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Nehmen Verhältnisse, aus dem rechten Gesichtspunkte betrachtet, tveil man geneigt ist, seine vielumfassende und daher schwer zu erlenende Wissenschaft für bloßen Hypothesenwust zu erklären. Viele Aerzte empfinden diese Unbilligkeiten um so tiefer, wenn sie es für klein und erniedrigend hielten, die Dienste eines Kranken- dtenerö zu vertreten , oder als Neuigkeits- kramer den hohen Gönner zu unterhalten, seinen Lüsten zu schmeicheln, seine Lebensart zu billigen, kurz, sich selbst wegzuwerfen , um dadurch jener kränkenden Vorwürfe cntübrigt zu seyn.
Offenbar waren die zur Erweiterung Und Berichtigung derArzneiwiffestschaft nach und nach aufgeworfenen, bestrittenen, verworfenen und angenommenen Theorien und Meynungen der Aerzte hiervon die Ursachen. Man hört und liefet, vorzüglich in gelehrten Zeitungen und Journalen , baß bald dieses bald jenes System geltend gemacht wird; daß man die neuen Theorien und Heilmethoden mit alten ver. wechselt und folgert dann sehr unrichtig aus einzelnen Thatsachen, daß die ganze Kunst der Aerzte äusserst ungewiß und schwankend und die Ausübung derselben höchst unsicher seyn müsse. Doch wer wird dieses dem Rechtsgelehrten , welcher nichts weiter kennet, als die Titel seines Gesetzbuchs, die Landeögesetze und die konventionellen Vertrage, sowie dem Prediger, der äusser den kanonischen Büchern nichts für wahr gelten läßt, weil er nicht denkt; dem Kaufmann , welcher nur seine Prozente berechnet , und den Kapitalisten, der auf die Sicherheit seiner Gelder spekulirt, übel- nehmen 3 Ueberhaupt scheinen viele Menschen et zu vergessen, daß die Aerzte Men. scheu sind, und daß bei ihrer Unvollkommenheit alles unvollkommen bleiben muß.
Auch über die Verhältnisse des Arztes treibt man ein freyes Gefpotte. Das Be
nehmen einzelner Aerzte am Krankenbetts wird der ganzen W.stenfchaft zur Last gelegt; man sondert den armseligen Nachbeter nicyt von dem Seldftdenker ab, und verwechselt männliche Größe und wahre Geisteestärke, die auf Kenntnisse und Erfahrung sich gründet, mit der Tollkühnheit und Gleichgültigkeit des Afterarztes. Man unterscheidet nicht die wahre Theilnahme von dem armseligen Gewinsel ung Bedauern , und ist so dreiste zu behaupten: daß die Aerzte bei dem Leiden ihres Kranken eben so gleichgültig bleiben, als bei ihrem Tode. Harte Beschuldigungen und ein schlechter Lohn für ihre Aufopferungen!
, Selbst nach dem Tode des Kranken Horen die ungerechten Beschuldigungen nicht auf. Fand es der Arzt rathsam, dem Kranken und seinen Freunden die iwhe Gefahr zu vcrhelen und die vorausgesehene Stunde des Todes nicht anzuzeigen; oder stirbt ihm ein Kranker schneller, als er eS erwarten mußte, und halte dieser vor seinem H.nscheiden noch mancherlei zu berichtigen : so tadeln nicht selten Geistliche, Richter, Advokaten, Freunde nnD Bekannte den Arzt oder seine Wissenschaft, ohne es beurteilen zu können, ob der Arzt nach Grundsätzen, und also so und nicht anders handeln konnte.
Allein, dessen ungeachtet bleibt der wahre Arzt gewiß ein sehr großer Mann, dem man den Matz neben dem Feldhsrrn nicht streitig machen kann. Beide kämpfen mit listigen Feinden, die ihre Angriffe maS. kiren. Hier gilt persönliche Tapferkeit weniger, als em richtiger Blick, und ein alles umfassendes Auge mehr, als Bravour. Hier müssen schnell und mit Genauigkeit Gefahren gegen Gefahren abgewogen werden , weil augenblickliche Entschlossenheit zwischen Tod und Leben zu wählen hat.
Der Verfolg künftig.
Bekannt-


