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Der ergreifende Aufruf der Schleswig-Holsteinischen Landesversammlung, der jedes deutsche Herz bewegen muß, und den wir hier noch einmal mittheilcn, weil er gewiß manchem unserer Mit­bürger noch unbekannt geblieben ist, lautet:

Die Schleswig-Holsteinische Landesversammlung

an

das Deutsche Volk.

Deutsche Brüder! Der Augenblick, in welchem wir unser Wort an Euch richten, ist ernst und verhängniß- voll, wie nie zuvor. Unsere nächste Zukunft steht auf der Spitze des Schwertes. Wir sind bedroht in unferm Rechte, in unserer Freiheit, in unserer Nationalität, bedroht in Allem, was einem Volke als das Höchste unv Heiligste gilt.

Fast die Hälfte unseres Landes ist in den Händen eines erbitterten Feindes. Frevelnder Hohn wird dort gegen Gesetz, Recht und Sitte geübt; die Söhne des Landes werden gewaltsam dem feindlichen Heere eingereiht; die unerträglichste Erpressung ist über eine Bevölkerung verhängt, deren einziges Verbrecben es ist, daß sie, fest­haltend an dem alten Rechte, sich unter Dänemarks Gewalt nicht beugen will. Mächtige Eabinelte Europeps sind mit dem Dänischen zusammengetreten, uns unser gutes Recht zu entreißen, Schleswig-Holstein einer fremden und feindseligen Nation für alle Zeit zu überliefern. ,

Wer unsere Verhältnisse kennt, der weiß es, daß unser Kampf keinen anderen Zweck hat, als tue -3er- theidigung gegen den ungerechtesten Angriff. Kein mit Recht und Ehre irgend verträgliches Mittel ist unver­sucht gelassen, den Frieden zu erlangen, und den Krieg mit allem seinen Elend zu vermeiden. Es blieb uns nichts Anderes übrig, als unbedingte Unterwerfung unter ein fremdes Joch oder Kampf bis auf's Aeußerste.

Die Wahl konnte nicht zweifelhaft sein. Volk und Regierung haben einmüthig das Letztere gewählt. Und wie unsere Statthalterschaft, unbeirrt durch die Prokocolle fremder Mächte, entschlossen ist, den Krieg mit allem Nachdruck fortzuführen, um zu einem ehrenvollen Frieden zu gelangen, so werden auch wir, die Vertreter des Schleswig-Holsteinischen Volkes, sie in der Ausführung dieses Entschlusses mit allen uns zu Gebot stehenden Miiteln unterstützen. Wir haben zu dem Ende beschlossen, dem Lande neue und schwere Lasten aufzuerlegen, seine bereits statt in Anspruch genommene Wehrkraft in noch erhöhtem Maaß- anzuspannen. Wir haben es beschlossen in der festen Zuversicht, daß ein tüchtiges Volk hinter seinen Vertretern steht, welches für eine große Sache große Opfer zu bringen bereit ist.

So dürfen wir auch erwarten, daß unsere hart geprüften Brüder in Schleswig nut derselben Standhaftig­keit, welche bisher ihr Ruhm war, auch fernerhin die schweren vom Feinde über sie verhängten Leiden ertragen, daß sie ausdauern werden, bis es gelingt, ihnen den Tag der Befreiung zu bringen.

Unser tapferes Heer harrt mit Ungeduld dieses Tages. Wir wissen es ihm Dank, daß auch das Unglück seinen Muth nicht zu beugen vermochte, daß es mit Freudigkeit di- schweren Mühen des Krieges getragen hat. Es wird den Erwartungen des Vaterlandes entsprechen.

Deutsche Brüder! Das ist die Lage der Dinge in dem gegenwärtigen Augenblick. Ihr habt zu einer Zeit, wo alle andere Hülfe wich, uns nicht verlassen. Wir sprechen Euch den Dank des Landes aus für Alles, was Ihr in dieser Zeit für uns gelhan habt, für alle Unterstützungen an Mannschaft, an Geld, an anderen Gaben.

Aber an unfern Dank schließt sich wir wollen es nicht verhehlen zugleich die ernste Mahnung, daß Deutschland nicht aufhören möge, die Lasten des Krieges mit uns zu tragen, die wir zwei Jahre hindurch weit über unfern Thell getragen. Denn Deutschlands Sache ist es, die hier geführt, feine Ehre, welche hier gewahrt, seine Freiheit, welche hier vertheidigt, sein Recht, welches hier mit Blut besiegelt wird. Außerordentliches rst erforderlich, vamit der Krieg mit der nöthigen Kraft zum Ziele geführt werde. Deutschlands heilige Pflicht wird es sein, uns ausreichende Hülfe zu leisten so lange es noch Zeit ist. Ein Volk von vierzig Millionen vermag Großes, wenn es nur einmüthig will.

In unferm Schicksal wird sich Deutschlands Zukunft spiegeln. Möge sie unser Vaterland hoch emporhe- ben über die Erniedrigung der Vergangenheit und der Gegenwart! Das gebe der Allmächtige, der die Ge­schicke der Völker und Staaten in seiner Hand hält!

Kiel, in der Schleswig-Holsteinischen Landesversammlung, den 5. October 1850.

Barqum, 2l. Wichmann.

Präsident. Schriftführer."

Nach solchen Worten ist es nicht nöthig, noch weiter auselnanderzufetzen, daß der bedrängte Bruderstamm in Schleswig-Holstein unsere Unterstützung nöthig hat, daß er ju um Deutschland verdient hat, daß dort um keine geringe Sache gekämpft wird, und daß es darum Pflicht jedes Denftchen ist, diese Sache nach allen Kräften zu unterstützen. Dieser Pflicht zu genügen, davon wird sich hoffentlich Niemand abhallen lassen durch die Rede, die man oft vernimmt:Es wird doch nichts daraus!" Das wäre freilich möglich, unv was im Schooße der Zukunft liegt, das wissen wir nicht; das aber wissen wir ganz gewiß, daß unsere Brüder in Schleswig-Holstein für deutsches Recht und deutsche Ehre kämpfen und leiden und ungeheure Opfer bringen, und darum, wir wiederholen es, ist es Pflicht eines jedes Deutschen, ihnen ihre Last tragen zu helfen, möge der Ausgang fein, welcher er wolle. Nur an die Geistlichen und Lehrer auf dem Lande möchten wir noch insbesondere die Bitte richten, nicht müde werden zu wollen, auch die Theilnahme des allerdings durch man-