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. 1036) (Lich.) Höheren Ortes ist der Stadt
Lich die Abkaltung eines Wochenmarktes gestattet, und vom Gr. Kreisrath der Kienstag jeder Woche zu diesem Markttag bestimmt worden. Es wird hierbei bemerkt, daß das kreisräthliche Regulativ für den Fruchtmarkt von Hungen auch auf die Märkte zu Lich vollkommen Anwendung findet, und daß der erste Fruchtmarkt
Dienstag den 8. Juni, vor der Hand auf dem freien Platz vor der Apo« theke, abgehalten wird.
Lich den 1. Juni 1847.
Der Gr. H. F. S. Bürgermeister Vogt.
Danksagung und Rechnungsablage.
Seit Ende des Monats September v. I. wüchete in den Dörfern Watzenborn und Steinberg im Kreise Gießen eine furchtbare Nervenfieberepidemie, welche besonders in dem letztern Orte fast kein Haus verschonte, nach und nach über 250 Personen ergriff und unbeschreiblichen Jammer verbreitete. Die drückendste Armuth und die harte Zeit machten es, als durch Fürsorge der Behörde durch ärztliche Hülfe der Krankheit Grenzen zu setzen versucht wurde, unmöglich, den Kranken die so nöthige Verpflegung und Erquickung zu verschaffen und die erschöpfte Gemeindekaffe vermochte nichts zu leisten. An das setzt so vielfach in Anspruch genommene öffentliche Mitleid und Erbarmen mußten wir uns deßhalb wenden, und 'durch warme Fürsprachen und fröhliche Geber wurde die, aus dem Großh. Phyfikatsarzte Dr. Stammler und dem unterzeichneten Geistlichen gebildete Unterstützungs-Commission in den Stand gesetzt, gar manches Elend zu lindern.
Es bestand
I. d t e Einnahme:
1) aus Sammlungen in der Stadt Gießen mit . . . . 268 ff. 55 kr.
2) „ „ „ „ den Landgemeinden des Kreises Gießen mit 92 „ 32 „
3) „ Beiträgen aus Darmstadt mit . . . . . . 292 „ 15 „
4) „ „ „ „ Mainz mit 24 „ 42 „
5) „ „ „ „ Frankfurt a. M. mit . . 10 „ — „ ,
' Summa 688 fl. 24 kr
6) aus einer namhaften Anzahl Kleider, Weiß- und Bettzeug von 18 Personen aus Darmstadt und Gießen gesendet.
Es bildeten folgende Beträge
II. d t e Ausgabe:-
1) für Speiseunterstützungen mit Suppe, Fleisch und Brod . . 347 fl. 34 kr.
2) „ Arzneikosten 97 „ 56 „
3) „ Särge Verstorbener 87 „ 51 „
4) „ baare Geldunterstützungen 109 „ 24 ,,
5) ,, Dienste von Heildienern . . . . . . . 3 „ 48 ,,
6) „ Botenlohn, Porto und Krankenpflege . . . . 41 „ 51 „
Summa 688 fl. 24 kr.
7) Kleider, Weiß- und Bettzeug wurden abgegeben an 68 Familien und Personen.
Die specielle und vom Großh. Kreisrathe des Kreises Gießen revidirte und gebilligte Rechnung liegt auf dessen Büreau zu Jedermanns Einsicht bereit. — Wie wir im Namen der so hart getroffenen und so großmüthig unterstützten Gemeinde würdig genug danken sollen für alle Liebe und alles Erbarmen, wissen wir nicht, denn, was man an ihr that, ist über unser Bitten und Verstehen! Wir können nur Gott bitten, unsere Wohlthäter zu segnen und Er wird vergelten, was wir nicht vermögen. Er wird die gute That auch dem edlen Menschenfreunde lohnen, welcher unseren Armen und denen zu Garbenteich 100 fl. zum Ankauf von Setzkartoffeln durch den Großh Kreisrath zu Gießen spendete, dessen Namen uns aber unbekannt blieb, weßhalb wir diesen Weg der Oeffentlichkeit wählen, ihm der Unterstützten heißen Dank zu bringen. — Hart liegt unsere Gemeinde darnieder, nur Gott und die Zeit können ihre Wunven heilen und die Thränen derer trocknen, welche an den Grabhügeln von 38 durch die Krankheit Dahingerafften weinen! — Ahn wo des Nächsten Liebe so tröstet, Hilst und giebt, wie sie an uns that, da hebt sich der gesunkene Muth wieder und steht das Vertrauen fest, der treue Gott werde Alles wieder wohl machen! —
Watzenborn den 28. Mai 1847.
Der Kirchen- und Gemeindevorftand, und in dessen Namen
Der evangel. Pfarrer Der Bürgermeister
Friedr. Weicker. Philipp.


