Ausgabe 
20.3.1850
 
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Meinem Bruder Friedrich will ich sein Versprechen durch Zeugen beweisen und von meinem Brnder Andreas will ich nicht erwarten, daß er mir die Worte abschwören wird, die er zu mir gesprochen hat. Wegen deS Legates klagte ich gegen meine Brüder dahin, daß sie mir es entweder gegen Caution zur Nutznießung herausgäben, oder es sicher zu Ca­pital anlegten, oder selbst dasür Caution stellten. Aber auch dagegen Processen sie unter der Anwalt­schaft des Dr. Sundheim und wollen gar nichts geben, obgleich ihr Verlangen, daß das Legat für ungültig erklärt werde, schon rechtskräftig verworfen ist. In den Sachen meiner Tante scheint der Un- seqcn zu stecken, denn, nicht genug, daß sie selbst an Dr. Sundheim über 1100 fl. Proceßkosten bezahlen mußte, hat sie sich auch von ihm die Testamente fertigen lassen, die zu lauter Processen eingerichtet sind, welche denn auch noch den Rest der Erbschaft verschlingen können. Meinen Bruder als denjenigen, der meine Tante zur Errichtung der Testamente be­stimmte und Herrn Dr. Sundhcim, der dieselben verfaßte, will ich deßhalb besonders empfehlen. Mir sind durch die geschilderten Verhältnisse, durch den hervorgerufenen Unfrieden, die Processe und die Testamente die Nägel zu meinem Sarge geschmiedet, worden. Ich habe meinem ältesten Bruder noch nie etwas zu Leide gethan und doch hat er mich in alle die Sachen gebracht. Daß meine Tante nicht so erbost auf mich war, beweißt der folgende Um­stand. Ich war in ihrer vorletzten Krankheit bei ihr, ich legte ihr die Kissen im Bette zurecht; sie erkannte mich nicht, hielt mich vielmehr für meinen Bruder Andreas und da sie wohl wegen der ge­troffenen testamentarischen Bestimmungen das Ge­wissen drücken mochte, sagte sie zu mir:Andreas, daß du mir den Schuhmacher nicht vergissest!" Be­

weis genug, daß sie selbst es nicht bös mit mir meinte nnd doch werde ich jetzt mit Processen geplagt.

Zwölf Jahre lang, während meiner zweiten Ehe, nahm die Ketzerei wegen meines Kindes kein Ende, meine Frau kränkelte beständig und weinte Tag und Nacht die bittersten Tbränen, ich selbst wurde aus Kummer auf das Krankenlager geworfen, meine Ge­sundheit ruinirt, mein älterliches Vermögen aufge­opfert und noch soll ich keine Ruhe haben. Auch noch dadurch sollte ich gekränkt werden, daß im Testamente gesagt wurde, es sei nicht von mir zu erwarten, daß ich zur Erziehung meiner Tochter etwas thue, während dem ich doch erweislich alles Mögliche an dieselbe gewendet habe.

An eine gütliche Auseinandersetzung, nach Grund­sätzen der Billigkeit, war nicht zu denken, denn mein Bruder Friedrich erklärte, von der Religion könne man nicht leben und ich wurde sogar genö- thigt, meine Brüder des Meineids anzuklagcn, um mein Interesse zu wahren, da sie über 2000 fl. Vermögen weniger in dem beschworenen Inventar angegeben hatten, als bei dem Tode der Tante vor­handen war.

Ich wollte einmal sehen, was sie gethan hätten, wenn sie in der zweiten Ehe gelebt und mit der Tante dasselbe Schicksal gehabt hätten, wie ich. Sie hatten mit ihren Weibern wegen der Anmaßung und dem Eigensinn der Tante Unfrieden genug und doch soll ich jetzt für Alle die Rechnung bezahlen.

