Wasserheilanstalt bei Marburg.

Die glänzenden Erfolge der inneren und äußeren Anwendung des kalten, frischen Quellwassers, constatirt durch zahlreiche, von Tag zu Tag sich mehrende Heilun­gen von Kranken, selbst solcher, welche von ihren Aerz- ten aufgegeben, lange Jahre hindurch an chronischen Krankheiten siechten lauter Thatsachen, welche ihre Widerlegung nicht finden können durch zuweilen erschei­nende zweideutige, nicht ohne gerechtes Mißtrauen zu betrachtende Artikel, haben auch mich veranlaßt, in den, für eine solche Anlage so sehr geeigneten Umgebungen hiesiger Stadt, eine Wasserheilanstalt nach dem Muster der Gräfenberger zu errichten.

Das vortreffliche Quellwasser, an den verschiedenen Orten eine Temperatur von 7°, 6', ja selbst.5° Rcan- mur enthaltend, die reine, stärkende Bergluft, das milde Clima, sowie unsere, an Naturschönhciten so reiche Ge­gend vereinigen sich, um der Anlage im Voraus schon Gedeihen zu versprechen.

Rüstige Fußgänger können auf unseren, hin und wieder mit Anlagen verzierten Bergeshöhen, sich der schönsten Aussicht erfreuen, und finden fast überall auf ihren Wegen zum Trinken frisches Qucllwasser, während diejenigen, denen ein anstrengenderes Gehen untersagt ist, auf ebenem Wege hinreichende Promenaden finden, und selbst ohne Ersteigung von Anhöhen ein großer Vorzug der hiesigen Anstalt zu Len Douchen gelan­gen können.

Wohnungen, mit allett zur Cur nöthigen Erforder­nisse», finden die Kurgaste in dem, eine halbe Stunde von der Stadt entfernten, romantisch gelegenen Dorfe Marbach, sowie elegantere und mit mehr Bequemlich­keit versehene ganz in der Nähe des Wellenbades, und des durch sein treffliches Trinkwaffcr so sehr geschätzten St, Elisabethbrunnens.

Schweißerregung mit darauf folgendem kalten Bade werde ich mir in den durchaus nöthigen Fällen anwen- dcu, hierbei jedoch für den Anfang laues Wasser neh­men, und die Temperatur nach und nach erniedrigen-, um dem, obgleich an sich ganz unschädlichen Verfahren, doch das Abschreckende zu benehmen; in manchen andern Fällen dagegen die übrigen zu Gebote stehenden Mittel, besonders das Wellenbad, ganz allein zu Rache ziehen, welches letztere, nach den in neuerer Zeit gemachten Erfahrungen (vM. v. Basedow, Sachs im medizin. Al­manach für 1839) der Wirkung des Seebades gleich­kommt, ja dasselbe in manchen Fällen noch übertrifft, und oft dann noch in Anwendung kommen kann, wo das Seebad nicht indicirt ist.

Zu meiner Assistenz habe ich einen, mit der Wasser­heilkunde wohl vertrauten Mann, den aus den Schriften des Prof. Oertel bekannten Herrn Friedrich Schatz ans Cleeberg bei Leipzig berufen, welcher, ein Schüler Prießnitzens und Oertels, die Wasserheilkunde bereits feit 12 Jahren praktisch ausübt, und während dieser Zeit die seiner Behandlung anvertrauten Kranken mit außerordentlich günstigem Erfolge behandelte, wie sowohl seine öffentlich gedruckten, als schriftlichen, von hochge­stellten Männern ausgcfertigten Zeugnisse bekunden.

Denjenigen, welche die hiesige Anstalt besuchen wol­len, erkläre ich mich zu allen weiteren Ausknuftsertlwi- knugeu bereit, bitte sie jedoch zugleich in portofreien Briefen um eine genaue Relation ihrer Krankheit, nm daraus entnehmen zu können, ob unter den verwalkenden Umständen sich ibr Leiden für die Cur eigne.

Tie Preise sind, wie ans den mitzutheilenden Ta­rifen sich ergeben wird, auf das Billigste gestellt.. Tic Eröffnung der Anstalt geschieht den 15. Mai,.

Marburg im April 1840-

Dr. I u i, Kreisphysicus.