Ausgabe 
7.9.1799
 
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3) Welche DorkehrungSmittel in Zu­kunft zu treffen sind, um die beabsichtigte Sicherstellung Gießens zu bewirken.

Schon diese gewählte Ordnung läßt wenig gesagt nicht viel von des Verfas­sers Raisonnement erwarten. Ist die Stadt durch das Verschliessen eben erwähnter Oefnungen des Walls für eine jede Ueber- schrvunmung gesichert, was ist dann weiter für Noth l Die Anstalten hierzu sind so geringe, kosten sowenig Muhe und Geld- aufwand, und sind im Fall der Roth in so kurzer Zeit auszuführen (zumahl wenn die Schutzen und das übrige Material, wie es auch wirklich geschieht, schon gleich Anfangs bey jedem Thauwetler, bey'wel­chem Gefahr zu befurchten ist, an Ort und Stelle gebracht werben), daß es überflüs­sig, ja lächerlich siyn würde, noch aufan­dere, in jedem Fall kostbarere Sicherungs- Mittel denken zu wollen. Der Ungenannte hatte also nur diese Behauptung beweisen dürfen, und demnach den ganzen übrigen Theil seines Aufsatzes sparen können. Ich wenigstens würde alsdann, wäre diese Be­hauptung richtig, es öffentlich erkennen, daß die am 22tenFebr. d. I. vorgenom­mene Erhöhung der Chaussee ganz unnö- thig war. .

Ist aber Gießen gegen die Gefahr deö hohen Wassers wirklich so leicht sicher zu stellend Dies ist nun wohl die Haupt­frage , und ist eben die, welche mir, wie schon vorne gesagt, es zur Pflicht macht, die in jenem Aufsatz gemachten Fehlschlüsse öffentlich zu rügen.

Die Leser dieses Wochenblattes sind leicht konsequenter in ihrem Raisonnement, als der Verfasser jenes Aufsatzes war. Glauben sie diese Behauptung, so muß ih­nen wohl ein jeder leicht so viel gesunde Vernunft und richtige Beurtheilung zu- trauen, daß sie alsdann nicht thöricht ge­nug seyn werden, noch auf irgend ein an­deres Sicherungsmittel zu denken. Diese

geringe Ueberlegung irgend einem Men- jchen, der nur im Stande ist, bis fünf johlen zu können, absprechen zu wollen, würde ,ch für die erschrecklichste Beleibt, gung halten, die demselben nur fe zuge­fügt werden könnte. Wäre also jene Be. hauptung des Ungenannten falsch, so würde dadurch, daß sie Glauben fände, Gießen offenbar in die größte Gefahr gesetzt. Es ist also wohl der Muhe werlh, sie etwas naher zu prüfen.

Oberflächlich die Sache erwogen, scheint die Behauptung wirklich Grund zu haben, denn so viel ist gewiß, daß das Wasser als­dann nicht mehr unmittelbar in die Stadt Hineinstromen kann. Wer aber mehrere Gegenden gescheit, und sie besonders in hy­drotechnischer Rücksicht beobachtet hat, und nur das sumpfige unö moorige Terrain, auf welches Gießen liegt, und um Gießen herum betrachtet, wird bald auf den Ge­danken kommen, ob nicht Ouellwasser, wenn der Wallgraben hoch angefullt ist, der Stabt gefährlich werden könne. Dies war daher meine .erste Frage, als mein Gutachten von Seiten Hochfürstl. Hochlöbl. Regierung in Gießen wegen der zu tref­fenden Vorkehrungen verlangt wurde.*) Die Antwort war: freylichdies brachte die Stadt eben in die Gefahr, da )a äusser dieser aar keine vorhanden wäre, indem man sonsten nur die paar Oeffnungen in dem Walle abschließen dürfe, welches ohne- ___ dem

*) Beylausig sey eS gesagt, daß dies die erste Veranlassung war, mich der Sache thätig anzunehmen. Dies zu meiner Rechtfertigung für die-emgen, welche etwa gauben möchten, ich hätte mich ganz eigenmächtig hinzugedrängt. Län­ger als 14 Tage vor dem Aufgange des Eises, als vielleicht noch niemand an die zu befürchtende Gefahr dachte, war dieses Hochverehrt, Colleg schon bemüht/ sie abzuwenden. y'