Die vorliegende Erzählung kann Jedem zur War­nung dienen und ein Bild geben, wie durch solche Sachen häuslicher Frieden und Vermögen ruinirt werden können. Wollen meine Brüder sie wider­legen, so mögen sie hervortretcn, wenn fv aber mit Unwahrheiten kommen, dann werde ich sie auch noch abfertigen. Balthasar Möhl

Irn Prinz Carl: Hr. Kreid, Privatm. v. München. Hr. Meißner, Partik. v. Wien. Dr. Metz, Scrib v. Darm­stadt. Hr. Keidler, Kfm. v. Düsseldorf Hr. Noll, Künstl. v. Speyer, Hr. Rausch, Spcdit. v. Großcichen. Hr. B>aun, Lehr. v. Wetzlar. Hr. Albert, Privatm. u. Hr. Kanzler, Kfm. v. Mainz. Hrn. Oecon. Wolf v Gedern u. Walther v. Romrod. Hr. Rühl, Kfm. v. Frankfurt. Hr. Klees, Kunstgärtn. v. Büdesheim. Hrn. Handelsl. Haubensack v. Gönningen u. Körner v. Fulda.

In den Privathäusern.

Bei Hrn. Stud. Plagge: Hr. Plagge, Milit.-Arzt v. Worms. Bei Hrn. Wirth Pausch: Fr. Bauerfeld v. Marseille. Bei Wtw. Geißmar: Hr. Büttler, Schau­spieler v. Offenbach. Bei Fr. Reg -Rath Trapp: Hr. Bermann, Landr. v. Schlitz, -t- Bei Hrn. Gebhardt: Hr. Deibel, Kfm. v. Gladenbach. Bei Fr. Rcg.-Rath Heß: Hr. Heß, Kfm. v. Mainz. Bei Hrn. Oberinspect. Dietz: Hr. Goldmann, Reg.-Secret. v. Biedenkopf Bei Hrn. Schuhmachermstr. Wagner: Hr. Weidig, Gand. v. Alten­schlirf. Bei Hrn. Rothenberger: Frl. Löwenstein v. Fischbach. Bei Hrn. Buchb. Hofmann- Fr. Dörr v. Oberflorstadt.

I n d e n Gasthäusern.

Im Rappen-. Hr. Schuhmacher, Goldarbeit, v, Offen­bach. Hr. Klein Hüttenbes. u. Hr. Engel, Bürgermstr. v. Biedenkopf. Hrn. Kfl. Dude v. Bielefeld, Löhr v. Bremen, Rindskopf v. Frankfurt u. Gleichauf v. Langfelv. Hr. Henne­berg, Dr. v. Braunschweig. Hr. Schnabel, Ingen, v. Cassel. Hrn Handelsl. Spier v. Alsfeld u Hornberger v. Berlin. k>r Weigand, Privatm. v. Rcueisenbnrg. Hr. Weidner, Fabrik, v. Fulda. Hr. v. Mack, Offiz, v. Berlin Hr. Waldeck, Conrect. v. Menzeringhausen. Hrn. Kfl. Sacker­mann o. Frankfurt u. Mayer v. Lüttich. Hr. v. Ries, Finanzr. v. Hanau. Hr. Budach, Rcg.-Rath v. Cassel. Hrn. Kfl. Müller u. Alter v. Frankfurt, Gaquerin v. Hanau, Som­mer v. Cöln, Bugager v. Bremen, Bromberg v. Bremen, Müller v. Mainz, Äosler v. Glogau u. Bieger v. Worms.

Im Einhorn Hr. Schneider, Dr. med. v. Göttingen. Hrn. Kfl Saucrländer v. Fürth, Baumbach v. Crefeld. Herwig ti. Bingen, Strauß v. Frankfurt, de Bary v Of- ftnbach u. Anvre v. Hersfcld. Hrn. Rent. Geyger v. Straßburg u. Blum v. Hamburg. Hr. Burkas, Oecon. v. Gonzenheim. Hr. Juditz, Weinhndlr. v. Homburg. Hrn. Kfl. Krug v. Nordhausen, Lachner v. Schwalm u. Strumpf­weber v. Aschaffenburg. Hr. Stuhl, Verwalt, v. Affler. Hr Keudel, Forst-Cand. v. Sterndorf. Hrn. Kfl. Jäger v. Miltenberg, Schöning v. Vlotho Ar v. Rheydt, Sänger

Anaekommene und abgereiste Fremde vom 15. bis 18. März 1850.

v. Dresden, Prübsting v. Aschaffenburg, Henkelmann v. WormS, Schuster v. Alzey u. Ulrich v. Gotha.

Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch« und Steindruckerei.