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So lang auch der Hillebrand geredet hat, War doch niemand der Rede satt, Und mancher Bauersmann hat gesägt. Der schwaßt däi Wahret, der hat Nächt! Die Versammlung wurde nun bald aufgehoben Und Jeder ist seines Wegs geschoben Doch ist es mir wahrlich gewesen leid, Daß dies nicht geschebn ganz in Friedlichkeit. Manche haben durch Schimpfen und Schelten Oftmals beleidigt Teller, Leßler und Velten, Und haben selbige, die gescholten, Fälschlich für Republikaner gegolten.
Am Abend trug's in Gießen sich zu, Daß allda war g oße Um uh;
Vorzüglich vor Major Peppler's Haus Ist gegeben ein schlechter Ohrenschmaus, Welcher, ncil er so disharmonirt, Katzenmusik» benamset wird.
Wer aber die Musici sind gewesen, Ist bis jetzt noch nirgend zu lesen, Schien mir aber nach den Miaun und Schrein Das Orchester reichlich b/eßt zu sein Nachhero aber hat, wie sich's schickt, Jeder sich mlidig ins Bett gedrückt.
F. H ü n e.
In Folge des lahm! reitenden Artikels
98. Pag. 826 des jüngsten Tages, bedarf es wobt keines weiieren Eommentars, um einznseben, daß der Name Jungk und lliibilligkeiieu sich durchaus nicht zusammen reimt.
Dies zur Nachricht der Rttbe haltenden? — und Ruhe gebietenden!!! Bürger-Eavallerie, L. Jungk.
Anfrage.
Warum die beiden Gesellschaften: der vaterländische Verein und der hiesige Bürgerclub, die doch ganz gleiche Gesinnungen hegen, sich nicht auf der breitesten Grundlage mit einander verschmelzen ? ! ?
Deuschland, werde einig! — Gießen's Büger aber auch!!
Die sieben Todsünden.
I. A b t h e i l u n g.
Die Herzogin
(Fortsetzung.)
„Was haben Sie denn, Mama Barbanson?" fragte der Veteran.
„Was ich habe, mein Herr? Es handelt sich darum, daß Sie mir erlauben müssen, sogleich auszugehen.
„Ganz nach ihrem Gefallen; aber wohin gehen Sie denn, wenn ich fragen darf?"
„Zur Frau Gräfin vou Beaumesnil, und noch dazu in ihrem eigenen Wagen," versetzte die Haushälterin mit wichtigem Tone; „es handelt sich um Aufschlüsse die ich ihr allein geben kann, wie es scheint. Ich will Bonapartistin werden, wenn ich weiß, was das bedeuten mag! aber Das ist gleich."
Hier unterbrach sich die ehemalige Hebamme, stieß einen Schrei des Entsetzens aus, als führe eine plötzliche Idee ihr durch den Kopf, und sie sagte zu ihrem Herrn:
„Wollen Sie einen Augenblick mit mir in den Garten kommen; ich muß insgeheim mit Ihnen sprechen, aber insgeheim."
„O! ho!" antwortete der Veteran, indem er die Gartenlaube verlies und seiner Haushälterin folgte, „ist es so wichtig? . . . nun, ich folge Ihnen, Mama Barbanson."
Die Haushälterin führte ihren Herrn einige Schritte von der Gartenlaube hinweg und sagt mit leiser Stimme und gebeimnißvoller Miene:
„Mein Herr, Sie kennen ja wohl Madame Herbaut, welche im zweiten Stocke wohnt, die sich vom Handel zurückgezogen und zwei Töchter hat, denen ich vor vierzehn Tagen Herrn Olivier vorgestellt habe?"
„Ich kenne Sie nicht; aber Sie haben mir oft von ihr gesprochen . . . weiter?"
„Ich erinnere mich jetzt, daß ihre vertraute Freundin, Madame Lainö, in Italien ist, als Gouvernante bet der Tochter einer Gräfin, die einen Namen hat ungefähr wie Beaumesnil; das ist vielleicht die nämliche Gräfin?"
„Möglich, Mama Barbanson . . . Und weiter?"
„Vielleicht will man bei mir Erkundigungen ein- ziehen über Mavame Lainö, die ich bei Madame Herbaut gesehen habe."
„Wieder möglich, Mama Barbanson, nun Sie werden es ja bald erfahren, da sie sich ja zur Frau von Beaumesnil begeben."
„Ach, mein Gott! Herr, ich habe eine andere Idee!!"
„Nun lassen Sie hören, sagte der Veteran mit wahrer Engelsgeduld.
„Ich erzählte Ihnen seiner Zeit von jener jungen maskirten Frau, welche . . .
„Nun fangen Sie gar diese Geschichte wieder an," rief der Veteran, indem er rasch seinen Rückzug zu bewerkstelligen begann.
„Nein, mein Herr; wenn aber das alles auf die junge Frau Bezug hätte?"
(Forts, folgt.)
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steinvruckerei.


