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Cin Besuch in dem Kloster La Trappe.
(Fortsetzung)
Neugierig zu wissen, was seinen Gleichmuth störe, wagten wir, Den werdenden Koch zu fragen, und erhielten als Antwort eine Reihe von andern Fragen: „Sind die Betten," fügte der gequälte Jüngling im reinsten Dialect des District, „sind die Betten nicht hart wie der Teufel? Riechen sie nicht wie der T—l? müssen sie Einen nicht krank machen, wie der Teufel?" Nachdem er auf diese Weise seinem Herzen Luft gemacht hatte, steckte er mit einem kräftigen dem Dasein des glimmenden Lichts ein Ziel, und tausend Verwünschungen murmelnd, vielleicht als Dessert für sein Abendgebet, kroch er in seine arg geschmähte place r» coucher.
„Bon soir, mon ami!“ riefen wir nach einem augenblicklichen Stillschweigen aus unfern Betten.
„Bon soir, messieurs!“ entgegnete mürrisch der Bursche, und setzte dann in einem Monolog voll hämischen Spottes hinzu: „In einem Krankenhause zu schlafen — Teufel! — in einem Krankenhause."
„Wie?" riefen wir mit einer Stimme, „ein Krankenhaus ?„
„Ja wohl, ein Krankenhaus?" tönte das Echo von Neuem. „Wir liegen in einem Krankenhause des Klosters. Vor drei Wochen starben zwei Mönche hier am Faulfieber."
„Danke! danke! Bon soir, mon ami!“ schrieen wir um seinen Mittheilungen zuvorzukommen, die uns vielleicht gesagt hätten, welches die Betten waren, worin die heiligen Brüder gestorben — ein historischer Punkt, der in diesem besonderen Augenblicke und für Personen in unfern Umständen keineswegs interessant oder der Aufklärung werth war. So wickelten wir von neuem unsere Decken dichter um uns, ergaben uns ruhig in den Gedanken, die Hebet, die wir hatten zu ertragen und überließen uns jenem stillen Sinnen, das dem Schlummer vorauszugehen pflegt, bis wir „vom Sorgen stillenden Schlaf in Schlummer geküßt" wurden.
Da wir der Sonne nicht zuvorkommen wollten, wie ein Dichter sich ausdrückt, so hatten wir uns dem Schlaf bis in den Hellen, lichten Morgen hingegeben, als ein leises Flüstern: „Comment sc portent messieurs les voyageurs ?“ unseren Schlummer wie Zauberworte unterbrach. Wir schracken in die Höhe und erblickten eine lange, hagere Gestalt an unserem Bette, in einer groben braunen Kutte, deren über den Kopf gezogene Kaputze das fleischlose, unrasirte Gefickt des Fragenden halb verbarg. Als der Trappist, denn das war die Gestalt, uns erwacht und im Begriff sah uns zu erheben, um achtungsvoll auf seine Frage zu antworten, bat er uns mit ausgestreckter Hand, wir sollten noch ein oder zwei Stunden liegen bleiben, um unsere Glieder völlig von der gehabten Anstrengung
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sich erholen zu lassen, und als wir ihm versicherten, daß wir uns völlig munter und kräftig fühlten, legte er uns die Frage vor, ob es uns gefällig wäre zu frühstücken. Auf unsere bejahende Antwort schüttelte der Mönch uns herzlich die Hand und schritt langsam hinweg, die Nöthigen Befehle für unfern fernem Unterhalt zu geben und erweckte das Echo unferS Gemaches mit dem Ungeheuern Schlüsselbund, das an einem ledernen Riemen an feinem Gürtel herabhing und dem Klappern feiner gewaltigen Holzschuhe auf dem mit Ziegeln gepfiasterten Boden. Unterdessen hatten wir unsere unteren Kleider angezogen and wollten eben crines pectine deducere, als ein kleiner Mönch mit einem glatten Gesicht eintrat und mit dem freundlichsten Grinsen sich tief vor uns neigte, während er in einer Hand ein ungeheures Stück braunen Brodes und eine Schüssel und in der andern einen Krug mit zwei Trinkgläsern hielt. Als er seine Last auf einen kleinen eichenen Tisch in der Mitte des Gemachs abgelegt und gehörig geordnet' hatte, näherte er sich uns mit einer leisen Neigung des Körpers, lächelte und zeigte auf den Tisch um uns zu verstehen zu geben, daß das Frühstück bereitet sei.
Die Bestandtheile unseres Mahls waren braunes Brod, Eider und vier ungeheure Rettige, die trotz ihrer Größe, der Geschicklichkeit der Gärtner in Sa Trappe alle Ehre machten und jedes derartige Product in England an Größe, Geschmack und jeder anderen Hinsicht weit hinter sich ließen. Einige Minuten darauf, als wir im strengen Sinne des Wortes frugales Mahl eingenommen hatten, erschien der kleine lächelnde Mönch wieder, der sich während wir aßen, zurückgezogen hatte und vertraute uns, daß er bereit sei, uns der Brüderschaft in gehöriger Form vorzustellen, woraus wir ihm versicherten, daß sein Wunsch uns ein Befehl fei.
Als wir in die freie Luft traten und den äußern Hofraum überschritten, wurde unser Begleiter außerordentlich gesprächig und erkundigte sich neugierig nach unseren persönlichen Verhältnissen und ehe wir das große Thor erreichten, das den 'äußern Hof von den andern Gebäuden des Hofes trennt, wußte er, daß es in England Eisenbahnen und Dampfboote gibt und sogar, daß daselbst eine Königin regiert. Doch als wir dem Klostergebäude näher kamen, blieb er an einem kleinen Pförtchen stehen und fragte, nachdem er uns vom Kopf bis zu den Füßen betrachtet halte: ob wir teiue anderen Kleider bei uns hätten? denn so, fügte er hinzu, indem er auf das Staubhemd zeigte, das unsere Kleidung ausmachte, könnte er ja dem Abte und den andern Würdenträgern uns nicht vorstellen.
(Fortsetzung folgt.)
Druck und Verlag der G. D. Brühl'scheu Buch- und Steindruckerei.


