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bezeichnete La Trappe namentlich als dasjenige, welches das Schicksal der übrigen Klöster theilen sollte.
Ein junger Mönch, Dom Augustin, der mit Unwillen vernahm, daß die Brüderschaft, der er sich selbst zugesellt hatte, sich austösen sollte, versuchte mit beredter Zunge seine Milbrüder zu überreden, in ein ‘ anderes Land auszuwandern und wandte sich mit Er- laubniß seiner Oberen schriftlich an die Schweizerregierungen mit der Bitte, sein Kloster unter ihren Schutz zu nehmen. Seine Bitte wurde gewährt und am 26. April 1791 versammelte sich die Brüderschaft zum letzten Male in den gewohnten Sälen, um sie für immer zu verlassen.
Aber Manchen war ihre Einwilligung, das Land das sie geboren, die Orte, wo sie so lange Zeit gelebt hatten, zu verlassen, wieder leid geworden, und der Plan des Paters Augustin wäre fast in sich zerfallen, wenn cs seiner glühenden Beredsamkeit nicht gelungen wäre, ihren gesunkenen Muth von Neuem anzuregen und Begeisterung für die Erhaltung ihres Ordens, wenn auch in fremden Landen, in ihnen zu entzünden. Die aus ihrer Heimath Vertriebenen sainmelken sich also unter ihm und zogen mit einem kleinen Karren, der ihre Reliquien und Bußinstrumente trug, nach der Schweiz, wo ihnen im Canton Freiburg, eine Stunde von Val Sainte ein altes, seit lange verlassenes Gebäude in einem einsamen Thale eingeräumt wurde. Hier richteten sich die Trappisten wieder ein und bald kamen so Viele, die sich Alle ihrem Orden anzuschließen wünschten, daß sie Colonien nack allen Theilen Europa's und selbst nach Amerika schicken konnten.
Als Napoleons Siege die Schweiz Frankreich unterworfen hatten, mußten die Mönche ihre Einsamkeit in Val Sainte auch aufgeben, und wanderten in Deutschland, Rußland, England und andern Theilen Europa's herum, bis sie 1802 nach Freiburg zurückkehren durften. Endlich erweckte die Abdankung Napoleons 1815 und die darauf erfolgte Herstellung der politischen Angelegenheiten in den vorigen Stand, auch bei den Mönchen von La Trappe die Hoffnung, die verlassenen und entweihten Orte ihres früheren Lebens wieder sehen zu können. Sie erhielten diese Erlaub- niß und Dom Augustin stellte sich abermals an die Spitze seiner Brüder, um sie in's Vaterland zurückzuführen. (Forts, folgt.)
Gemeinnütziges.
Holz gegen Wurmfraß zu schützen.
Um Holz gegen Wurmfraß zu schützen, wird dasselbe vor seiner Verarbeitung gedörrt. Die Behandlung besteht darin, daß man die Breter und Klötze von leichtem Holze je nach ihrer Dicke zehn Minuten bis eine halbe Stunde in den Backofen bringt, nachdem das Brod herausgenommen ist, wodurch sie also einer Temperatur von 80 —100° ausgesetzt werden. Auf diese Weise behandeltes Holz zeigte sich nach siebzehn Jahren noch völlig gesund und frei von Wurmstichen, während anderes Holz derselben Art das man nicht gedörrt hatte, längst durch Trockenmoder zerstört war.
Ium heutigen T a g e,
zur
BGGMhrigeN SäcNlarfeiee
der
Wiederverlegung der U n i v e r s i t ä t von Marburg nach Gießen *).
Schau, was wälzen sich denn über dein duftend Thal Nebelschichten dahin? — Deine Vergangenheit,
Gießen, herrliche Jungfrau, Zieht vor unseren Blicken hin.
Horch, nun schallet aufs Neu Jubelgesang empor, Weisheit, lehrenden Ernsts schreitet dem Banner nach, Das im heiligen Tempel
Deiner Jünglinge Stirn umrauscht.
Wie so herrlich und hehr pranget dein Feierkleid, Wenn ein zitternder Klang leise herüberschallt,
Aus dem Grauen der Vorzeit, Wo urnbraus'te der Gießbach dich!
Zwei Jahrhunderte sind's heute seit neu dein Flor
Durch Germanias Gau'n prächtiger strahlte, und
Seit die Muse dir einzog,
Dir die Scepter zu wahren gab.
Wo da maueruniringt deine Gewalt erwuchs, Deinen Söhnen voll Kraft Mars seine Speere bot, Daß sich kühnlich vertraute
Deinem Schirme und Schutz der Fürst **).
So Jahrhunderte noch prange du fort und fort, Hehrer Tempel! niemals grollen Gewitter dein;
Ström' aus heiligen Hallen
Fried' und Weisheit und Glück dem Volk!
Dann hallt weithin dein Nam' ferneren Landen zu, Dann wird höher und hehr strahlen der Krone Glanz, Ob dem herrlichen Haupte,
So zum Heile wie dir zum Ruhm!
F. Hüne.
*) Die Universität, welche 1607 durch Ludwig V. gestiftet war, ward 1625 von Gießen nach Marburg verlegt; dort blieb sie bis 1650, m welchem Jahre sie wieder nach Gießen znrückverlegt und am 15. Mai eröffnet wurde.
**) Landgraf Georg II. restdirte in Gießen von 1631 bis 1645.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.


