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Große nlinden.
GrHmliilhemr Kirthiveihe findet Sonntag den 21. und Montag den 22. Juli d. I. Statt. Hierzu ladet Unterzeichneter höflichst ein, mit dem Bemerken, daß bei ihm gut besetzte Tanzmusik anzutreffen ist und für gute Speisen und Getränke bestens gesorgt werden wird. G. Schmelz,
1495) zum fröhlichen Mann.
Er st er Rechenschafts-Bericht
der
Blinden Anstalt zu Friedberg.
Zweiter Abdruck.
Kaum sind 8 Monate verstrichen, als der Unterzeichnete mit seinem Plane, eine „Blinden-Anstalt" zu gründen, vor die Oeffentlichkeit trat, und schon ist es ihm nicht nur möglich, sondern auch nothwendig, Rechenschaft von diesem Werke der Barmherzigkeit abzulegen.
Ueber alles Erwarten fand die Sache eine günstige Aufnahme. Nicht nur wurden Blinde aus dem ganzen Großherzogthume zur Aufnahme empfohlen*), sondern auch ein wahrer Wetteifer im Spenden an Liebesgaben fand statt. Der Unterzeichnete erkannte in dieser regen Theilnahme an der Sache einen Wink, rüstig an's Werk zu gehen; er wandte sich nach allen Seiten des Vaterlandes, und wohin er sich wandte, sah er sich nirgends in seinen Hoffnungen getäuscht, im Gegentheil, man kam ihm von mancher ungeahnten Seite auf's freundlichste entgegen. Die verschiedensten Zeitschriften und Lokalblätter nahmen seine Bitte in ihre Spalten auf und unterzogen sich mit löblichem Eifer der Entgegennahme von Liebesgaben. Pfarrherren, Lehrer, Gemeindevorsteher, Gemeinderechner, Privatleute, sogar 2 Schulknaben übernahmen es freudig Groschen zu sammeln **). Dies geschah vom Hinterlande bis an die Bergstraße, von über dem Rheine bis an die Grenzen des Odenwaldes, ja über die Marken des engem Vaterlandes hinaus reichte die Theilnahme. Aus dem Gebiete Frankfurts und dem Kurfürstenthum Hessen flössen der Anstalt schöne Gaben zu. Auch Gemeinden, wie Staufenberg bei Gießen und Zwingenberg an der Bergstraße, in denen Blinde sind, haben sich freiwillig erboten, theils jährlich, theils zeitweise, einen schönen Beitrag zur Deckung der Kosten zu steuern. Einer Liebesgabe müssen wir aber besonders erwähnen. Dieselbe kam von unserer allverehrten Landesmutter, Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Großherzogin. Es waren 100 fl. Neben diesen Gaben, vom Heller ***) bis zum Goldstücke ic., wofür wir von Herzen Namens der armen Blinden danken, könnten wir die rührendsten Zeugnisse der Theilnahme beifügen, gestattete es uns der enge Raum.
An Liebesgaben in baarem Gelve gingen ein . . . 640 fl. 19% kr.
Davon wurven ausgegeben für
Porto, Lehrapparae. Drucksachen, Bettwerk . . . 128 fl. 34% tr. Bleibt am 1. April 1850* in Kaffe ..... . 511 fl. 45 kr.
In Folge dieser überaus regen und thätigen Theilnahme von Menschenfreunden aus Nah und Fern, wofür ich dem Herrn danke von Grund meines Herzens, ist es zu meiner großen Freude bereits mögltch geworden, den ersten Grundstein zum Aufbau der Blinden-Anstalt zu lege». Am 8. d. Mts. hat der erste Blinde unseres Landes, ein Knabe von 8 Jahren aus Staufenberg bei Gießen ein Asyl gefunden, und so der Herr Kräfte und Mittel schenkt, werden ihm bald andere, aus Lindheim, Zwingenberg, Ortenberg, Walldorf, Bessungen bei Darmstadt, Obereisenhausen, Allenvorf re. ic. folgen. Aus allen den genannten Orten sehen Aspiranten mit Sehnsucht dem Tage ihres Eintritts in die Anstalt entgegen, und gerne käme der Unterzeichnete solcher Bitte recht bald nach, wenn sich ihm die Mittel darböten. Helfe daran, wer helfen kann und sei es auch mit einem noch so kleinen Scherflein. Viele kleine Gaben geben auch eine große. Wer viel habe, der gebe reichlich, und wer wenig hat, gebe von dem Wenigen, beides segnet Gott, und das Kleine von dem Wenigen hat denselben Werth als das Große von dem Vielen. Verschließe doch Niemand Herz und Hand! — Dbige schöne Summe ist meistens nur aus kleinen Gaben zusammen gekommen. Das Bitten für solche Sache ist ja schon eine Freude, noch größer aber die Lust des Gebens. — Keine Religion noch Eonfession ist ausgeschlossen, keine ziehe sich auch vom Geben zurück. So bedingt auch weder Armuth noch Reichrhum die Aufnahme. Die Noth ist die einzige Bedingung. Darum helfe, wer helfen kann! Gott walte es!
*) Bis heute 33. Darunter 3 blinde Geschwister zwilchen 5 und 14 Jahren.
**) Jeder Hesse dürste nur einen einzigen Groschen geben, dann könnten alle Blinde Aufnahme finden.
***) Das Scherflein der Wittwe darf nicht fehlen! —


