Ausgabe 
20.1.1798
 
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Nr.IIL

L-.I-inuar» 1798-

Gtcsscr Jnttlligcnzblatt.

^?s»r der prakrr'scben Äunfi das Leben verlängern.

(Auszug aus Hufeland^

Verfolg.

VI. Der Schlaf.

Der Schlaf ist eine der weisesten Der» anstalrunqen der Natur, den beständigen reisenden Strom der kebenSconsumtion zu bestimmten Zeiten aufzuhalten und zu ma» fiqen. Wir werden dadurch gleichsam tag- lich von neuem gebohren. Z^ehmr dem Menschen Hoffnung und Schlaf, und er ist das unglücklichste Geschöpf auf Erden. Deriem'ge, welcher sich den Schlaf uber- wäsig abbricht, wird das Leben im n- aentlichen Sinn des Worts, jene Frssch- teit und Energie des Geistes nie qeniesen. Also ist der Schlaf, sowohl für dar exren^ stoe, als intensive Leben, ein hauptsächli­ches Mittel. Fortgesetztes Wachen verbin­det also alle Lebensdeftruirenden Eigen­schaften , unaufhörliche Verschwendung der Lebenskraft, Abtreibung der Organe, Be­schleunigung der Consumtion und Verhin­derung der' Restauration Zu langer Schlaf ist aber auch schädlich: er häuft zu viel überflüssige und schädliche Säfte an, macht die Organe zu schlaff, und kann auf diese Art auch ebenfalls das Leben verkur- ren. Genug, niemand sollte unter 6, uni niemand über 8 Stunden schlafen!

Um aber gesund und ruhig zu schla­fen, sind folgende Punkte zu empfehlen: r) der Ort des Schlafs muß still und dun­kel styn ; 2) er muß gejunde und reine Luft

erhalten, das Zimmer must geräumig und hoch, am Tage nicht bewohnt, auch nicht geheizt seyn, und am Tage , die Fenster beständig offen erhalten werden 3) x Man esse Abends nur wenig und nur kalte Speisen und immer einige Stunden vor Schlafen. 4) Man liege, ohne allen Zwang und Druck, fast horizontal, nur den Kopf ausgenommen. 5) Alle Sor­gen und Taqeslasten müssen mit den Klei­dern abgelegt werden. Man setzt sonst da­durch die Seele in Thätigkeit, gerade in dem Zeitpunkt, wo alles darauf ankommt, sie völlig ruhen zu lassen. 6) Die stille Nacht ist dem Schlaf am günstigsten, und «Stunden Abende vor Mitternacht durch­schlafen , sind für den Körper mehr werth, als ^Stunden am Tage.

Dadurch, daß man die Nachtstunde» nicht zum Schlaf benutzt, stört man die ganze wichtige Crise, welche auf daö soge­nannte Abendfleber erfolget und in einer wohlthatigen Ausdünstung bestehet. Die Augen werden bei dieser Gelegenheit weit stärkek^angegriffen. Und übrigens ver­tieren die, welche die Nacht zur Arbeit und den Morgen zum Schlaf anwenden, ge- rode die schönste und schicklichste Zeit zur Arbeit. Körper und Seele sind des Mor­gens zur Arbeit am geschicktesten, und die angenehme Natur begünstigt ihre Unter­nehmungen. Alle, die ein hohes Alter erreichten, liebten das Frühaufstehen.

VH. Körperliche Bewegung.

Der Mensch ist und bleibt ein Mittel­geschöpf zwischen Thier und Engel. Er muß durchaus die thierischen rind geistigen Kraft