ist verloren, rettet Euch!" zog Pascal Jeoffroy mit sich über die Fensterbrüstung, und auf einer sichern Strickleiter erreichte man den Watt, sxrang in den Graben hinab und betrat das Blachfeld, wo der Jüngling zu seinem Erstaunen auf einen Haufe» bewaffneter Männer stieß. ' Jeoffroy wollte hier den jungen Mann mit Fragen bestürmen, aber dieser schwang sich auf das zunächst stehende Roß und sprengte in rasendem Galopp über das Feld nach dem Wald zu.^ Unwill- kührlich folgten ihm die Berittenen und die Fußgänger zerstreuten sich, von panischem Schrecken ergriffe», nach alten Seiten. ‘2116 endlich Tristan nach Perlauf einer ('einen Viertelstunde, begleitet von einer starken Abtbeilung der Leibwache, mit Fackeln versehen, das Schloß umschwärmte, fand er nichts. , Am andern Tag aber ward in dem Forst von Fordere ein Haufe von mehreren hundert Mann verdächtigen Gesindels aufgefangen und ein Anschlag auf das Leben des Königs entdeckt. Ihr Anführer war jedoch verschwunden und keiner von der Bande wußte den Namen desselben: sie nannten ihn Alle den „Alten auS der Kapelle." — Die Galgen um 'Plesfis-les-Tours füllten sich, und Tristan mit seinen Henkern hatte alle Hände voll zu thun. Als der König nach Pascal fragte, wand sich der Oberhofrichier geschickt aus der Schlinge, indem er den Geheimschreiber bereits für entflohen erklärte, als er-ihn in seinem Gemache verhaften wollte.
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An einem schöne'» Morgen im Spätherbst des Jahres 1483 wollte der Besitzer des reizenden La»d- quis Creange an der Mosel unweit Metz mit seiner Gattin auf die Falkenbeize r.iteu. Lustig schmette>ren die Hörner, ungeduldig kläfften die Rüden und dehnten an der Leine vorwärts, die muthigen Rosse scharrten im Rasen-; endlich gab der Herr, ein blühender, junger - Mann von kaum 22 Jahre», das Zeichen zu»t Auf- bruch, und eben sollte die Cavalcade fortlpreugcn, alo die junge Gattin des Hausherrn an der Landstraße ein zerlumptes Weib sitzen sah. Ihr Mitleid ward rege, sie stieg vom Zelter ab und ging auf die Arme zu. Diese hatte de» Kopf gesenkt und schien so tief gebeugt , daß sie nicht aufsah, als die junge Frau ihr nahte.
„Wo komnrt Ihr her, armes Weih'?" fragte bewegt
Schrei vernommen und stand wie vom Blitz getroffen, als er in der Bettlerin die Schwester seiner Clotilde - erkannt. Wir finde» in ihm unfern Pascal wieder, der in jener verbän nißvolle» Nacht glücklich aus Plessis-les-Toürs eutstohen und fern von der Heimath in dem fremden Lande ein sicheres Asil gefunden hatte.
Auch der greise Jeoffroy nahte und sah mit banger Erwartung der Entwickelung der Catastrophe entgegen.
Die erste Frage Pascäls galt, als sich die Unglückliche wieder erbolt hatte, dem König.
„Ludwig XI. ist nicht mehr!" erwiederte das Mädchen uiedergebeugt. , Am 30. August starb er zu Plessts-leS-Tours, und sein Tod war mein Elend. Für mich, die Gefallene, fühlte Niemand Erbarmen, ich ward verstoßen und des Landes verwiesen."
„Gott sey seiner Seele gnädig!" murmelte Jeoffroy, „er kannte im Leben keine Gnade."
„Ruhig, Jeoffroy," sprach Pascal, indem ev eine Thräne trocknete. „Er war mein Erzeuger — Friede seiner Lische! — Levkadia, wir verzeihen Dir, der Reuigen sollen unsere Arme geöffnet und Alles vergeben seyn!" . /L
Feuilleton.
Eine Dame fragte scherzend eisten junge» Mann, ob er nach ihrem Tode auch ihrer Leiche folgen werde. — Mit dem größten Vergnügen antwortete der Höfliche.
Ein Oberster, der gern viel von sich, seinen Verdiensten und Diensteifer sprach, sagte in einer Gesellschaft :
Sie können nicht glauben, was ich alles zu thun habe. Bei'm ganzen Regiment ist keiner der mir meine Geschäfte, erleichtert. Ich bin nicht allein der Kommandeur vom Regiment, sondern ich muß auch mein eigener Rechnungsführer, Hauptmann, Lieutenant und Gott weiß, was alles-noch seyn.
„Auch Ihr Trompeterfragte eine Dame ironisch.
Ein Prediger fragte ein Mädchen bei der Katechi- sation: „Ist die Sünde etwas Gutes oder etwas- Böses
Mädchen. Etwas Gutes.
Prediger. Mädchen, wie kannst Du so dumm
die Dame. '
Die Bettlerin hob wie träumend den Kopf; em »och jugendliches, aber von -Gram und Elend tiefgebeugtes Angesicht schaute ihr entgegen. Die Unglückliche. stierte mit glanzlosen Augen auf die junge 6'iau, plötzlich aber sprang sie entsetzt auf: „Clotilde!" kreischte sie und schlug wie vernichtet die Hände vor das Gesicht. ,
„Ewige Mächte des Himmels, Leokadia!" rief die Ritterdame.
Da stürzte auch der Hausherr herbei, er halte den Drücklmd Verlag der G. D. Brühl'j
antworten 's ,
Mädchc n. Herr Pastor, wie kann Er auch so dumm fragen?
R -kl t h s e l.
Gott giebt'sstm Mutterleib, ein' Slhterer aufs Papier, Das feine putzt ost uns, das Andere putzen wir.
Auslösung dcr dreisillstgeu Charade in 70: L t c b h a b e r.
Buch - und Lteindruckerei in Gießen.


