362

Ah, es ist nichts!" versetzte Seybold,es ist nur das Mondlicht, das Dir solche Trugbilder vor­gaukelt !"

Aber das Lied? hast Du es denn nicht gehört?"

Nein keinen Ton! Ich habe nicht darauf geach­tet. Vielleicht ist es Jemand gewesen, der drüben am jenseitigen-Ufer gesungen hat. Das wäre schon möglich und hat auch nichts zu bedeute». Also gib Dich nur zufrieden! Eine Jägersfrau soll keine Furcht kennen!" Ach, Furcht ist cs nicht," versetzte Pauline.Es ist nur eine Ahnung, als ob uns Beiden ein Unheil bevorstände."

Das ist ost der Fall," erwiederte Seybold;in unsere schönsten Träume drängen sich oft düstere Bil­der ein. Doch ein rechter Jäger fürchtet sich weder vor Hölle noch Teufel, und so soll die Jägerin auch seyn."

Du hast Recht!" sagte Pauline.Sieh, jetzt bin ich ganz heiter und wohlgemuth. Die Nähe eines muthigen Mannes macht das Weib dem Manne gleich."

Laß uns jetzt alle Angst und Sorge vergessen; unsere heutige Seligkeit ist ja zu groß, als daß uns etwas Irdisches nur stören könnte!" erwiederte S e y- b o l d.

Sie waren bei diesen Worten an die letzten Häuser der Stadt gelangt und wollten sich gerade trennen, als zwei Personen vor ihnen vorübcrgingen, in denen sie Bär und den fahrenden Schüler erkann­ten, welcher Letztere Bär immer begleitete, weil ihn dieser im Essen und Trinken freizuhalten pflegte.

O Gott," sagte Pauline zu Seybold,wenn sie uns nur nicht erkannt haben!"

Die beiden männlichen Nachtwanderer blieben jetzt auf einmal stehen. Als das Liebespaar vor- ihnen vorbeiging, traten sie ganz nah heran, und sagteir: Guten Abend!"

Liebespaare sind in solchen Fällen immer schüchtern. Daher gingen Carl und Pauline, ohne den Gruß zu erwiedern, vorüber, und suchten sich möglichst zu verhüllen, um unerkannt zu bleiben.

Als sie glücklich vorbei zu seyn glaubten, rief ihnen derfahrende Schüler" nach:

O Schwanenmaid, o Schwanenmaid, Dein Hochzeitskleid, dein Hochzeitskleid Hat einen großen Riß!"

Und Bär setzte hinzu:

O Jägersmann,' o Jägersmann, Gar still ist es im weiten Tann; Wir treffen uns gewiß!"

Ja, wir treffen uns!" rief ihnen Seybold laut zur Antwort zu.

O was thnst Du!" sagte Pauline halbtodt vor Schreck.Sey 'nur ruhig!" versetzte S e i, b o l d.

Berich

In Nr. 48 deS AnzcigeblattS in der Bekanntmachung Idealität,"Identität "________________________

Druck und Verlag der G. D. Brühl'

Bär und der fahrende Schüler wandten sich jetzt, ohne das Paar weiter zu stören, abseits.

Die beiden Liebenden entwarfen jetzt sogleich einen neuen Plan. Diesem zufolge ging , Seybold mit Paulin en ganz ungenirt in den Schwanen, und verlangte dort P a u l i n c n s Eltern auf einige Au­genblicke allein zu sprechen. Als er ihnen gegenüber stand, sagte er, daß er Paulin en auf der Straße begegnet sey, und läugnete nicht, daß er sie liebe.

(Fortsetzung folgt.)

Feuilleton.

Neues Mittel gegen Moos- und andere Krankheiten der Obstbäume.

Wenn man mit einem mit Potasche geschwängerten Wasser einen Baum wascht, so werden nicht allein die Moos- und andere Krankheiten vertilgt, sondern auch schädliche Jnsecten davon abgehalten. Dies ist den Bäumen nicht im Geringsten nachtheilig, erzeugt vielmehr eine große Gesundheit und erhöhte Fruchtbar­keit derselben.

Anekdote.

Bei einer Landparthie, welche eine Gesellschaft von , Kurfremden während der letzten Saison in Bad Ems machte, fragte eine junge Holländerin den hinter ihrem Esel hergehenden Treiber: Wie viel Esel, lieber Mann, habt ihr d«nn in Ems? Achselzuckend antwortete der Treiber:Ja! Mamsell, nach dem Kurägst', nach dem Esel!"

Gefühllosigkeit.

Wie können Menschen sich noch Brüder nennen. Wenn Haß, wenn Neid und Eigennutz sie trennen? Kann da wohl sepn ein herzliches Erbarmen, Wenn inan sich scheut den Aermern zu umarmen? Seht ihr nur euren Vortheil winken, Dann sieht man eure Liebe sinken, Dann sieht man der Tyrannen Klauen, 3n'O Mark der Brüder ohne Schonung hauen. Von Liebe hört man euch zwar öfters sprechen; Doch desto mehr sieht man euch Herzen brechen, All' eure Worte sind nur schnöde Lügen, Die Menschheit sucht die Menschheit zu betrügen.

Palmer.

Dreisilbige Charade.

ES nennet meine erste Shlbe Dir einen Gegenstand, Der ist den Frauenzimmern gar wohl bekannt, 'S ist auch wohl recht angenehm für sie die erste Spike zu sepn, Denn wenig findet man bei ihr Sorgen und Pein.

Die beiden letzten ist nun eine Schaar, Die brachte in Kricgszeiten Vortheil fürwahr; Doch streben auch die beiden letzten zuweilen der ersten nach, Und dann ist eS daS Ganze, Nun errathe mich doch?___________________________________

t i g u n g.

Nr 1H7. Seite 31s, Zeile 16 von unten, lese man statt

Hen Buch- und Steindruckerei in Gießen.