Nr. xif. 23. März. 1799-

Gresser Jntelltgenzvlatt.

Em Mittel, ztt stark ins ^olj wacdsenve «Vbstbäume fruchtbar ?u machen, und von ei­nem sungen Obstbaum bald erliche Früchte zur Probe zu erhalten.

Die Unfruchtbarkeit der Obstbäumr hat nach den an selben sich äuffernden verschie­denen Umstanden mehrentheils verschiedene Ursachen zum Grunde. Die Absicht aber ist hier, bloe zu zeigen , wie von diesen eine besonder- leicht gehoben werden kann, darum, weil diese vor andern sehr oft vor- kommt, auch sich nur bei den besten Bau­men ejnzufinden pflegt, und weil man da­leichte Mittel dagegen, wenigstens nicht in der Anwendung zu erkennen scheint.

E- giebt Baume, die weder Blüthen noch Früchte tragen, von welchen man diese- doch schon langst in Rücksicht ihre» Alter- und ihrer Größe erwartet hakte; sie haben das Ansehen der schönsten ge­sundesten Bäume, sträuben sich mit ihren Testen gerade auf, übertreffen an Wach»- Ihum alle andere fruchtbringenden Bäume, sowohl wa- den Stamm und die Aeste, al- auch die Dicke und ungewöhnliche Länge der neuen SomMerschoffe betrifft. Da man diese nun nicht ander» al- durch da- frü­here Wach-thum von andern fruchttragen­den Baumen unterscheidet, so ist ihre Un­fruchtbarkeit nothwendig eine Folge von zu vielem Safte, welchen Vie Wurzel dem übrigen Baume zuführt.

Um also dergleichen Baume frucht.' bar zu machen, muß man ein Mittel ge­brauchen , welche- sie von diesem überflüs­sigen Safte in Zukunft befreiet, unddie- se- bestehet al- da- bequemste darin, daß

man ihnen im Herbste ober sonst doch früh genug vor dem Frühling, etliche von ihren Wurzeln adhaurt. Treibt dann der Baum im Sommer noch zu große Schößlinge, so wiederhole man da- Abnehmen der Wur­zeln nochmal», bann wird er ein gewöhn­liche» Wachöthum bekommen, und daher fruchtbar werden. E» ist keinem Zweifel unterworfen, daß ein Baum könne un. fruchtbar seyn , so lange eine große Menge SafteS in ihm hereindringt: denn diese ist im geringsten nicht geschickt, Blüthenknv- spen zu erzeugen, sondern e- entstehen dar­au- nur Blatterknospen. Wenn man ei­nem Baume auf einmal zu viele von fei­nen Testen raubt, so wird er gleich un* fruchtbar; weil nun die Wurzeln, die ihr gehörige- Verhältnis zu den Aesten und Zweigen verloren haben , zu viel Saft her­zufuhren , welcher auch die schon von der Natur zur Blüthe bestimmten Knospen in Blatterknospen zu verwandeln vermag. Ungefähr zu Ende de- Monat» August schnitte man von selbigem alle Zweige weg, und ließ ihm nur die Knospen, welche im folgenden Jahre Rosen bringen sollten; aber au» allen diesen Knospen kam keine einzige Rose, sondern Zweige hervor, ein deutlicher Bewei-, daß zu viel Saft in den Pflanzen ein Feind der Blüthe, und folglich auch der Fruchtbarkeit sey. Au» diesem sieht man nun leicht ein, aufwelche Art da» Wegnehmen etlicher Wurzeln vom Stamme einen zu stark wachsenden Baum fruchtbar mache, weil nämlich die Ur­sache au» dem Wege schafft, die die Bil­dung der Llüthenknospen verhindert.

Gleichwohl geschieht e» natürlicher Weise nicht selten, daß ein auf diese Art ver-