Ausgabe 
12.5.1798
 
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Nr* XIX. ' 12. Mai. 1798»

Giesser Jnttlligeuzvlalk.

Martin und Mieke, oder Pie belohnte Ehrlichkeit.

Verfolg.

Dem Himmel fty Dank, sagte Mieke; da bist du nun auf einmal reich gewor­den ! Juchheirief Martens, warf sei­nen Hut in die Luft, und tanzte aufeinem Beine. Juchhei! Mieke, nun bist du meine grau. Und so liefen sie voller Freude dem Dorfe zu.

Auf einmal stund Martens stille. Mieke, sagte er, mir fällt was aufs Herz! Dies Geld soll unser Gluck machen; aber gehört denn unser? Hat'ö nicht jemand verloren , und müssen wir's dem nicht wie- dergeben?

Ja , bei Gott! das müssen wir! Es zu behalten märe eben fo schlimm, als wenn wir's gestohlen hätten. Der arme Mann, der e6 verlor, wie mag er sich jejt härmen! Es war vielleicht fein ganzes Vermögen: nicht wahr, Mieke, wir müssen'ö ihm wiedergeben?,

,, Das müssen wir!" sagte Mieke, und that einen großen Seufzer.

Komm, komm, fuhr Martens fort, wir wollen'S dem Herrn Pfarrer erzählen, der wird den besten Rath wissen, wie wir erfahren können, wer das Kästchen ver­loren hat. 7 '

Sie giengen hin. Herr, sagte Mar­lens, indem er vor den Pfarrer trat, die­ses Kästchen , wvrinn ein Haufen Geld ist, habe ich gefunden. Ich liebe dieses Mäd­chen hier, als meins Seele, und wenn ich das Geld behielte, so würde sie die Meinige seyn. Gebe ich's zurück, so weiß Gott, ob ich sie je zur Frau bekommen werde.

Und doch, Herr Pfarrer, scheuen Wik uns der Sünde, und wollen'« gern zur rückgeben ; rächen Sie uns, wie wir's an­fangen sollen, um den, der's verloren hat, ausfindig zu machen.

Der Pfarrer hörte ihm mit Freuden ju.f Er betrachtete ihn und das junge Mädchen, und war gerührt über fein ehr­liches betragen.

Kinder, sagte er, bleibt immer so fromm und gut; der Himmel wird euch segnen! Wir wollen den Ergenthümer die­ses Gelds schon ausfindig machen, und der wird eure Redlichkeit belohnen. Ich habe eine Kleinigkeit erspart; die will ich hinzu thun; und dann, Martens, sollst du deine Mieke Haden. Ich nehme es über mich, es bei ihrem Vater auezumachen."

Er zählte darauf das Geld, welches gröstentheils in Goldstücken bestand, und sand, daß es sich auf iO,ooO Rthlr. be­lief.

Martens ließ es in feiner Verwah­rung , und der Pfarrer machte durch die Zeitungen bekannt, daß der Eigsnthümer sich bei ihm melden möchte.

Zu eben der Zeit sollte ein hübscher Mayerhof im Dorfe verpachtet werden. Der gute Pfarrer wandte Geld und Ere- dit an , daß Martens der Pachter desselben würde. Dann bracht'er es in kurzer Zeit bei Miekens Vater dahin , daß er sie mit ihm verheiratheie. Wer war nun glückli­cher als sie!

Unsere jungen Leute liebten sich inni­glich. Martens arbeitete auf dem Felde, und Mieke stand dem Innern Hauewesen mit vieler Sorgfalt vor Das setzte sie in den Stand, die Miethe zur bestimmten

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