Ausgabe 
24.11.1847
 
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Unterhaltendes und Gemernnützrges.

Der I n f o r in a t o r.

9i o v v 11 e.

(Fortsetzung )

Hätte Viliam etwas für Rosalien empfunden, so wäre dteier Augenblick und diese Situation wohl die geeignetste gewesen, sich auszusprechen. Aber er blieb ziemlich einsylbig und abgemessen. Und so brachen denn Beide nach einigen Minuten wieder auf und kehrten zur Gesellschaft zurück.

Unweit von den, Pavillon begegneten sie der Com- merzienrälhin, die sich nach Rosalien umsehen wollte.

Villani sagte:Es hat mir viel Vergnügen gemacht, mit dieser schönen Begleiterin Ihren ©arten näher in Augenschein zu nehmen. Diese Anlagen haben eine wunderbare Aehnlichkeit mit einem Park bei Florenz, in dem ich öfters verweilte, und dazu gesellt sich noch der andere Umstand, daß diese reizende Dame hier beinahe völlig einer schönen Italienerin gleicht, mit der ich in senem hespenfchen Garten selige Stunden verlebte. Ihre Tochter ist ganz das Abbild der holden Lucia."

Man kann sich denken, welche Wirkung diese Mittbeilung auf Mutter und Tochter üble. Die Com- merzienräthin war in eine solche Spannung versetzt, daß sie kaum die Worte hervorbringen konnte:

Und diese Lucia wer ist sie?"

Sie ist die Tochter des reichen Bankiers Monti in Florenz, ein vortreffliches Mädchen, mit der ich vor vierzehn Tagen meine Verlobung gefeiert habe."

Das WortVerlobung" war ein Donnerschlag für die Eommcrzienräthin.Also Ihre Braut?" fragte die Commerzienrälhin fast tonlos.

Ja, meine innigst geliebte Braut!" versetzte Villani mit dem Ausdruck der tiefsten Empfindung.

Kaum vermochte die Commerzienrälhin zu gratu- liren, was dagegen Rosalien recht leicht zu fallen schien.

Jetzt hatte sich das Räthsel gelöst, warum Villani bei dem ersten Anblick Rosaliens so merklich staunte der Grund davon lag nur in der Aehnlichkeit Rosa­liens mit jener Lucia.

Nun war alle Hoffnung dahin. Durch Rosalien konnte Harder's unter diesen Umständen keine Rettung mehr kommen. Die Commerzienräthin theilie die Un­glücksbotschaft von Viilani's Brautstand sogleich heimlich dem Commerzienrath mit Sie wirkte zermalmend ans ihn. Villani hatte sich mittlerweile wieder den Gästen zugesellt. Rosalie wurde zum Tanz aufgefor­dert, doch sie schützte Unwohlseyn vor, und entfernte sich im Stillen.

Mehr als Alles andere beschäftigte Rosalien die plötzliche Erscheinung Werner's in dein Fichtenwalde. War sie nur eine Ausgeburt ihrer innern Aufregung

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gewesen, oder sollte Werner vielleicht gar wirklich im Garten weilen ? Doch sie Halle ihn ja zu genau erkannt, uv er halte ja auch:o Gott!" ausgerufen; zu der opiischen Täuschung müßte noch eine akustische hinzu- gckommen semi, wenn sie. sich geirrt haben sollte. Genug; cs ieß ihr keine Ruhe; sie mußte sich Gewiß- beil darüber verschaffen, ob Werner da sey, oder nicht. Mit beflügelten Schritten entfernte sie sich von der Nähe der Gesellschaftslokale und wandte sich nach den einsamsten Partieen des Gartens. Die Dunkelheit wurde jetzt durch die gerade ausgehende Mondhälfte erhellt.

Wenn Werner wirklich da war, so nahm sie an, daß sie ihn wohl an, sichersten in dem Fichtenwalde finden werde. Sie eilte also dorthin.

Und als sie sich der Ruhebank näherte, stehe da, so erkannte sie mit hochaufklopfeudein Herzen richtig eine auf derselben sitzende männliche Gestalt. Sie hatte den Kopf aus den rechten Arm gestützt und schien, die Hand vor die Stirn, in sich hineinzubrütc».

Werner!" rief Rosalie leise.

Rosalie!" antwortete cs.

Ist es möglich? Bist Du, Werner?" fragte sie nochmals.

Ich bin es!" antwortete Werner, und lag an ihrer Brust. Eine Minute lang hingen die Lippen der beiden Liebenden an einander fest. Doch auf einmal riß sich Werner los und sagte:

Ich vergesse mich; denn Drl gehörst ja einen. Andern. Wer war der Mann, den ich vorhin an Deiner Seite erblickte?"

,,O sey unbesorgt," versetzte Rosalie:er hat gar nichts zu bedeuten. Es war der Bankier Villani aus Triest, den mir meine Ellern zum Bräutigam auser­sehen hatten. Doch glücklicherweise hat er schon eine Braut, wie ich so eben von ihn, hörte. Ich mußte mich unsäglich zwingen, freundlich mit ihm zu sprechen. Meine Eltern wollten mich auf eine seine Manier an ihn verkuppeln, aber der Himmel hat ihnen einen Strich durch ihre Rechnung gezogen. Jetzt ist mir, trotz dem uns bevorstehenden unabwendbaren Unglück, das Herz leicht, denn nun bin ich frei, und in den nächsten Tagen werde ich auch arm sey», wie Du. O welche Wonne, mein August! Dann kann ich Dir nur Herz gegen Herz und Liebe gegen Liebe bieten. Dann werde ich jenen Glücklichen, oft von mir Be- netbeten gleichen, die man nicht blos wegen ihre» Reichthums liebt. Aber wirst Du mich auch dann noch lieben?"

(Fortsetzung folgt.)

Auflösung der zweisilbigen Chat ade in 93: ____________M o u d s ch e i n.

ühl' scheu Buch- und Steindruckerei.