Ausgabe 
12.5.1798
 
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Zeit richtig abzutragen, und von dem Uebrigen ein ruhiges Leben zu fuhren.

So verstrichen 2 Jahre ; und der wie­derholten öffentlichen Anzeige ungeachtet, fand sich keiner, der das gefundene Geld zurück verlangte.

Da gieng der Pfarrer zu seinem jun­gen Paar, und sagte:Meine Binder, genießt nun der Wohlthat, welche der Himmel euch zugewandt hat. Die Zehen- tausend Thaler sind euer; denn es hat sich niemand dazu gemeldet. Braucht sie nun, wozu es euch gefällt; hier sind sie" Und so zog er das Kästchen unter seinem Man­tel hervor, und setzte es vor ihnen hin.

Herr Pfarrer, sagte Martens, es ist doch immer möglich, daß der, dem es ge­hört, über kurz oder lang einmal auüge- funden wird. Ich denke also, es so anzu- legen, daß nichts davon verlohren gehen kann.

Und wie das?11 fragte der Pfarrer.

Der Mayerhof, antwortete Marlens, den ich gepachtet habe, ist zu verkaufen. Es ist viel Länderei dabei, und er wird an Zehentausend Thaler kosten Dazu, denke ich nun, will ich dies Geld ankegen5 kommt dann über kurz oder lang der Eigenthümer, so ist der Mayerhof sein, und ich bin sein Pachter.

Der Pfarrer billigte diesen Vorsatz Von ganzem Herzen, und schon am fol» genden Tage ward er auSgeführk.

Martens verbesserte, als Eigenthümer, sein Landgut um vieles; und feine Mieke erfreuete ihn nach und nach mit 2 Kindern, die sie ihm gebahr. Wie freueten sie sich beide , sich in diesen theuren Pfändern ihrer Zärtlichkeit wieder von neuem aufleben zu sehen!

Kam Martens des Abends vom Felde, so brachte sein liebes Weib ihm die Klei­nen entgegen; er küßte sie dann eins ums andere, und drückte ihre gute Mutter an sein Herz. Eins wischte ihm den Schwei-

ab, und das Andere nahm ihm die Hacke, oder was er sonst mit nach Hause trug, aus der Hand, um sie statt seiner zu tra­gen.

Marten- freuete sich über den guten Willen seiner Kleinen, liebkosete ihnen von neuem, und dankte Gott, daß er ihm ein so gutes Weib und solche Kinder gegeben hatte, die ihr einst ähnlich werden würden. Nach einiger Zeit starb der brave Pfarrer, dem sie ihr Glück zum Theil zu verdanken hakten. Dieser Vorfall erin­nerte sie an ihren Tod. Wir werden auch sterben, sagte MartenS, und unser Gut bleibt unfern Kindern. Käme dann der­jenige, dem es eigentlich gehört, zurück, so wäre er auf immer darum, und wie hatten unfern Kindern fremdes Gut hin­terlassen.

Dieser Gedanke bewog sie, eine schrift­liche Erklärung aufzusetzen, sie von den an­gesehensten Einwohnern des Dorfs unter$ schreiben zu lassen, und sie bei dem neuen Pfarrer niederzulegen. Und darauf wur­den sie ruhig.

Nun hatten sie den Mayerhof schon zehn Jahre besessen.

Eines Tages, da MartenS nach einer säuern Arbeit zum Mittagsessen nach Hause gieng, sähe er, daß auf der Landstrase eine Kutsche umgeworfen wurde, in welcher zwei Männer saßen. Er lief, ihnen zu helfen.

Glücklicherweise hatten sic keinen Scha­den gelitten. Er bat sie, bei ihm zu essen, und bot ihnen feine Pfluqpferde an, um ihre Sachen nach seinem Hause zu bringen.

Aber einer der beiden Reisenden sagte» dieser Ort ist mir gefährlich. Jezt bin ich hier umgeworfen worden, und vor zehn Jahren verlor ich in Vieser Gegend ein an­sehnliches Kapital.

Wie? fragte Martens, haben Sie denn keine Nachforschung deswegen anstel­len lassen?

Das