Ausgabe 
10.8.1844
 
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Neber Grasfäen.

Die deutschen Landwirrhe kommen zwar selten in die Lage, Gras ansäen zu müssen, weil sie ge­wohnt sind, das einmal zu Getreide bestimmte Land immer damit zu bestellen und weil auch das Her­gebrachte sie nicht leicht ermüdet. Wer aber tief liegende fenchre Felder oder steile, schwer zu bear­beitende Abbänge hat, von welchen der Regen die lockere Erde beständig abschwemmt oder wem seine Aecker in Thalgründen den lleberschwcmmungen ausgesetzt liegen, der wird doch wohl bei genauer Be­rechnung aller Kosten und Gefabr eine einträgliche Wiese oder selbst eine gute Schafweide der unsichern Fruchterndte vorziehen und in einem solchen Falle gerne die Erfahrungen von Männern benützen, die in verschiedenen Lagen und Bodenarten und auch zu verschiedenen Zwecken Gras angcsäet haben.

Folgende Regeln werden für Gras-Ansaaten sehr empfohlen.

Der Fürst von Pückler- Muskau, der sich mehrere Jahre in England aufgehalten hat und große Güter in Schlesien besitzt, hat sich (oder eigentlich sein Gärtner Rehder) nach vieljäbrigen Erfahrungen folgende Regeln gebildet, die mehreren Lesern dieses Blattes, denen das kostbare Werk des Fürsten nicht zu Gesichte kommt, willkommen sein dürften.

1. Es taugt durchaus nichts, eine Grasart allein zu säen, es mag nun eine Wiese, Huthung oder ein Rasen für einen Gartenplatz bezweckt werden. Mit einer Grasart allein, sie sei ausdauernd oder nicht, hekommt man nie eine wahrhaft dichte Rasennarbe.

2. Für die ersten beiden Zwecke (nämlich Wiesen und HutHungen) wird die reichhaltigste Mischung jur die beste gehalten, nur mit der Einschränkung, daß man für jeden Boden die durch Erfahrung am passendsten gefundene Grasart so vorherrschen läßt, daß man von ihr die Hälfte oder ein Drittel und nur das übrige von vielfachen anderen Sorten nimmt, also z. B. für feuchten Grund Thimothien-Gras als Hauptbestandtheil; für schweren Rapgras; für lehmigen gelben Klee und französisches Raygras, für leichten Honiggras, für Höhen weißen Klee u. s. w.

3. Es ist sehr vortheilbaft, den Fleck, wo man Gras säen will, wenn es trockenes Land ist, vorher zwei Stich umgraben zu lassen, der Boden fei sonst, wie er wolle, nur muß man die Dammerde wieder oben aufbringen, wenn die untere Lage viel schlechter ist, auch natürlich blosen Sand erst durch den Schlamm, Compost oder Felderde etwas verbessern. Findet man das Rigolen zu kostspielig, so muß weuigstens doppelt tief gepflügt werden, vorausgesetzt, daß der Boden dazu nachhaltig genug ist. Ist das Feld so zubereitet, so säe man (bei uns am besten von Mitte August bis Mitte September) bei etwas feuchter Witterung sehr reichlich und walze sogleich die Saat fest ein. Auf schwerem Boden würde man zu letzterem einen trockenen Tag abwarten müssen. Schon Ende Oetober wird das schönste Grün die neue Wiese bedecken. Das andere Jahr läßt man sie ganz früh im Frühjahr abmähcn, um ein gleicheres Wachsthum der Gräser zu erhalten, dann aber zum Samen stehen, der ausfällt und ihr da­durch für das nächstkoimnende Jahr alle gewünschte Dichtigkeit gibt. Es ist nun weiter nichts mehr «öthig, als jährlich fortgesetztes starkes Walzen nach jedem Hiebe und nach Befinden alle 3 4 Jahre eine hinreichende Düngung mit Compost, Felderde, Schlamm oder frischem Dünger, was man sich dieser Art am leichtesten au Ort und Stelle verschaffen kann. Aus diese Weise wurden aus leichtem Kornboden die üppigsten Wiesen erzeugt, die gegen alle Voraussagen seit 10 Jahren, start auszugehen, wie man glaubte, immer besser geworden sind, und auch in pekuniärer Hinsicht sehr gute Dienste ge­leistet haben, da schon im 4. Jahr das darauf verwendete Kapital durch den Ertrag wieder erlangt wurde.

4. Sumpfiger Boden muß durchaus erst trocken gelegt werden, wozu die englische Art vieler unterirdischer Abzüge aus großen Hohlziegeln, die auf Ziegelplatten gelegt werben und dann sehr dauer­hafte kleine Kanäle bilden, welche sich nicht, wie Reissig und Feldsteinabzüge alle Augenblicke verstop­fen, am zweckmäßigsten sein möchten.

Daß zu gleicher Zeit Bewässerung oder Ueberrieslung, wo sie nur möglich ist, sorgfältig zu be­werkstelligen gesucht werden muß, versteht sich von selbst, und ist hierbei die gänzliche Ueberschwemmung auf einmal, einige Tage im Frühling und nach jedem Grashiebe, wo mein sie sich verschaffen kann, wohl der täglichen Ueberrieselung während der heißen Jahreszeit vorzuziehen.

5. Will mau Rasenstücke für Gärten und Bleichplätze anlegen, so mische man die Grasarten ebenfalls nach Maßgabe des Bodens,, jedoch mit Vermeidung aller groben Gräser, tote Honiggras, französisches Raygras, Knaulgras u. s. to. Hier und da wird zugleich eng­lisches Raygras, Schaafschwingel und weißer Klee genommen, bei größerer Auswahl auch statt des Raygrases mehrere Arten Windhalm und andere sehr feine Gräser. In unserem Boden und Klima