren ge­gen Joh. Obermann von Heimertshausen, wegen Verun­treuung un Dienste.

4) Denselben. Ludwig Schmidt, Schreiner, und dessen ^hesrau von Romrod, wegen ausgezeichneten Diebstahls, beziehungsweise Begünstigung. Verth..- Krauskops.

5D Donnerstag den 13. Febr. Joh Obermann v. Lie- Bermaun ^ewallthätigkeitund Körperverletzung. Verth.: M Freitag den 14. Febr. Joh. Heil u. G. Eckhard v. Wetterfeld, wegen versuchter Rothzucht. Verth.; Thor- für Heil. Verth.; Wolf, erwählt ». Eckhard.

Samst-rg den 15. Febr. Fr. Fulvat und Math, -nuyl v. Grunberg, wegen ausgezeichnetem und beziehungs­weise einfachem Diebstahl. Bcrth.: Dornsciff.

Zur Unterhaltung und Belehrung.

List zweier Bruder.

Vor ungefähr 25 Jahren kamen zwei Brüder, die Schnei­dergesellen waren, nach Jamaika. Da ste bei ihrer Ankunft sahen, daß ihr kleiner Beutel nicht int Stande wäre, ihnen zu einer Niederlassung zu verhelfen, so sannen Sie auf Mittel, wie sie eine Summe von 6070 Pfd. Sterling zu­sammenbringen könnten, um zu einem Handel zu gelangen, lllach einigem Hin- und Hersiunen hatten sie folgenden sonder­baren Einfall: Einer von ihnen sollte den Andern nackt ausziehen, ihm alles Haar abrastren, ihn vom Scheitel bis zu den Füßen schwarz machen und ihn darauf als Neger ver­kaufen. Dies wurde in's Werk gesetzt. Einer von ihnen gab sich zum Opfer her, ließ sich von seinem Bruder zum Neger machen und sich zu einem Sclavenhändler führen, der über seinen schonen Muchs nicht wenig erstaunt war und ohne langes Zögern 80 Pfd. St. für ihn hergab. Der Verkäufer ging fort und ließ seinen verkauften Bruder in den Händen des Sclavenhäudlers. Aber noch in derselben Nacht ent­wischte der vermeintliche Neger zu seinem Bruder, ließ sich von ihm rein waschen und arbeitete am anderen Morgen wieder als Europäer. Vergebens suchte der Sclavenhändler seinen Neger auf und versprach denjenigen zu belohnen, der ihn wieder auffinden würde. Durch Klugheit entgingen die beiden Brüder allen Nachforschungen, fingen einen Handel an und gewannen damit ein Vermögen von 20,000 Pfd. St. .und kehrten unlängst nach England zurück. Jedoch vor ihrer Abreise aus Jamaika begaben sie sich zu dem Sclaven­händler, erinnerten ihn an die Geschichte des entlaufenen Ne­gers und erstatteten ihm das von ihm bekommene Geld nebst den Zinsen.

Schicksals Wege.

Kannst du, Irdischer! den Schleier heben, Der dem Geist noch manches Wunder deckt? Kunde mir von jenem Näthsel geben, Das ost Völker, ganze Länder schreckt?

Ewig forschest du int Gang des Lebens, Im geheimnißvvllen Weltgeschick; Doch du sinnst und forschest stets vergebens, Nie in's Dunkel dringt dein Geistesblick!

Steig' empor auf kühnen, lichten Schwingen, Zu der Weisheit höchstem Strahlenthron; Zu den Göttern kannst du nimmer dringen! Und int Staube liegst du, Erdensohn.

Ewig weit, in unermeff'ner Ferne, Liegt das Ziel, das deine Träume füllt; Und du hängst begeistert an dem Sterne, Der dir nie das heiße Sehnen stillt.

Blick in's Hüttchen, wo die Armuth weinet. Und die Brust mit tausend Schmerzen ringt, Wo kein Sonnenblick der Freude scheinet, Nie ihr Strahl in seine Räume dringt:

Ach, da kehret des Geschickes Wüthen Schrecklich oft und unaufhaltsam ein, Bis geknickt die letzten Lebensblüthen, Denn int Grabe nur kann Frieden sein!

Doch, am prunkenen Palast voll Wonnen, Zieht s oft still und ohne Schmerz vorbei, Und der Glückliche träumt seine Sonnen Unvergänglich, ewig jung und neu!

Wohl noch heute frühnet er dem Schimmer, Der ihn hold im Noseulicht umgiebt.

Morgen schon liegt all' das Glück in Trümmer, Und die Ideale sind getrübt!

Wohl in's Leben bist du froh gezogen, In dem Herzen männlich starken Muth, Kühn dich stürzend in die Kampfeswogen, Wege bauend durch die wilde Fluth;

Und du träumest schon von ird'schem Glücke, Wähnst errungen schon den sichern Port: Weh', da schleudert dich des Schicksals Tücke Weit vom Ziel im Sturmgebranse sort!

Doch im Busen lebt ein mächtig Hoffen,

Das dich süß, wie Zauberweh'n, erfüllt, Ob auch Schreckliches dein Herz betroffen, Nutzlos folgst dn deiner Träume Bild!

Ja, ein Schleier deckt das hehre Walten, Das der Erde seine Dornen streut, Und in tausend wechselnden Gestalten Endlos seine Leidenskette beut.

Senk' dich in die lichten Sternenräume,

Wo sich ewig Sonnenkörper dreh'n,

Deine Schlüffe sind nur leere Träume, In das Räthscl darfst du nimmer seh'»!

Theodor Loos.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.