Ausgabe 
9.6.1798
 
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Giesser JntelltgenMkk.

Von den Ranpenfeinden.

(Etwas aus der Naturgeschichte.)

Fast jede Baum- und GewachSart hat ihre Feinde, und die Raupen gehö- r"n mit zu den vorzüglichsten. Die größte Sorgfalt und Mühe des Menschen 'ver­mag nicht, diese Feinde ganz zu vertilgen, unv sie würden alles in wenigen Jahren verwüsten, wenn nicht die weise und gü­tige Vorsehung selbst, die jedem Gifte in der Natur auch ein Gegengift zugeseüte, auch hier Hülfe schaffte, wenn sie mcht auch für diese schädlichen Insekten Fernde ausgestellt hätte, die mit besserm Erfolg, als wir, anderen Verminderung arbei­ten Durch die vorhergehenden Bemer­kungen über die Waldraupe sind wir da­tier veranlaßt worden, hier von den Fein­den des Raupengeschlechts überhaupt zu reden, welches, wie w,r hoffen, unfern Lesern nicht nur Unterhaltung verschaffen, sondern sie auch in dem Glauben bevesti- aen soll, daß die Statur allen scheinbaren Uebeln schon selbst Gegenmittel entgegen- aes'Nt hat, wenn wir sie nur in ihrem weifen Gange und ihrer wohlthatigen Wirksamkeit nicht selbst stören.

DaS muß uns nun freilich nicht zur Nachlässigkeit und Trägheit verleiten; denn der Mensch muß allerdings auch seine Grafte und die ihm zu Gebote stehenden Mittel gebrauchen, um sich seinen Aufent­halt auf dieser Erde so übelfrei und ange­nehm, als möglich, zu machen. Also ist es auch Pflicht jedes Gartenbesitzers, den Raupen, wo und wie er kann, nachzu­stellen, die Schmetterlinge, von denen sie kommen i zu tödten und ihre Nester zu

zerstören; allein dies würde bei der Unge­heuern Vermehrung dieser Thiere gor we­nig auSrichten , wenn nicht die Natur selbst eine Menge Raupenfeinde überall ausge- streut hätte, die zahllose Heere von Rau­pen vertilgen, ja selbst diejenigen Bluthen- feinde aufreiben müssen, die der Mensch nicht einmal kennt, oder denen er we­nigstens nicht beikommen kann.

Diese Raupenfeinde sind eS, die der Mensch hegen muß, wenn er sich von der Plage der 'Gärten befreit wissen will.

Welcher Gartner kennt nicht die böse Ringelraupe, die ihre Eier zuoberst an den Bäumen und an den äussersten Spitzen der Zweige ansetzt, vorhin kein Mensch kommen und sie zerstören kann? Allein da-- für hat .die Natur gesorgt, daß ihrer nicht zu viel werden können. Einer äusserst klei­nen Fliege übertrug sie das Geschäft ihrer Vertilgung. Diese nämlich bohrt durch den festen Kitt durch, der die Eier um* giebt, und legt in jedes Raupenei eins ih­rer eignen Eierchen , das kaum durch gute Vergrösserungsgläser sichtbar wird, so klein ist eS. Wenn nun die kleine Fliegenmadr auskriecht: so zehrt sie vor allen Dingen die Fülle des Raupeneieü auf, in welchem sie entstand, und aus welcher die künftige Raupe entstanden wäre. Ist hier nicht Vorsehung Gottes?

Ein ähnliches Amt verwalten auch viele andre, uns bekannte und unbekannte Insekten, z. B. die Baumwanzen, Erd­käfer , vorzüglich die schönen grünlichgol- denen, die Wespen, vorzüglich die Schlupf­wespen , die ihre Eier in die lebendigen Raupen legen, welche sodann von den kl ei-