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Bekanntmachung.
Das Anzeigeblatt für die Stadt und den Regierungsbezirk Gießen erscheint auch in diesem Jahr wöchentlich 2 Mal, am Mittwoch und Sonnabend. Avertissements jeder Art, welche längstens bis Dienstag Morgens 9 Uhr an die Erpedition eingesendet werden, werden in das am Mittwoch erscheinende und diejenigen, welche längstens bis Freitag Morgens 9 Uhr eingehen, in das am Sonnabend erscheinende Blatt ausgenommen. Die Pränumeration für das ganze Jahr ist für Einheimische 1 fl. 30 fr., für das halbe Jahr 45 fr. incl. Bringerlohn; für Auswärtige: für das ganze Jahr incl. des Portos und Postgebühren 1 fl. 42 fr., für das halbe Jahr 51 fr. Da das Abonnement auf dieses Blatt mit dem 31. December v. I. zu Ende gegangen ist, so belieben sich diejenigen auswärtigen Abonnenten, welche solches auch sür das laufende Jahr fort zu halten wünschen, wegen Bestellung desselben, an die ihnen zunächst gelegenen lobl. Postämter oder Posterpe- ditionen und Einheimische an die unterzeichnete Erpedition zu wenden und den Prännmc- rationöbetrag franco einzusenden.
Die Exped. des Anzeigeblattes für die Stadt und den Reg -Bezirk Gießen.
Am Grabe
einer früh Vollendeten.
SErauernb stehn wir hier an Deinem Grabe, Wo die Thräne unserm Äug' entquillt, Ach, sie ist ja noch die einz'ge Labe, Ja, die einz'ge, die den Gram uns stillt. „Stiller Ort! wo manche Herzen beben, „Manches Traumbild durch die Seele zieht, „Theure Schatten unser» Geist umschweben, „Ach, du stimmst so düster mein Gemüth!"
Heitre Sterne glänzten, silberhelle, O Verklärte! still in Deine Welt, Lächelten in Deines Lebens Welle, Nur von Lust und Hoffnungen geschwellt! Zarte Blüthen, noch im jungen Keime, Dir von Göttern in die Brust gehaucht, Webten sich in Deine Erdenträume, Still am Rosenhimmel aufgetaucht!
Kaum beglückt von all' den frohen Sonnen, Lachte Dir die Welt im Rosenglanz;
Ach, da war auch schon das Glück zerronnen, Und entblättert lag der duft'ge Kranz; All' die Freuden, farbenreich gewoben, Aufgeblüht im holden Lebensmai, Ach, sie waren bald im Sturm zerstoben, Und es riß der süße Traum entzwei.
Und es sank der Morgen Deines Lebens In das Meer der Ewigkeit hinab; — Still erlosch die Fackel — und vergebens Rinnt die Thräne hier an Deinem Grab. Und vergebens brennen tiefe Schmerzen, ' Zittert bang der düstre, feuchte Blick, Nichts gießt Dich den trauervollen Herzen, Nichts der Welt, der irdischen, zurück!
In den jungfräulichen Brautkranz wanden Todesengel ihre Blumen ein, Und es lösten sich die Zauberbanden, Die der Erde Himmlisches verleih'». Doch vereinte, treue Herzen lodern Hoch erhaben über Raum und Zeit, Mag die Hülle in dem Grabe modern, In der Liebe wohnt Unsterblichkeit.
Schwer, ach, waltet das Geschick hicnieden, Ewig dunkel und gehcimnißvoll! — Von der Erde bist Du ftüh geschieden, Schlafe wohl, Vollendete! schlaf' wohl. Schlummre wohl in dem geweih'ten Raume, Mögen Engel Deine Gruft umwehn;
Störe nichts Dich in dem Todtentraume, Schlummre wohl bis auf ein Wiederseh'n!
Gießen am 5. Januar 1851.
Theodor Loos.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.


