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Bekanntmachung.
Das Anzeigeblatt für die Stadt und den Regierungsbezirk Gießen erscheint auch im nächsten Jahr wöchentlich 2 Mal, am Mittwoch und-Sonnabend. Avertissements jeder Art, welche längstens bis Dienstag Morgens 9 Uhr an die Expedition eingesendet werden, werden in'das am Mittwoch erscheinende und diejenigen, welche längstens bis Freitag Morgens 9 Uhr eingehen, tit das am Sonnabend erscheinende Blatt ausgenommen. Die Pränumeration für das ganze Jahr ist für Einheimische 1 st. 30 fr., für das halbe Jahr 45 fr incl. Bringerlohn; für Auswärtige r für das ganze Jahr iiicl. des Portos und Post- gebühren 1 st. 42 fr., für das halbe Jahr 51 fr. Da das Abonnement auf dieses Blatt für das laufende Jahr mit dem 31. d. M. zu Ende geht, so belieben sich diejenigen auswärtigen Abonnenten, welche solches auch für das folgende Jahr fort zu halten wünschen, wegen Bestellung desselben, an die ihnen zunächst gelegenen lobt. Postämter oder Posterpe- ditioneu und Einheimische an die unterzeichnete Expedition zu wenden und den Prannme- rationsbetrag franco einzusendeu. .
Die Exped. des Anzeigeblattes für die Stadt und den Reg -Bezirk Gresten.
Am Weihnachtsabend 1850.
Areude zieht in alle Herzen, In den Blicken glänzet Lust, Und es fließt! die bangen Schmerzen Heute aus der düstern Brust. In Palästen und in Hütten Streut ste ihre Blüthcn aus; Lächelnd kommt sie hergeschrittcn Und beut Jedem einen Strauß.
Und es zieht ein heilig Beben Lieblich durch die Seele hin, Aus den fernen Höhen schweben Engel — und die Herzen glühn! Jubelhymnen hallen wieder In dem Weltall nah und fern: Denn zur Erde lächelt nieder Uns ein hehrer, lichter Stern.
Wo der Wahn in tausend Wirren In die Herzen sich noch senkt, Und im Wähnen und im Irren Täuschend Bild auf Bild sich drängt: Da, erhab'ne, schöne Feier, Lass' des Lichtes Fackel glüh'», Lüfte da den düstern Schleier, Daß die nächt'gen Schatten flieh'»! —
Festlich prangt die kleinste Hütte, Ob auch Kummer sie durchbebt, Heute doch in ihre Mitte Still die Freude niederschwebt. Ueberall wohnt Lust und Wonne; Selbst der Greis fühlt sich verjüngt, Denn aus seiner Kindheit Sonne Ihm ein Laut herüber dringt.
Und in seligem Gefühle Jauchzen Kinder, groß und klein, Schauen ihre bunten Spiele In dem hellen Kerzenscheiu! Ucberglücklich, ohne Bangen, Geben sie der Freude Raum, Tändeln fröhlich, unbefangen, Um den lichten Weihnachtsbaum!
Und der Rührung stille Thräne Zittert in der Mutter Blick;
Welche unnennbare Scene, Welch ein überselig Glück! Und sie denkt den Rosenzeiten Der entschwund'nen Jugendwelt, Die mit tausend Seligkeiten Eh'mals ihre Brust geschwellt! —
Doch, wo in dem jungen Lenze Eingekehrt der kalte Tod, Wo entblättert er die Kränze, Ausgelöscht das Morgenroth: Ach, da brennen tiefe Schmerzen Unter Schicksals schwerer Hand; Ach, da schied von treuem Herzen Ein geliebtes, theures Pfand.
Und die schöne Feier ziehet Ohne Freuden still vorbei, Und die heitre Sonne fliehet, Und der Schmerz wird wieder neu. Spende du! o Hoffnung Frieden, Lind'rung der zerrisfnen Brust; Reich' ihr heute frische Blüthen Bei des hohen Festes Lust.
Theodor Loos.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schm Buch- und Steindruckerei.


