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Mittheilungen ans der Landwirth- ' schastlichen Dorfzeitung.
Getreidebau.
Empfehlung neuer, vor?liglieher E-etrei- -earlen.
Die günstigen Berichte über diejenigen Getreidesorten, welche ich iin letzten Jahre zu Anbauversuchen empfahl und zur weitern Verbreitung von meinem erbauten Vorrathe abließ, veranlassen mich, namentlich auf An- rathen mehrerer Abnehmer in Pommern, Mecklenburg und Schlesien, wo das von mir dahin gesendete Getreide im Jahr 1845 .sich sehr vorteilhaft vor den gewöhnlichen Weizen-, Gersten- und Haft»arten auege- zeichuct haben soll, einen früher» Aufsatz nochmals ab- bruckcn zu lassen, um dadurch zu weitern Anbauvcr- sucheir Gelegenheit zu geben.
Nachdem ich seit mehren Jahren wohl über 127 verschiedene Sorten Getreide angebant, bin ich zu der Üpberzeugung gelangt, daß die meisten als neu angekündigten Getreidcsortcn nicht für sich bestehende, besondere Arten sind, sondern nur Culturvarictäten von den längst bekannten, hervorgebracht Kirch besondere Boden-, Klima- und Anbauverhältnisse, daher sie die Cigcnthümiichkeitcn, welche sie anözeichnen, nur in solchen Verhältnissen dauernd bcibchalten können, unter denen sic' sich gebildet, sie aber nach und nach wieder verlieren müssen, wenn sie in andere Verhältnisse gebracht werden. Diese Ausartung geht um so schneller vor sich, je mehr die neuen Verhältnisse von den srü- hern abweichcn, und um so langsamer, je weniger sie sich davon unterscheiden. Nicht die Größe und Schwere des Kornes, nicht die Form, sondern nur das Gebilde der Aehren bestimmt die neue Art.
Unter GO verschiedenen Wintcrwcizcnartcn kann ich nur eine, diese eine aber für den Anbau im Großen nicht genug empfehlen, und es wird dieselbe seit sechs Jahren von mir mit dem besten Erfolg angebant.
Es ist ein b r a u n e r G r a n n e n w c i z e n — a r n a u- tischer — dessen Bestockung und Ergiebigkeit auf reichem Boden, dem gewöhnlichen gegenüber, ausgezeichnet blieb, sowie das goldgelbe Korn, wenn der Weizen in der Gelbreife geschnitten wird.
Unter den verschiedenen Gcrstenartcn verdient den ersten Platz die schottische Annatgerstc. Das Korn ist größer, dicker und bauchiger als das der gemeinen Gerste, sehr ineblrejch und für Graupen geeignet. Auf gutem Boden 'schoßt der Halm lang aus, bestockt
sich ungemein, ein Korn bei dünner Saat bis zu 20 --- 30 blätterreichen Halmen, und bildet eine mehr breite Aehre, oft mit 39 — 41 Körnern, welche dicht aneinander geruht sind. Mit hiesiger Gerste ausgesäet, tritt sie 6 — 8 Tage später in die Reife und behält nach der Reife ein weißes Ansehn. Während von der gewöhnlichst! Gerste der dresdener Scheffel (2 berl.) int Jahr' 1840 143 Pfd. wog, hatte die Annatgerstc ein Gewicht von 168 Pfd. Im Jahre 1841 war jene 140 Pfd. schwer, diese dagegen 166 — 168 Pfd.
Jernsalemgerste gibt auf reichem Boden einen sehr hohen Ertrag, schlägt jedoch in geringem Boren mehr als andere Gerstcnarten zurück. Der Halm schoßt lang aus und ist weit seltener als die übrigen Gerstcnarten dem Lagern unterworfen, weshalb sie sich besser als andere Gerste zur Deckfrucht für den darunter gesactcn Klee eignet, hat aber das liebele, daß bei dem Dreschen viele Aehren thcils ganz, theils halb abspringen. Dcsscnnngcachtet verdient diese Gerste wegen ihrer großen, schweren Körner und ihres reichen Ertrags, daß man sic fleißiger anbaue und sich durch obigen Ucbel- stand nicht abschreckcn lasse, indem man die abgesprungenen Aehren sammeln und späterhin für sich dreschen läßt, was bei einer Quantität von 16 Scheffeln eine halbe Stunde mehr Arbeit kosten dürfte.
Nackte zweizeilige Gerste hat unter allen bekannten Gerstcnarten das größte und schwerste Korn und wiegt nicht selten 3—4 Pfd. schwerer als der beste Weizen. Sie verlangt einen gut znbcreitetcn Boden ; in einem solchen wird fic dünn gesaet, und wenn die Witterung sie begünstiget, bestandet sie sich außerordentlich und gibt an Körnern und Stroh einen weit bessern Ertrag als die Himalayagcrste, scheffelt jedoch iiicht mehr als die gemeine Gerste. Unter diesen drei vorstchemcn Gerstcnarten babe ich und mehrere Laud- wirthe hiesiger Gegend, denen ich Samen abließ, di- Annatgerste jedes Jahr mit dem besten Erfolge angc- baut und werde auch solche, nachdem ich die Chevalier- und Himalapagcrstc, welche mit der vorgenannten durchaus keinen Mrgleich aushaltcn, seit drei Jahren ausgehcn ließ, ausschließlich sorthauen.
(Fortsetzung folgt.)
Druck und Verlag der G. D. Brühl'schen Buch« und Stmidrnckerei in Gießen,


