Ausgabe 
21.7.1798
 
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entscheidet , unb baß bet geringste Beitrag auf Seiten der Krankheit, den Tod zur Folge haben könne.

Banz natürlich muß in diesem Augen­blick die Aufmerksamkeit des Arztes sich verdoppeln. Mit Argus Augen muß er dUe wirkliche und mögliche Hindernisse aue- spähen, um sie entfernen zu können. Nun geschieht eS sehr oft, daß eben in diesen entscheidenden Augenblicken der Kranke ganz gelaisen nach demAuögang der Krank­heit sich erkundiget; würde es nicht sehr unklug seyn, ihn mit demselben bekannt Zu machen? vorzüglich weil gewöhnlich mit der Zunahme der Gefahr, Betäubung und Dcrstandeeverwirrung sich einstellen, und derselbe die erhaltene Nachricht zu Gunsten seiner Familie nicht benutzen kann, wer! sich dieser Zustand gewöhnlich mit Schlum­mer und Zerrüttung aller Seelenkräfte endiget.

Menschlicher handelt daher der Arzt, Menn er auch bei diesen Kranken, das In- Irrwerden der nahen GefahrIorgfältig ver­meidet , seine ängstigenden Ideen gegen be­ruhigende vertauscht und alle» Nachsinnen über seinen körperlichen und politischen Zu. siand verhindert In günstigen Augen­blicken mag er e« denselben zu erkennen ge­ben, daß siine Krankheit heftiq ist, aber sogleich muß der Trost, daß sie nicht ge­fährlich ist, folgen. , Fühlt dann der Kranke einen Beruf, häuslich- Angelegen­heiten zu berichtigen, so entferne sich der Arzt auf eine schickliche Art, damit man seine Zustimmung nicht bemerke und <» scheine, al» ob er dies für eine höchst gleichgültige Sache halte.

Selbst bei alten abgelebten Menschen muß der Arzt mit der Verkündigung der Noh-n Abreise von dieser W->t sebr behut- u sarv skyn. Denn auch diese haben die gül­

tigsten Atisprüche auf seine Menschlichkeit. Nicht selten wollen die Alten ungerne von dieser Welt scheiden, ob sie schon ihre Un­zufriedenheit über Körper - und Seelen» schwäche täglich im Munde fuhren und ihre Sehnsucht nach jener Welt beständig zu erkennen geben. Allein pocht Freund Hainan ihre Thüre, so erschrecken sic, und d»e Besorgnis für ihre Gesundheit giebt t< nur zu deutlich zu erkennen, wie sehr sie sich vom Rande des Grabes entfernt den­ken und wünschen. Immer übereilt sie der Tod beim vollen Geldkasten oder bei einem jugendlichen Geschäfte, beim Spiele oder beim Becher. Ich, werde e» nie ver­gessen, wie sich die Sl rne eines 84 lähri- gen Freundes entfaltete, als ich ihm mit froher Miene einige Stunden vor feinem Tode versicherte, daß sein Puls noch so lebhaft als sonst schlüge, und dadurch eine längere Dauer des Leben« zu erkennen gäbe. Würde ich nicht unmenschlich und barba­risch gehandelt haben, wenn ich den au«- setzenden und sinkenden Puls mit einer gra­vitätischen Miene begriffen und meine Wahr­nehmungen durch ein bedenkliches Achsel­zucken zu erkennen gegeben hätte? Der Arzt darf daö glimmende Locht nichtauelöschen, lieber giess er frische» Oel zur Lampe.

D r Verfolg künftig.

Bekanntmachung von verschiedene» Sacken.

i) Nachstkünfriqen Montag, den 2;. diese-, und folgende Tage, Nachmittags um 1 Ub- , soll in de» v-rstorbenen In­genieur 1 Major und Professor Werners Be­hausung, folgender Haueratb, als: Ti­sche, Bänke, Stühle, r Katheder, 1 Klei- d-rschrank , Bücherschränke, Bettstuhle, verschiedene Fässer, Kastenkorre, ein Bla­sebalg für Schloss-r oder Schmiede, Pfer? deqeschirr, eiserne Mörsel, Kröpfen und Biegeleisen, ein Pelz, ein neuer grauer tu- rhener Mantel and steinerne Krüge, an den

Must-