Ausgabe 
7.7.1798
 
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Nn XXVIL Julii. 1798*

Giesser Jiittlligcnzvlatt.

Von der Wartung und dem Verhalten beim Kalben der Rühe.

Die Zeit des Kalbens kann man am Aufschwellen des Eilers,- an dem besiändi gen Gebrumme und dem hin und herbe­wegen der Kuh bemerken.

Sobald diese Merkmale eintreten, so muß man sieiilg in den Stall sehen, da­mit man, wenn etwa die Geburt schwer von statten gehen sclllr, sogleich zum Bei­stände da sep. Men muß ihr auch um diese Zeit immer frische und dicke Streue geben, damit das Kalb im Fallen sich nicht beschädigen kann.

Vorzüglich muß man die Kuh zu ver­hindern suchen, daß sie nicht ihre Afterge- durt verschlucke; nichts ist ihnen schädli­cher, und sie sterben oft gleich nach der Thal.

Wenn das Kalben zu lange dauert, so kann man der Kuh dadurch zu Hülfe kommen, daß man ihr geröstet, und in Wein, Aepfel - oder Birnmost getauchtes Brod giebt. Der Wein, worein man das ^röstete Brod brockt, muß aber mit eben so viel Wasser verwischt seyn. Man braucht etwa 5 dis 6 Kannen Wein, worein man dann ein und ein halbes Pfund Brod brockt. Einige S unden darnach giebt man der Kuh elwaö laulichtes Wasser mit Gersten- fchrot ober Kleien.

Mit diesem Getränke kann man 5 btS 6 Tage fortfahren, bis man merkt, daß die Kräfte der Kuh schwach werden; dann aber gebe man ihr 8 bis 10 Tage lang von Dem eben erwähnten gerösteten und in Wein gebrockten Brode, welches sie gern nehmen.

Man sehe sich ferner auch wohl vor, daß man einer Kuh, die erst gekalbt hat,

nicht sogleich das gewöhnliche Futter wie­der giebt; sondern man gewöhne sie nach und nach wieder daran Vernachlässigt man diese Vorsicht, so vtrursacht man ihr sehr gefährliche Unverdauüchkeit, woraus dann mancherlei üble Zufälle entstehn.

Es ist überhaupt rine wichtige Regel, Kühen, die erst gekalbt haben, nur wenig Futter zu geben, und dazu auch gas kräf­tigste, nahrhafteste und verdaulichste zu wählen.

Man darf die Kühe nicht eher, als 2 Monate nach dem Kalben melken ; denn die Milch , die sie während dieser Zeit ge­ben , ist schlecht, und muß den Kälberw gelassen werden.

Ost trägt eine Kuh 2 Kälber, die fte aber zu 2 verschiedenen, bald mehr bald weniger von einander entfernten Zeitpunk­ten kalbt.

Wenn das erstere Kalb da ist, so kann man leicht daran erkennen, daß sie noch ein zweites hat, wenn sie sich immer hin und her bewegt , beständig auf ihren Bauch sieht, sich Gewalt anthut, um noch einmal zu kalben, und das junge Kalb nicht ach­tet. In diesem Fall kann man ihr war­men Wein geben, und sie durch Schnupf- taback zum Niesen reizen. Sollten aber doch diese Mittel nicht wirken, so muß man sich bei Jemand Rathü erholen, der daS Verfahren bei solchen Umständen weiß.

Rann uns darf der Ar;t allen Kranken den roabrfdbetnltcben oder gewissen Tod Voraussagen?

Gewiß äusserst selten werden die Ge­schäfte de» praktischen ArckeS, und die da­mit verbundenen mannichfaltigen unange­nehmen