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Rann und darf der Arzt allen Kranken den wahrscheinlichen oder gewissen Tod voraussagen?
Verfolg. 5
Sehr oft unternehmen M Ktttnken in hiesem günstigen Zeitpunkte äusserst wich< tige Geschäfte , sie entwerfen Plane und drhnen deren Beendigung so gern sehr weit aus, weil ste sich neben der Okög ichkeitder Ausführung zugleich mit der Hornung einer völligen Genesung und ein s langen Lebens schmeicheln. Der Arzt kann die Unmöglichkeit von beiden recht gut einsehen, er kann es wissen, wie sehr der Kranke sich täuscht^ Allein darf er ihm dieseryalb wohl die süße Hofnung, welche ihn für so viele Leiden schadlos halt, entreissen? Darf er ihm sagen, daß er zum Besten seiner, Familie lieber unthang bleiben soll? Und gesetzt, der Arzt wagte es, dieses zu thun, so muß er es erwarten, daß der Kranke mit unvermchheter Gnstfssiärke die Beweise für dieses Urtheil verlangt, und nicht eher ruht, als bis ihm dieses nahe oder entfernte Ziel gezeigt wird. Ganz gewiß muß dadurch das Zutrauen..des Kranken verschwinden, und ein ungnädiges Veralt schieden die Folge dieser Ücbereilung seyn, sobald der Kranke die entdeckte bittre Täuschung des Arztes mir der vormals Unterhaltenen süßen Hofnung vergleicht.
Immer wird es eine Grausamkeit blek- hen, wenn der Arzt die angenehmen Träume seines Kranken zur Unzeit störet; und immer wird es ein wahrer Glücksgrif seyn, wenn dieses ohne den augenscheinlichsten Nachtheil für den Kranken geschiehet, weil Pch die größte Besorgnis sehr oft hinter den
Anschein der Gleichgültigkeit -verbirgt. Wenn es wahr ist, daß die Freundschaft durch Eigennutz bestehe und befestigt werde, so ist das gewis der Fall zwischen Aerjten und Kranken. Der Kranke liebt seinen Arzt, als seinen besten Freund, weil er die Habdaflwerdung des edelsten Guts, nemlich die Gesundheit, durch ihn erwartet. Diese Zuneigung muß der Arzt durch Gegenliebe belohnen, und diese gebietet ihm die möglichste Befriedigung aller Erwartungen seines Freundes , also die möglichst lange Erhaltung seines Lebens. Alles also, was dessen Endigung beschleunigen kann, muß er zurückweisen und alle politische und Familienverhältnisse dürfen ihn nicht vermögen, die freundschaftlichen Verhältnisse zwischen ihm und dem Kranken aufzuheben oder einzuschränken.
In allen hitzigen Fiebern entscheidet sich die Krankheit schneller als in den lang, wierlgen; der Arzt weiß es eher, was er zu hoffen oder zu fürchten habe, aber er weißes auch, wie viel eine heitere und ruhige Gemüthssiimmung zurgkücklichen Hei. lung vermag, wie wichtig und wohlthätig der Einfluß der Seele auf den Körper zu der Zeit wirkt, wenn die Krankheit sich ihrer Entscheidung nähert, und wiegefähr- lich, nachtheiliq und tödlich hingegen jede unterdrückte Leidenschaft, die Angst, Besorgnis, Verzagtheit und Verzweiflung wirken. Auch lehrt ihn die Erfahrung', daß auch dann, wenn alle Hofnung der Wiederherstellung verschwunden zu seyn scheint, der Kampf zwischen Krankheit und Gesundheit, zwischen Tod und Leben schnell odrr langsam zu Gunsten des Letztern sich ent-


