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4 Ngr. 2 Pf. zu stehen kommt. Seine Farbe ist nicht eine ins Gelbe übergehende, sondern ein ganz Helles Silbergrau, ans Weiße grenzend, welches ein Gegenstand ist, der den belgischen Flachs bedeutend zurückstellt. Diese Wohlfeilheit ist eine Folge der einfachen und sichern Verfahrungsweise, die, wie bereits erwähnt, durch Chemie und deren Analyse geleitet und bestimmt wird. Der gröbste Flachs, das zurückgesetztefte Werg erhält an überraschender Zartheit, die der feinsten Wolle, ja fast der Seide gleich ist und zu den feinsten Gcspinnsten angewendet werden kann Der Flachs, wie er bet der erfundenen Behandlung aus dem Brechhanse kommt, er gehöre zu der geringsten oder besten Sorte, wird vollkommen veredelt. Die Sprödigkeit des nach der Anweisung des Oeconomen Rüsin behandelten Flachses ist bei dem angegebenen Verfahren nicht im mindesten vorhanven, vielmehr wurde seine dadurch erhaltene seidenartige Weichheit ein Gegenstand des Beifalls mehrerer Sachkenner, die ihre Erwartungen über- troffeu gesehen, inb nur die sehr günstige Beurthei- lung des Fabrikbesitzers Alberti zu Waldenburg sei hier erwähnt. Unsere Oeconomen werden sich gegenwärtig in den Stand gesetzt finden, Fabriken und Fabrikanten mit den feinsten Gcspinnsten zu versehen, wodurch Summen, die sonst nach dem Auslande wanderten, dem Vaterlande erhalten werden. Proben dieses veredelten Flachses sind in Breslau bei dem Castellan Glenz im Börsengebäude ausgelegt, und daselbst ist auch nähere Auskunft zu erhalten. Unfehlbar wird die 'Anerkennung dieser überaus wichtigen Erfindung auf den vaterländischen Leinbau nicht ohne günstige Folgen bleiben, indem der feine Flachs sich "vorzüglich zur Handspinnerei eignet und Tausende von Menschen, selbst Kinder, ansehnlich be- schäffigen kann, da das hierdurch gewonnene Garn, welches gleicher und feiner ist als die Maschine es liefert, vorzugsweise gesucht wird. Die Handspinnerei setzt die Bedingung voraus, daß der Flachs zart und weich sei, während die Maschine dies nicht fodert, indem der harte rohe Flachs die Finger der H'ndlvinner verwundet, was bei dem feinen und weichen Flachse nie zu befürchten ist- Nicht allein binficktlick der Verfeinerung des Flachses, sondern auch "wegen des Anbaus und der Röste desselben haben die oben Genannten vielfältige Erfahrungen gemacht, weshalb sie darüber gründliche Anweisung geben können.
Verbesserung des Grases unter de» Säumen.
Wenn man bei rechnerischem Wetter Nitrum von Soda unter Bäume streut, so erhält man wunderschönes Gras. Ich habe, sagt ein englischer Land- wirth, genanntes Nitrum unter Buchen gestreut und sand, daß an dieser Stelle das Gras stets seine grüne Farbe behielt. Da dieser Versuch so gut ausfiel, versuchte ich das Mittel an Stellen, wo hohes, dem Vieh nicht zusagendes Gras wuchs, und zwar wendete ich hier das Mittel in größerm Maßstabe an. Ich finde jetzt, daß vas dadurch erzielte Gras demjenigen, welches auf den Feldern wächst, die mit Mergel gedüngt sind, in Bezug aus Viehfütteruug weit vorzuziehen ist.
Ottmann's Samendüngungsmittel.
Nachstehendes enthält das Gcheimniß des Land- wirths Ottmann im Elsaß, welcher seither immer sehr schöne Ernten erzielte, selbst wenn seine Nachbarn febr schlechte hatten, so daß er von den Bauern des Elsaß für einen Zauberer gehalten wurde Auf 40 Quart in Verwesung übergegangenen Menschenurin nimmt er l‘/4 Pfd. Pottasche, l‘/4 Pfd. Salpeter , 1*4 Pld. kohlensaure Pottasche, 1V4 Pfd Salmiak. Sodann nimmt er an der Lust gelöschten Kalk, Holzasche und pulverisirten Taubenmist in gleichen Quantitäten. Mit dem präparirten Urin werden Asche und Kalk benetzt, und diese Masse mit einer Schaufel tüchtig durcheinander gearbeitet, damit sich die Flüssigkeit mit der Asche wohl verbinde Diese Mischung wird getrocknet, dann pulverisirt und gesiebt. Daraus kocht er Tischlerleim und Waizenmehl in Wasser zu einer gallertartigen Masse, welche, wenn sie abgekühlt ist, auf den Samen gegossen wird, den man dabei umschaufelt, damit die Körner gehörig klebrig werden; alsdann streut er die oben angeführte pulve- rifirte Mischung darüber, wobei jedoch das Getraide fortwährend stark geschaufelt werden muß, sodaß jedes Korn von diesem Pulver überzogen wird. Unmittelbar darauf wird es gesäet uud eingeegt. Die Ergebnisse dieser Bearbeitung sollen außerordentlich seyn, wie der Gras von Renneville, der sie auf seinen ausgedehnten, in der Nähe von Amiens gelegenen Ländereien in Anwendung bringt, versichert.
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch- und Steindruckerei in Gießen.


