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Da aber gerade in dieser Hinsicht wobl die beste und schleunigste Hülse durch die Bewohner Gießens resp. die hiesigen Besitzer von Lehmgruben geschafft werden kann, so fordere ich, im Vertrauen auf die von den Bewohnern Gießens im Allgemeinen schon bethätigte Beihülfe, welche sie dem so hart bedrängten Nachbarorte Steinbach geleistet haben, sämmtliche Lebmgrubenbesitzer auf, sich
Montag den 18. dieses Monats,
Morgens 8 Uhr, auf dem Kreisburcau dabicr cinzufinden, um mit denselben berathschlagcn zu können, wie auf die beste Weise die möglich schnellste Zubereitung von Lehmsteinen bewirkt werden kann und wie viel Lehmsteine in der kürzesten Zeit sie zu liefern im Stande sind.
Zugleich hege ich das Vertrauen, daß die Bewohner Gießens, deren Verhältnisse cs gestatten, sich so bereitwillig, wie sie bisher in jeder Beziehung ihre Mildthätigkeit gegen Steinbach, resp. dessen Be- wobner, gezeigt haben, finden werden, eine Anzabl der hier gearbeitet werdenden Lehmsteine unentgcldlich nach ihrem Bestimmungsorte zu fahren, da Kierdurch allein bewerkstelligt werden kann, daß die armen, unglücklichen Abgebrannten zu Steinbach im Laufe dieses Jahres ihre Wohnungen zu beziehen im Stande sind.
Sollten sich, wie ich hoffen darf, Einzelne hierzu bereit erklären und nicht schon durch ihre eignen Bekanntschaften diesem oder jenem Steinbacher Bewohner ihre Fuhren versprochen haben, und wohl zu wissen wünschen, wer dessen am meisten bedürftig wäre, so bin ich sehr gerne erbötig, auf dem Bureau Großh. Kreisraths dabier die dcsfallsige nöthige Auskunft nach Pflichten zu ertheilen.
Tas am Schluffe des nachstebenden Ausschreibens Gesagte ist namentlich auf die Bewohner Gießens , anwendbar, und sage ich allen denen sowobl, welche sclbsttbätig beim Löschen des erwäbnten Brandes, als auch denen, welche durch schleunige Hülfeleistung, namentlich durch Uebersendung von Brod, Kleidungsstücken u. dgl. betbätigten, wie sie verstanden haben, daß schleunige Hülfe in solchen Momenten von unberechenbaren Vortheilen ist, meinen herzlichsten Dank; auch glaube ich hierbei insbesondere nicht die Herrn Studirenden unerwähnt lassen zu dürfen, denen auch schon durch eine öffentliche Danksagung des Bürgermeisters Horn zu Steinbach vom 2. Juli d. I. in der Großh. Hess. Zeitung Anerkennung geworden, woraus entnommen werden kann, wie die Bewohner Steinbachs aller derer dankbar sich erinnern, welche ihnen vorzugsweise in ihrem schrecklichen Unglücke helfend zur Seite standen. Mögen diese Herrn und Alle sich dieses Zeugniß öffentlicher Anerkennung von Seiten der unglücklichen Abgebrannten zu Steinbach als Belohnung ihrer schönen Tbat dienen lassen und mit mir wünschen, daß durch die ziemlich bedeutend einlaufenden Unterstützungen sehr bald den obengenannten unglücklichen Menschen wenigstens einigermaßen ihr Schicksal gemildert werden möge.
In Verhinderung Großherzoglich Hessischen Krcisraths der Kreissecretair
Dr. Spamer.
Abschrift.
Mit Gottes Hülfe ist es nunmehr den vereinten Kräften der Bewohner Steinbachs und insbesondere der Umgegend gelungen, die in Schutt und Asche gelegenen Baustätten soweit auszuräumen, daß mit der Wiedererbauung der zerstörten Gebäulichkeiten der Anfang gemacht werden kann.
Die meisten bei dem Brandunglück betheiligten Personen haben sich, nachdem ihnen das Vortheilhafte der Sache gehörig auseinander gesetzt worden, bewogen gefunden, ihre niedergcbrannten Gebäude mit Lehmsteinen zu erbauen; es muß aber hierbei Außerordentliches geleistet werden, wenn diese unglücklichen Menschen noch vor Eintritt des Winters unter Dach kommen sollen, und fordere ich Sie daher auf, denen ich allen nebst Ihren Gemeinden das Zeugniß geben kann, daß sie in Roth und Gefahr treu und uneigennützig ihren unglücklichen Mitbrüdern zu Steinbach beigcstanden haben, auch hierbei nochmals ihre Thärigkeit zu zeigen und zu beweisen, wie wahre Nächstenliebe in sich selbst ohne Rücksicht auf zeitliche Belohnung ihre Beruhigung findet.
Eö müssen hier alle Gemeinden, in deren Gemarkung Lehmsteine gefertigt werden können, so schnell, als irgend thunlich, Anstalten treffen, daß eine möglichst große Anzahl derselben znr Disposition der verunglückten Steinbacher gestellt werden kann.
Sie wollen nun alle diejenigen, welche etwa ihnen eigenthümlich gehörige Lehmgruben besitzen, speciell zu der Angabe anffordern, wie viel ein jeder Einzelne und binnen welcher Frist er im Stande ist, eine möglichst große Anzahl derselben in brauchbaren Zustand zu setzen. Hiervon werden Sie die Anzeige binnen 8 Tagen bei dem Großbl. Bürgermeister Horn zu Steinbach machen, oder wenigstens denselben benachrichtigen, daß Ihre Gemeinden, deren es aber, wie ich hoffen will, wenige giebt, nicht im Stande seien, bei dieser für die Gemeinde Steinbach so äußerst wichtigen Angelegenheit hülfreiche Hand zu leisten.


