Nr« IX. z. Marz. 1795.

Giesser Jüttlljgenzvlatt.

Beitrage zur Naturgeschichte Oct schad- , lieben Waldraupe.

Verfolg.

Eigentlich leben diese Raupen, wie schon errvabnt worden, einsam, und wo sie sich hinzichen, geht ihnen aus dem Spinnloche unter, dem Maule ein feiner Faden nach; erschüttert man ihren Aufent­halt nur Einigermassen und im geringsten,- fo frümmen sie sich zusammen und lasten sich au den Kaden, nach Art aller Spm- nenraupen, behende herab. Da sie nicht in Gesellschaft , sondern einsam leben, aucv nicht in ganzen Kolonien, wie die Ph. B pytyocampar die grösi Verwü- ftungen in den Jahren 1779. und 1792. Qngerichtet hat: so sollte man der Regel nach glauben, daß man für den -Schaden in unfern Forsten und Nadelholzungen we­nig oder doch nicht viel zu besorgen Ursache hatte; allein es kann in manchen Jahren ein zufälliges übermasige« Gedeihen der Brut, dazu wenig Spätfröste im Früh­jahre , besonders seltenes Glatteis und Rauchfröste, wenn sie noch im Eie liegen oder als Raupe überwintern, die mehreste Gelegenheit geben, die Anzahl dieser Rau­pen dennoch zu vermehren und sie gefähr­lich zu erscheinen machen. Eden so be­fördert ihren Tod und Verderben große Nasse und starke Gewitterregen in den Monaten Junius und Julius. Eigentlich sind Rleerrnnns Nachrichten über unsere Raupen gegründet, wenn er sagt, daß sie in manchen Jahren nicht häufig , ja sogar selten wären, dennoch waren sie in dcn Rheingezenden im Jahre 1770 in den Tan­nen - und Fichtenwäldern in ziemlicher An­

zahl , samt den Schmetterlingen anzutref­fen ; man fand sie hernach von dieser Zeit an nur sehr einzeln und sparsam.

D e Veranlassung zu diesen häufigen Erscheinungen und deren Verhältnisse sind, -r gemachten Hypothesen ohngeachret, dahin die Richtung und der Zug der Winde, besonders zu der Zeit, wenn der ©pinnet* stiegt und Eier setzt, gehört, für die Na­turforscher , Entomologen und Forstmän­ner von Kenntnissen, ein unergründliches Problem bis hierher geblieben, so wie B in gewissen Zeitperioden die Maikäfer ( Mel. Melontha Linn ) dermssen häufig sind, auch so großen Schaden an Obst- und andern Laubholzbäumen, fo wie an den Wurzeln der Saaten anrichten, daß man sogar einmal in Jrrlaud ein kleines Wäldchen ihrentwegen in Brand fierten must?, um dem fernem Fortkommen die­ser Kaser Einhalt zu thun.

"Umsonst nimmt man daher die ge­wöhnliche Zuflucht zur Erklärung dieses Phänomens bei unfern Raupen blos zur günstigen und ungünstigen Witterung allein, ferner zur Wanderung, welches letztere bei ihnen gerade der Fall nicht ist , weil sie von Natur fehr trage sind, so daß sie aus Mangel an Fräße lieber im Puppenstanv übergehen , als von einem Baume auf den andern kriechen Es muffen daher wohl andere Umstande hierbei in der Natur zu­sammen wirken und zum Grunde liegen, welche ober den Entomologen, ohne Hy­pothesen zu machen, noch nicht deutlich genug bekannt und zur Zeit enthüllt sind. Diese Raupen frffen aber auch, nach an­geführten Berichten -er NatUrkitndiger,

die