Ausgabe 
17.6.1848
 
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eitgemäße M i t t h e i l n n g e n.

(Beiblatt.)

Vorwort.

Ich habe jüngst in einer heitern Nacht Manche Gedanken zu Papier gebracht, Und weil ich gern hab', was sich in die Zeit, In alle Umstand' und Gelegenheit Füget, reimt und hübsch ordentlich schickt, So hat auch dies Verslein die Welt erblickt; Doch war auf der Gass- ein mächtiglich Lärmen, Und muß es darum den Leser nicht härmen, Wann jeweilen ein falscher Reim Sich geschlichen in's Verslein ein Wenn's aber den Lesern thät' gefallen, Will ich öfter in dieser Sprechhallen, Was sich zu Gießen der treuen Stadt, Guts und Ueblcs ereignet hat, Treulich erzählen im schlichten Ton, So ihn dies Verslein reeet schon;

Sollen auch manchmal in nötigen Stücken Bilder die Verslein erläutern und schmücken, Wie ein solches am Ende fein Zst von uns gedrucket hinein.

F. Hüne.

Ein Tag aus dem Gießener Volksleben, eine simpelne aber erbauliche Historie, welche sich hat getragen zu Am dreizehnten Tage im Juniu. 's war allenthalben viel Geben und Leben, Denn den dritten Pfingsttag feierten eben Viel Männer Buben und Bübclcin, Die hier bei uns just nicht spärlich sein.

Von Bier und Wein und sonst'gen Getränken, Sollen manche geruht haben, den Kopf zu senken Andere doch haben gar lebchaft Und höher denn sittsam hervorgcgafft.

's ist ferner am nämlichen Tag geschehen, Daß her von des Seltersbergcü Höhen Zu Zedmänniglich Nutz und Frommen Mit Fähnlein ein Trupp in die Stadt ist kommen Hat mit Trommeln und Trompeten gewaltig Auch mit Gesängen gar mannichfaltig,

Wie z. B. mit Rautschitschi

Manch ehrsame Insassen erschrecket hie Haben daran aber gar nicht gedacht, Sondern sich laut durch die Stadt gemacht, Treu und folgsam dem Fähnelein, Das sie trugen im Sonnenschein.

Sprechen Viele, cs sep'n Republikaner gewesen; Doch hab' ich nachhero gehört und gelesen, Der Trupp sei gehalten für Bürgerwehr, So gezogen am selbe» Tag umher;

Doch hab ich gesehen und nicht gelesen, Daß das Fähnlein ist ein blutrothes gewesen, Daß der Garde auch bis zu dieser Frist Kein blutroth Fähnlein gcweihet ist.

Ein Erceß ist vom Häuflein nicht vorgekommen, Sondern ist beim Schmall glücklich angekommen.

Noch müßt' ich in diesem Verslein entfalten, Die Versammlung, so auf dem Brand gehalten, Um zu berathcn das wann und wie, Zu entziehn den Gehalt dem Sundheim hie; Hat demnach die Versammlung beschlassen, In Massen

Hinzuziehn ans die Reichensandgaffen, Zu ersuchen den Sundheim fein, Zu verzichten freiwillig so höflich zu sein, Was auch zu jedes Erbaulichkeit

Ist geschehen in Ordnung und Sittsamkeit.

Auch war noch viel Kreischen am Nachmittag. Und Abends, bis man ins Bett sich lag; lieber Nacht aber wars ziemlich still, Was ich zum Schluß noch verbildlichen will:

Gießen bei Nacht.