Ausgabe 
12.4.1845
 
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24) Ein Sacktuch, rin Schlüssel, ein Federmesser und ein Zirkel

sind gefunden und auf Gr. Polizeibüreau dahier abgegeben worden.

Gießen am 10. April 1845.

Besondere Bekanntmachungen.

An alle Menschenfreunde im Orofsherzogthum Hessen.

Ein schweres Unglück hat, als die strenge Herrschaft des Winters der langersehnten des Früh­lings endlich wich, unsere Hessischen Mitbürger, welche die Flußgebiete bewohnen, durch das ungeheure Anschwellen und Uebertreten der Gewässer betroffen; von Stunde zu Stunde vernahmen wir eine Schreckensnachricht um die andere von der verheerenden Waffernoth und mußten noch schlimmere Kun­den erwarten. Die heutige Nummer der Großherzoglich Hessischen Zeitung liefert uns ein übersichtliches Bild des Unglücks in seinem ganzen Umfang und in allen Einzelnheiten. Wer vermöchte diese Dar­stellung zu lesen, ohne vom lebhaftesten Mitgefühl durchdrungen zu werden? Dies Mitgefühl für das Leiden der schwer bedrängten Mitmenschen, der in beispiellose Noch versetzten Mitbürger beschränkt sich jedoch bei dem biederen Hessen nicht auf bloße Worte des Bedauerns; nein, stets bewährt er dies Gefühl auch freudig durch die That, und in den edlen Eigenschaften seines Charakters nimmt auf­opfernde Wohlthätigkeit eineu Vorderplatz ein. Noch unvergessen ist, was der Hesse für Lyon in Zeiten ähnlicher schwerer Bedrängniß gcthan; jetzt, da es gilt, im eigenen Vaterland zu helfen und zu retten, wird wahrlich kein Hesse sich besinnen, nach besten Kräften redlich sein Theil beizu­tragen! Aber rasch, wie ja auch das Unglück schnell hereingebrochen, ungesäumt rasch muß auch die Hülse den Nothleidenden kommen, muß als tröstendes Zeichen der heilige Friedensbogen der Treue über ihnen aufgehen; die warme Frühlingssonne finde Herzen, welche durch ächtbrüderliche Liebe erwärmen!

Um diesen Zweck zu erreichen, ist hier in Darmstadt, wo das eherne Standbild des unvergeßlichen Landesvaters auf die von den Hochgewässern überschwemmten Fluren und Ortschaften hinabblickt, ein Comite zusammengetretcn, welches nur einen Ausdruck des jetzt in jedem hessischen Herzen vorhandenen Gefühls veröffentlicht, indem es zur schleunigen Hülfe in der Roth aufruft, und jeden Hessen um ein Schärflein bittet. Es bittet um den Gulden des Reichen und um den Kreuzer des Armen für Mitmenschen, denen jeder Pfennig, welchen Liebe reicht, von hohem Werth ist. Es bittet um Klei­der für Kinder, welche, vom Unglück überrascht, jetzt kaum haben, um ihre Blöße zu bedecken. Es bittet um Spenden in Naturallieferungen für fleißige Landbewohner, welche ihre Wintersaat, ihre Kartoffeln zum Stecken, ihre Fütterung fürs Vieh durch den Ungestüm der Fluth verloren haben. Auf die verschiedenartigste Weise, je nach Vermögen und Verhältnissen des Einzelnen kann hier geholfen werden; aber Gottes Segen wird auf jeder Liebesgabe ruhn!

Das Comite richtet endlich auch noch insbesondere die vertrauensvolle Bitte an die jetzt hier auf dem Großherzoglich Hessischen Landtage versammelten Volksvertreter: in ihren betreffenden Bezirken, sowie an sämmtliche Kreisräthe und Ortsobrigkeilen: in je ihren Wirkungskreisen so rasch als möglich Zweigvereine zur Unterstützung unserer bedrängten Hessischen Mitbürger begründen zu wollen, deren Thätigkeit sich unsrer hiesigen anschließen möchte! Zn aller Kräfte schön vereintem Streben zeige sich jetzt eines edlen Volkes sittliches Bewußtsein, sittliche Stärke!

Jedes Mitglied des Comites nimmt Liebesgaben für unsre durch Waffernoth unglücklichen Mitbürger entgegen. Das Comitä wird mit gewissenhafter Treue für rasche Verwendung sorgen und seiner Zeit öffentlich Rechnung ablegen.

Gott schütze Hessenland für alle Zeiten!

Darmstadt, den 3. April 1845.

Indem die Unterzeichneten, welche dahier einen Zweigvercin zur Unterstützung ihrer schwer be­drängten hessischen Mitbrüder begründet haben, voransteheude Bekanntmachung in der Stadt Gießen veröffentlichen, laden sie alle Menschenfreunde, die ihren Wohlthätigkeitssinu schon so oft, und bei jeder Gelegenheit, wo es galt, Nothleideuden schnelle Hülfe zu leisten, auf eine höchst rühmliche Weise be- thätigt haben, zu milden Beiträgen augelegentlichst ein, mit dem Bemerken, daß auch die kleinste Gabe, worinnen sie immerhin bestehen mag, höchst willkommen sein wird: denn, was dem Einzelnen nicht ge­lingt, das bewirkt vereinte Kraft.