201
Spalten für zeitgemäße Mittheilungen.
Einladung.
Gleich wie an andern Orten, namentlich in Mainz, verlangt auch die hiesige Bürgerschaft sofort die so lange vorenthaltene Oeffentlichkeit der Gemeinderaths-Sitzungen, und ist nicht geneigt zu warten bis ein Gesetz darüber erscheint, was unter Umständen noch ein halb Jahr dauern könnte. Alle, welche sich hierfür interessiren, werden gebeten, künftigen Samstag, Abends 8 Uhr in der L e i b’ sehen Restauration sich cinzufinden, um eine Eingabe an den Gemeinderath zu besprechen.
Eine weitere Eingabe an den Stadtvorstand wird beabsichtigt dahin gehend, von demselben zu verlangen, alle Mittel in Anwendung zu bringen, um die sich der hiesigen Bürgerschaft stets feindlich gezeigten, nur mit niederer, oder Geld einbringender Angeberei befaßten Officianten, alsbald von hier zu entfernen.
Erklärung.
Wenn in JVa 6 des „Jüngsten Tags" S. 22 erzählt wird, es sey „A ccessist Buff v o n e r- l ich en bewaffneten Gardisten (wie wir hören, sogar Studirenden) ohne Veranlassung gefährlich verwundet worden," so fühlen sich Unterzeichnete gedrungen, den That- bestand in Folgendem wahrheitsgetreu zu veröffentlichen :
Als die Wachmannschaft das Stadthaus verließ und auf der Straße anlangte, taumelte Access. Buff sehr betrunken neben der Colonne her und schimpfte auf Einige derselben namentlich. Die Wache berücksichtigte dieß in Betracht des Zustandes des Injurianten nicht, der Führer derselben forderte ihn wiederholt auf, sich zu entfernen, allein er leistete keine Folge, erlaubte sich vielmehr einem der Bürgergardisten das Gewehr zu entreißen und auf die Umstehenden zu stoßen und zu schlagen. In Folge des hierauf entstandenen Handgemengs erhielt Buff allerdings einen Hieb auf den Kopf, der jedoch eben so wahrscheinlich von einem der in der Nähe befindlichen und nicht zur Wache gehörigen, mit Säbeln ic. bewaffneten Zuschauer, als von einem dieser Wachmannschaft selbst herrühren
kann, der außerdem, wie andern Tags mehrere Bekannte Buffs einem der Unterzeichneten erzählten, durchaus nicht gefährlich war.
Nach der Rückkehr der Wache auf das Stadthaus und nachdem der Führer den Vorfall rappor- tirt hatte, verlangten sämmtliche Unterzeichnete eine sofortige Protocollirung und Untersuchung des Vorfalls, die jedoch Herr H.-G.-R. Völker, der zeitige Wachkommandant, mit den Worten „es sey un- nöthig" ablehnte.
Hieraus kann das Publikum entnehmen, in wiefern Buff „ohne Veranlassung" in wiefern er „gefährlich verwundet" worden und gegen wen Gründe zur Ausstoßung aus der Bürgergarde vorlicgen möchten.
Im Uebrigen können die Unterzeichneten jeder Untersuchung ruhig entgegen sehen.
Ph. d’Avis, stuck, juris. E. Grasemann, stuck med. O. Haut), stud. ehern. B. v. Her ff, stuck, juris. Dr. Jul. Hillebrand. G. Hofsmann, stuck, cam. F. Hüter, stuck, forest. E. Klietfch, stuck, earn. C. Koch, stuck, oecon. V. Ludwigs stuck, theol. F. Schenck, stud. juris. I. Scriba, stud. med. C. Sellheim, Hofger.-Secr.-Accessist.
518) (Gießen.) Alle hiesigen Nationalgardisten, welche an den Schieß- und Tiraill-ur Uebungen theilnehmen wollen, werden ersucht, sich Samstag den 18. d. Mts., Mittags 1 Uhr, auf dem Hardthof cinzufinden.
Gießen den 16. März 1848. L. Großmann.
Druck und Verlag der G- D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei.


