Nr. XXL rS. Mai- >798.

Giesser JnttlllgeuzVlatk.

Allgemein. brauchbares Mürel, Lmdcr gleich von ven ersten Jabren ihres Lebens an absolut gehorsam rmv tu; genvhaft ?u erziehen.

Verfolg.

Und bei einem unverständigen Kinde sollen durch die Ruthe nicht alle Triebe in Respect erhalten, und zum absoluten Ge­horsame gebracht werden könnenDaS glaube, wer da will! Ader das muß man nur einen Mann nicht bereden wollen , der aus sechsfa cher eigner Erfahrung der verschiednen Temperamenten von beiden Geschlechtern dieses Mittel durchaus pro­bat gefunden hat. Frerlich gehört zum rechten Gebrauche der Ruthe göttliche Weisheit; und diese muß man sich von Gott zu seiner Kindcrzucht ernstlich erbitten. Nicht alle Temperamente bedürfen vom er­sten Jahre an der Ruthe in gleichem Grade, und zu gleichen Zeiten. Das müssen verständige Aeltern zu beurtheilen wissen. Isis doch aua- unter den Thieren so, daß sich z E. gute Sorten von Hühnerhunden blos durch Güte und frühzeitige Anführung vortref- !ich gewöhnen lassen. Allein bleibt Durchaus ein großer Unterschied zwischen einem sogenannten par Force dressirten, und einem bloS durch Gutartigkeit abge- richteten Hühnerhunde. Jener thut alle­mal schlechterdings brav, wenn er einen rechten Lehrmeister gehabt hat; diesir thut es zwar auch, aber nur so lang es ihm ge­fällig ist. Strapazirt man ihn zu sehr, so wird er's überdrüssig; und dann ver­sagt er uns ven Gehorsam, weil er keine Lust mehr hat, und wenn man ihnaufder

Stelle zu Tode prügelte. DaS sind un­leugbare Erfahrungen..

Gerade so wirds mit Kindern, die man als Kinder guter Art mit lauter guten Worten und allerhand angenehmen Vor­stellungen zu ziehen gesucht hat. Wenn'S ihnen, nicht gelegen ist , sie nicht Zeit ha­ben, etwas überdrüssig sind, keine Ehre, keinen Nutzen, kein Vergnügen von der Sache sehn, die sie thun oder unterlassen sollen, vderauf der andern Seite Schande, Schaden, Unlust gewahr werden: so hat ihr absoluter Gehorsam ein Ende, oder sie gehn mit dem äussersten Widerwillen dran. Das wird die Erfahrung übermal aus­weisen. Man komme mir also nicht gleich bei dem Anfänge meiner Abhandlung mit dem dem Einwurfe ungezogen, daß man gute Kinder mit lauter Güte ziehn könnte und müsie. In Güte erhall man von kei­nem Menschen einen in allen Fällen und unter allen Umständen absoluten Gehor­sam, wenn man ihn nicht, als Kind, par Force, daßich mich soausdrücke, ausdrück­lich dazu gewöhnt hat. Es kostet anfangs eine kleine Uebcrwindung der Zärtlichkeit; aber der Nutzen ist hernach desto sichtbarer, und macht unaussprechliche Freude. Ich dächte, das wäre gerade der gesunden Ver­nunft recht angemessen, den Menschen kbie- risch zu behandeln, so lang er noch vorzüg­lich Thier ist. Erst muß der Gehorsam mechanisch und thierisch sehn, ehe er mo­ralisch und vernünftig werden kann.' Was aber mechanisch und thierisch werden soll, das fand doch unmöglich moralisch und vernünftig behandelt werden. Je wehr hingegen das Thierische abnimmt, Destp mehr