Ausgabe 
7.7.1798
 
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Nehmen Verhältnisse, aus dem rechten Ge­sichtspunkte betrachtet, tveil man geneigt ist, seine vielumfassende und daher schwer zu erlenende Wissenschaft für bloßen Hy­pothesenwust zu erklären. Viele Aerzte empfinden diese Unbilligkeiten um so tie­fer, wenn sie es für klein und erniedri­gend hielten, die Dienste eines Kranken- dtenerö zu vertreten , oder als Neuigkeits- kramer den hohen Gönner zu unterhalten, seinen Lüsten zu schmeicheln, seine Lebens­art zu billigen, kurz, sich selbst wegzuwer­fen , um dadurch jener kränkenden Vor­würfe cntübrigt zu seyn.

Offenbar waren die zur Erweiterung Und Berichtigung derArzneiwiffestschaft nach und nach aufgeworfenen, bestrittenen, ver­worfenen und angenommenen Theorien und Meynungen der Aerzte hiervon die Ursachen. Man hört und liefet, vorzüg­lich in gelehrten Zeitungen und Journa­len , baß bald dieses bald jenes System geltend gemacht wird; daß man die neuen Theorien und Heilmethoden mit alten ver. wechselt und folgert dann sehr unrichtig aus einzelnen Thatsachen, daß die ganze Kunst der Aerzte äusserst ungewiß und schwankend und die Ausübung derselben höchst unsicher seyn müsse. Doch wer wird dieses dem Rechtsgelehrten , welcher nichts weiter kennet, als die Titel seines Gesetz­buchs, die Landeögesetze und die konventio­nellen Vertrage, sowie dem Prediger, der äusser den kanonischen Büchern nichts für wahr gelten läßt, weil er nicht denkt; dem Kaufmann , welcher nur seine Prozente be­rechnet , und den Kapitalisten, der auf die Sicherheit seiner Gelder spekulirt, übel- nehmen 3 Ueberhaupt scheinen viele Men­schen et zu vergessen, daß die Aerzte Men. scheu sind, und daß bei ihrer Unvollkom­menheit alles unvollkommen bleiben muß.

Auch über die Verhältnisse des Arztes treibt man ein freyes Gefpotte. Das Be­

nehmen einzelner Aerzte am Krankenbetts wird der ganzen W.stenfchaft zur Last ge­legt; man sondert den armseligen Nachbe­ter nicyt von dem Seldftdenker ab, und verwechselt männliche Größe und wahre Geisteestärke, die auf Kenntnisse und Er­fahrung sich gründet, mit der Tollkühnheit und Gleichgültigkeit des Afterarztes. Man unterscheidet nicht die wahre Theilnahme von dem armseligen Gewinsel ung Bedau­ern , und ist so dreiste zu behaupten: daß die Aerzte bei dem Leiden ihres Kranken eben so gleichgültig bleiben, als bei ihrem Tode. Harte Beschuldigungen und ein schlechter Lohn für ihre Aufopferungen!

, Selbst nach dem Tode des Kranken Horen die ungerechten Beschuldigungen nicht auf. Fand es der Arzt rathsam, dem Kranken und seinen Freunden die iwhe Gefahr zu vcrhelen und die vorausgesehene Stunde des Todes nicht anzuzeigen; oder stirbt ihm ein Kranker schneller, als er eS erwarten mußte, und halte dieser vor sei­nem H.nscheiden noch mancherlei zu berich­tigen : so tadeln nicht selten Geistliche, Richter, Advokaten, Freunde nnD Be­kannte den Arzt oder seine Wissenschaft, ohne es beurteilen zu können, ob der Arzt nach Grundsätzen, und also so und nicht anders handeln konnte.

Allein, dessen ungeachtet bleibt der wahre Arzt gewiß ein sehr großer Mann, dem man den Matz neben dem Feldhsrrn nicht streitig machen kann. Beide kämpfen mit listigen Feinden, die ihre Angriffe maS. kiren. Hier gilt persönliche Tapferkeit we­niger, als em richtiger Blick, und ein alles umfassendes Auge mehr, als Bravour. Hier müssen schnell und mit Genauigkeit Gefahren gegen Gefahren abgewogen wer­den , weil augenblickliche Entschlossenheit zwischen Tod und Leben zu wählen hat.

Der Verfolg künftig.

Bekannt-