Ausgabe 
19.5.1798
 
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Wo bin ich? rief er endlich aus, in­dem ihm eine Freudenthräne ins Auge trat. Unter Menschen, oder unter Engeln? Welch Betragen ! welche Tugend!

Er fiel darauf dem ehrlichen Mar­tens um den Hals, küßte sie beide herz­lich, drückte ihnen die Hände, und sagte : Seyd meine Freunde, ihr Guten, so wie ihr mich auf immer zu dem Eurigen ge­macht habt.

Eure Tugend, fuhr er fort, verdient belohnt zu werden. Wie danke ich jezt Gott, daß er mich in einem andern Welt-- theile so viel hat erwerben lassen, daß ich das Werkzeug seiner Vorsehung seyn kann, um eure Redlichkeit zu vergelten!

Indem er dies sagte, zerriß er die schriftliche Erklärung, mit den Worten: Dieses Gut ist das Eurige! Gehe jemand, den NotariuS zu rufen.

Martens und Mieke standen in sprach­loser Verwunderung; und der Pfarrer schickte nach dem Amthause, um den No­tariuS zu rufen. ......

Dieser kam: und der Fremde dlknrte ihm in die Feder , daß das von MartenS gefundene Geld ihm auf immer geschenkt seyn sollte.

Martens und Mieke, wollten ihm aus Dankbarkeit zu Füßen fallen; aber er hob sie eilends auf, schlug seine Arme um beide, und alle drei, nebst den Zuschauern, ver­gossen Thränen der Entzückung, mit Em­pfindungen , die sich nicht beschreiben lassen.

Allgemein - brauchbares Mittel, Rinder gleich von den ersten Iahren ihres Lebens an absolut gehorsam und tu­gendhaft zu erziehen.

Bald wird man'S nicht mehr wissen wollen, oder nicht wissen können, was man aus Menschen machen, und aus Men­

schen für Christen bilden kann. Ausdem, wie man die Menschen gemeiniglich an allen Orten sindet, und wie sie zumal in unfern äusserst moralisch verderbten Zeiten sind, macht man den schnellen Schluß, daß eS nach dem Sündenfalle nicht beste'- von ih­nen zu erwarten sey. O- Menschheit! o Christenthum! wie bist du gefallen! ge­sunken! Isis möglich,daß auch die Chri­sten, die doch Gortes Wort in ihren Hän­den haben, das Mittel, fromme und ge­horsame Menschen aus ihren Kindern, und hiermit tugendhafte Christen zu ziehen, nicht wissen, oder doch nicht gebrauchen, oder zu spät, zu wenig, am unrechten Orte gebrauchen ? Die Natur der Sache, die gesunde Vernunft >und die Erfahrung mit unvernünftigen Thieren, sollte sie dieses schon langst vollkommen gelehrt haben; aber N)ch überzeugender das Buch vergöttlichen Offenbarung, und ihre sogenannte Bibel. Salomo und Sirach haben das allgemeine, für alle Nationen brauchbare Mitte! zur tugendhaften und besten Erzieyung voll- kommen gut gekannt und häufig angeprie­sen. Ader heutiges Tags ist man zu klug dazu, solchen altmodischen Ralhschlagen zu folgen. Hat man uns doch wohl in be­liebten Romanen gar vordemonstrirt, daß Aeltern nicht einmal Fug und Recht hät­ten, ein Kind zu schlagen! Wie sollte von der Ruthe viel Gutes zu hoffen seyn? Man muß, pflegt man zu sagen, Menschen mit Verstand ziehn; und Ver- stand kommt nicht vor Iahren; wer wird ein unverständiges Kind schlagen? ES verstehts ja nicht?" O Thorheit! Dein Hund, und deine Katze haben auch keinen Menschenverstand, und bekommen auch kei­nen, und wenn sie hundert Jahr leben; ober schon in den ersten Monaten kann ich sie durch Schläge völlig nach meinem Wil­len gewöhnen, wenn ichö recht verstehe. Und mein Kind, das zu einem vernünfti­gen Menschen erschaffen ist, solls nicht ver->