Ausgabe 
19.8.1798
 
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l9. August. 1798*

Giesser Jnkelligenzvlatk.

Amveistmg einen sehr dauerhaften Märtel ;n ver­fertigen.

Wir glauben denen, welche neue Ge­bäude errichten, oder alte Gebäude aus- bessern wollen, einen Dienst zu erweisen, wenn wir sie mit einem Mörtel bekannt machen, der sich nicht minder durch ferne Schönheit, als durch seine ausserordent­liche Festigkeit auezeichnet,

Auffallend ist allerdings der Unter­schied, der zwischen dem Mörtel, den man an ganz alten Gebäuden und Mauern be­merkt, und zwischen dem in unfern Zeiten gewöhnlichen Statt findet. Wenn jener, obschon vielleicht Jahrhunderte lang der zerstörenden Kraft der Zeit und Witterung ausgesetzt, noch hart wie Stein und kaum vernichtbar ist, ja mit seinen verbundenen Stücken nur ein Ganzes auszumachen scheint; so sehen wir den unftigen nach wenigen Jahren schon, wo nicht ganz in Staub zerfallen, doch hier und da sich ablösen und Riffe bekommen.

Fast sollte man daher glauben, daß unsre Vorfahren ein ganz eignes Geheim- niß der Zubereitung gehabt, und Dinge beigemischt haben müßten, welche diese Fe- sirgkeit erzeugen konnten, so wie Einige wirklich der Meinung sind, daß sie sich statt des Wassers der Milch zum Löschen des Kalks bedient hätten; allein nirgends findet man hierüber einige Nachricht, son­dern selbst Plinius und Vitruv ge­ben nur so viel an, daß das vorzüglichste Mittel, guten Mörtel zu erhalten, in der Auswahl des besten Kalks, dem richtigen Verhältnisse dieses zu dem Sande und ei­

ner fleisigen Vermischung beider Thcile liege. Dies tragt allerdings sehr viel zur Güte des Mörtels bei; doch wird man, und wenn man es noch so genau, und sorgfäl­tig beobachtet, nie einen Mörtel von der­jenigen Dauerhaftigkeit erhalten, die wir an dem der Alten bewundern.

Äusser dem Mangel jener Eifenfestig-. keit hat unser Mörtel auch noch andere Un­bequemlichkeiten. Denn erstlich dauert es solange, ehe er trocknet, und man muß daher die Gewölbe lange über ihren Bogen stehen lassen, bis sie die gehörige Halt­barkeit haben , um nicht zu brechen oder sich zu senken. Zweitens hat er den Feh­ler, daß er im Trocknen sich einzieht, und folglich, nachdem die Feuchtigkeiten aus­gedampft sind, leere Räume inwendig zu­rück laßt. Drittens widerstehet er dem Wasser wenig, und verstaltet ihm einen leichten Durchgang. Viertens reisset er allezeit, wenn er trocken wird, und taugt daher wenig zum Bewerfen und Uebertün- chen, aber macht doch immer jährliche Ausbesserungen nothwendig.

Eine Verbesserung des gewöhnliche« Mörtels ist daher eine sehr nothwendige undnützlicheSache, unddieseVerbesserung ist möglich, ja auf die einfachste und leich­teste Art möglich. Das Verfahren, diese bessere Mauerspeise zu erhalten, ist folgen­des. Man nimmt alten wohlgelöfchten und guten Kalk, vermischt diesen mit fei­nem Sand oder Cement, und arbeitet alles sorgfältiger, als gewöhnlich , durch einander. Ist dies geschehen, so thut man zu dieser Masse ncd) ohngefahr so viel ge- pülverten und ungelöschten Kalk dazu, als