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suche wären, inbcin kaum zu zweifeln seye, daß nach Vorfluß so langer Zeit, die seit Abfassung ibres Briefes verstrich, Franziska sich im Besitz des von ihr verabscheuten Gemahls besinden werde.
Valentin ließ sich endlich überreden, vorderhand schriftliche Nachforschungen anzustellen und zu bleiben. Aber die Ruhe seines Gemüthes war schrecklicher be- stürmt, als je, uttd Clärens fand für 911t, feinem Freunde eine Reite nach Neapel und Siellien vorzuschlagen, worein dieser nach langem Sträuben auch willigte. Sie machten sich also in Gabriele's Begleitung, dessen Nähe Valentin ganz unentbehrlich zu werden begann, auf. Obgleich Clärens Allem aufbot, um seinen Freund zu beruhigen, so vermochte doch weder seine Gesellschaft, noch das volkreiche Neapel ihn im Geringsten zu zerstreuen, und schon wollte Clärens, mißmuthig über seine mißlungene Kur, zur Rückreise rathen, als ein glücklicher Zufall plötzlich alles änderte.
Schon längere Zeit war das Innere des Vesuves empört; das Getöse vermehrte sich von Tag zu Tag fi>, paß man einem baldigen Ausbruch entgegen sah. Clärens beschloß, dieses Naturereigniß wo möglich abzuwarten und baute darauf die besten Hossnungen für seines Freundes Genesung.
Cs war ein ungewöhnlich glühender Abend, kern Lüftchen wehte und das Meer lag bewegungslos vor den Blicken unserer Freunde, welche eben in eruer reizenden Villa sich am Golf befanden und zuschauten, wie die Schiffer das Ufer zu erreichen bemüht waren, und die Vögel furchtsam dem Lande zuflogen. Bald vernahmen sie ein donnerndes Getöse vom Vulkan her, und schwarze Rauchwolken quollen aus ihm, den ganzen Horizont verfinsternd. Das Getöse ward immer fürchterlicher, Gabriele schmiegte sich ängstlich an seinen Freund, Clärens hingegen schäkerte mit einem Mädchen des Hauses, welches die Angst ihn» gleichfalls ztemltch nahe gebracht hatte. Der Donner verhallte — und eine unermeßliche Flammensäule erhob |id) konigltch in das Firmament, strahlte herrlich im Meere wieder, und beleuchtete wunderbar die Landschaft. Valentin breitete jubelnd seine Arme dem niegeseheneu Schauspiel entgegen: betend sank Gabriel- in die Kniee. Dle Flammensäule erlosch, schwarze Nacht bedeckte dte Erde und eine dunkelrvthe Flammenstraße rollte tobend von des Riesenberges Scheitel herab und warf sich dampfend in des Meeres dröhnende Tiefe.
r;1 meine Seelerief Valentin entzückt, „die du schwelgtest a» der Größe dieses Schauspiels, siehe! herrlicher bist du, als alle Majestät der empörten Elemente! Heil dir, der Tag deiner Kraft ist erstanden! Wer warst du, die du von dm elenden Sorgen der Erde dich niederdrücken ließest! Vom Dust deiner Vlüthen bis zum Gluihstrom deiner Vulkane erkenn' ich Dich, Gott, und mich, der ich, wie Du, bin, ewig, unendlich!«
Wit freier Seele durchwanderte nun unser Freund
das Königreich und stieg in Reggio mit seinen Freunden zu Schiffe. Es war eine heitere Nacht, wie damals, als er die Flnthen des Bodensee's durchschiffte, aber die Herrlichkeit der Natur, die dort sein fehlender Geist kaum zu fassen vermochte, sie lag in heiligerer Größe jetzt um ihn, und freudig fühlte er die Bereicherung seiner Seele, die sich siegend über all' diese Herrlichkeit erhob. Clärens zog, von Freude berauscht, seinen Freund in die Gesellschaft der Schiffsgenossen, und beim fröhlichen Klingen der Pokale schwebten sie über die See. Gabriele dagegen stahl sich von der lärmenden Menge weg, kniete nieder am entferntesten Ende des Schiffes, und sah mit feuchten Augen lange schweigend empor in die bestirnten Höhen, dann ergriff er die Laute und sang mit feierlicher Melodie und seine ganze Seele lag in den Tönen:
So weit des Himmels Räume sich verbreiten, Seh' Welten ich der Dunkelheit entsprießen, Und funkelnd unsers Schöpfers Nähe grüßen
Deß Hände sie in's All der Schöpfung streuten.
Von dort zu mir, wie endlos sind die Weiten, Und heit'ge Stille, süße Ruhe gießen Sich durch sie aus, und leile Lüfte küssen
Die Meere, rnheud von des Tages Streiten.
Und wo das Weltall seinen Frieden feiert, Was soll, o Herz, dä deine tiefe Klage?
Wie kommt's, daß da der Kummer sich erneuert? — Du cndest's nicht! Doch deine Thräne schimmert So leuchtend auf zum Lenker deiner Tage, Als unter ihm sein Sonnenhimmel flimmert.
Die ersten Strahlen der Sonne vergoldeten den Hafen von Messina, als die Gesellschaft dort landete. Unsere Freunde trennten sich nach einigen Tagen von ihren fröhlichen Genossen, und zogen an der Küste gegen Süden hinab, um Syrakus zu erreichen. Als sie eine Tagereise von Calabria entfernt, in einem kleinen Dorfe an der See ihr Nachtlager hielten, wurden sie beim Anbruch des Tages durch ein Getümmel aus dem Schlafe geschreckt und sahen eine wilde Rotte barbarischer Korsaren die Einwohner nach ihren Schiffen schleppen. Schon drang eine Schaar in ihr Wohnhaus. Valentin und Clärens verrammelten die Thüre, und macht.» sich wohlbewaffnet zum Widerstand bereit. Die Thüre sprang auf, mit wildem Geschrei stürzten die Räuber herein. Ihr erster Angriff ging auf den schönen Knaben, der sich zitternd um Valentin schlang. Valentin's Degen streckte den Frevler, der schon Gabrielen ergriffen hatte, zu Boden, wüthender drang die Schaar aus ihn ein, und ein Säbelhieb über's Haupt warf ihn ohnmächtig nieder.
Als sein Bewußlseyn wiederkehrte, sah er sich einsam aus deni blutigen Boden liegen; mühsam richtete er sich empor und wankte an's Fenster. Es war hober Mittag, Todtenstille herrschte im Dorf und in stummer Verzweiflung sank er auf einen Stuhl zurück; da sprang cs hastig die Treppe herauf, und mit einem


