Ausgabe 
13.3.1850
 
Einzelbild herunterladen

182

11 u n

Ein Besuch in dem Kloster La Trappe.

(Fortsetzung.)

Der dienende Mönch bat uns baraüf, ihm zu folgen und bedeutete uns durch Zeichen uns auf eine kleine hölzerne Bank in der Eingangshalle niederzu­setzen. Sobald wir sein Begehren erfüllt hatten, ver­schwand er und ein paar Flügelthüren zu unserer Rechten öffneten sich plötzlich, doch leise, und zwei ernste, alte Mönche in weißen Kutten, unbedeckten Hauptes und mit niedergeschlagenen Augen traten lang­sam ein, warfen sich vor uns auf den Boden und legten ihre Häupter auf unsere Füße. In dieser Stel­lung blieben sie zu unserer großen Unbequemlichkeit fast zwei Minuten, erhoben sich bann unb winkten uns geheimnißvoll, nach mehreren tiefen Verbeugungen, ihnen zu folgen. Ein kleiner Corribor brachte uns zur Thür bet Kirche, wo jeder von uns auf der Fingerspitze unserer ehrwürdigen Begleiter das Weih­wasser erhielt, dann stiegen wir eine kleine Treppe zu einer Gallerte hinauf, welche die Tribüne heißt, um das Sacrament anzubeten, das, wie wir bei dem in der Mitte der Kirche hängenden Lichte bemerkten, in dem Heiligthum des Altars niedergelegt war. Nach­dem unsere Begleiter einige Minuten im Gebet zuge­bracht hatten, wurden wir in die Eingangshalle zurück­geführt, wieder auf die hölzerne Bank gesetzt, auf welcher sich auch die beiden Mönche an unserer Seite niederließen, während einer von ihnen ein kleines Buch aus seiner Kutte zog und mehrere Stellen aus der heiligen Schrift und aus derNachfolge Christi" vor­las, welche sich auf christliche Milde und Pflege gegen Fremde bezogen. Am Schluffe der Vorlesung warfen sich unsere ehrwürdigen Diener wieder vor uns nieder und zogen sich dann langsam zurück, ihr Gesicht gegen uns gekehrt und die tiefsten Verbeugungen wieder­holend.

Jetzt erschien unser Freund, der uns die Pässe ab­verlangte, wieder, und übergab uns der Sorge des kleinen Thürhüters, welcher uns in die Pilgerherberge des Klosters führte, wo uns der Pere Hotelier, ein langer Mann von athletischen Formen, dessen Alter wir auf sechzig bis siebenzig Jahr schätzten, auf dessen etwas abgemagertem Gesichte aber die Blüthe der Ge­sundheit prangte, freundlich aufnahm. Auf die Einladung dieses freundlichen Alten nahmen wir ei­nige Erfrischungen, bestehend aus Brod, Birnen und einigen Gläsern Eider ein, und wurden dann über eine geräumige Treppe in ein oberes Stockwerk geführt, wo die Zimmer für die Fremden waren, von denen jedes den Namen eines Heiligen führte, der über den Thüren angeschrieben war. Die Zimmer, welche uns angewiesen wurden, trugen die NamenSt. Onesimus" und St. Cäsarin." Die Möbeln bestanden aus einem kleinen Rollbett, einem Tische, zwei Stühlen, Wasch­

t e s.

geräthe, einem kleinen schwarzen Crucisir und einigen religiösen Büchern, nebst vielen andern kleinen Be­quemlichkeiten , bis herab zu Pantoffeln und Nacht­mütze. Da wir nur wenig Zeit bis zum Mittagessen hatten, eilten wir unsere Toilette zu macken, die sehr nothwendig geworden war, und halb zwölf Uhr, wo die Eßglocke ertönte, stiegen wir in das Refertorium herab und setzten uns mit vierzehn oder fünfzehn Priestern, die gleich uns die Brüderschaft besuchten, an einem reichbesetzten Tische nieder. Das Mahl bestand nur aus Gemüsen, Suppe, Kartoffeln, Erbsen, Pasti­nakwurzeln , Kohl ic., welche alle ohne weitere Ge­würze und Znthat, als Salz und Oel gekocht waren.

Während des Mittagsessens las der Pere Hotelier, der an dem oberen Ende des Tisches saß, um über die Bedienung der Gäste zu wachen, eine religiöse Be­trachtung vor. Die Gäste durften aber nur flüsternd mit einander sprechen.

Dies waren die Ceremonien, welche unserer Auf­nahme in das Kloster La Trappe vorausgingen. Gleich vielen andern unserer Landsleute, welche ihre Kenntniß dieses Ordens aus den umfassenden Werken über die Mönchsorden oder den nicht immer am Orte selbst gesammelten Nachrichten von Reisenden entnahmen hatten wir erwartet, halb verhungerte, von Verzweif­lung und Selbstpeinigung halb wahnsinnige Männer zu sehen, welche ihre Tage in Bußübungen hinschlep­pen, deren einzige Rede in dem Worte:Memento mori und deren einzige Erholung darin besteht, über einem halb ausgehöhlten Grabe dem Gedanken nachzuhängen: dies Grab ist bald das meine. Wir sanden nichts von allen diesen Dingen und überzeug­ten uns durch eigene Anschauung, daß es schwer sein möchte, eine zufriedenere und allgemeiner verbreitete heitere Stimmung in einem Mönchsorden zu finden, als in dem Kloster La Trappe herrscht.

Die Begrüßung der Brüder unter sich mit dem verhängnißvollen niemeuto mori, oder ähnlichen Worten, von denen man behauptete, sie würden allein int Kloster ausgesprochen, findet gar nicht Statt Das Gelübde des Schweigens, das sie ablegen müssen' verbietet jede Art von Gespräch, ja selbst eine un-, nöthige Geberdensprache ist eben so streng verboten wie das Wort. Doch wenn eine Mittheilung der Ideen nothwendig wird, ist es gestattet, durch Zeichen zu sprechen, welche von der ersten Gründung des Ordens in Gebrauch waren und welche in einem Wörterbuche von hohem Alterthum, das zum Unter­richt der Neophiten und zur Bequemlichkeit des Nach­schlagens hier aufbewahrt wird, beschrieben sind.

(Fortsetzung folgt.)

Druck unb Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch« unb Steindruckerei.