Nr. XXXVII. < lL.S-Mw.br. 1798»

Giesser Juttlligenzblatk.

Mitte! wider Lraud.

Bei dem Marsch der deutschen Hülfs- tr-uppfti unter dem englischen General Car- letvn, nach St. Jean in Canada iw Jahr 1776, degleilkte eine große Menge Wilde Die Armee , derer». Vortrab sieausmachtcn Viele Wilden lagen einst auf den Wiesen, kochten / schmauftien, tanzten, als eine deutsche Soldatenfrau, die ohnweit dieser Wilden auch kochte, das Unglück hatte, sich beide Verne durch den umgefallenen Feidkesscl mit kochmder Fleischbrühe zu ver- hrennen. Sie sank vor Schmerzen in Ohn­macht Einer von den Wilden kam dazu, sah was vorgieng, lief aber sogleich wieder weg, und kam mit einer Handvoll roher Kartoffeln wieder. Er wusch solche ab, schraple sie mit einem Messer, und das Geschrapte, welches ein dünner Brei wurde, und er auf breite Blatter legte, schlug er auf die sehr beschädigte Füße der Frau, und wiederholte solches so oft, als Der Kartoffelbrei trocken war. In weni­ger als drei Stunden war aller Brand weg, keine Rothe davon zurückgeblieben. Die Frau war völlig munter, konnte wieder geben, und hatte nie weitere Schmerzen Davon. Der Wilde, welcher französisch sprach, veisicherte nachher einem deutschen Officier, der dies alles mit angesehen hatte, Daß solch ein roher Kartoffelnbrei auf Lin­nen , oder auch nur auf breite Blatter ge­schlagen, und auf die verbrannte Stelle gelegt, so oft wie der Brei trocken, das untrüglichste Mittel gegen den gefährlich- fien Brand sey, und in wenig Stunden solchen heile. Die geschehene Probe über­zeugte den Officier; er dankte diesem men-, schenfteundlichen Wilden, gab ihm ein

Maas Rum zur Belohnung, und dan?» dar veclüß ihn dieser Der Officier sah nachmals dieses Mittel in Birginien bei einer Negerin mit gleichem Erfolge von ihren Mitftlaven anwenden , und hörte von diesen, daß es da» allgemeine Mittel un­ter den Wilden gegen den Brand sey.

Vom Zahnweh.

DaS Zahnweh hangt vornemlich von drei Ursachen ab: t)vom Anfraß der Zahne. 2) Von Oer Entzürrdung der Zahnnerven, oder der aussern Haut, welche die Zahne bekleidet, und die Entzündung de» Zahn- fieisches nach sich zieht, z) Von kalten Flüssen, welche sich nach diesen Theilen gezogen haben. Wenn der Zahn sehr verdorben ist, so ist kein ander Mittel übrig, als solchen auszureissen, weil sonst die Verrichtungen der benachbarten Zahne ge­hindert, und öfters sogar die Knochen dec Kinnbacken angegriffen werden. Wenn das liebel nicht sehr beträchtlich ist, kann Man zuweilen den Fortgang dessen hindern, wenn der Zahn mit einem heissen Ersen ge­brannt, oder wo möglich mit Blei auS- gefüllt wird. Auch kann man sich der Essenz von Wurznelken bedienen , mit sol­cher ein wenig Baumwolle anfeuchten, und auf den Anfraß legen ; welches für eine ziemlich lange Zeit Erleichterung giebt. Ein Gurgeltrank aus Gänserich, mitWas- fer gekocht, erleichtert auch oft die Schmer­zen, welche von dem Anfraß herrühren-

2) Bei der Entzündung der Zahnner­ven thut besonders bei vollblütigen Perso­nen, eine Aderlässe oft gute Dienste. Nach Derselben gurgelt man sich mit Gerstenwas- ser,