Nr. XXII. 2- IUNi. -7SS>
Gresser JlltelltgenzVlatt.
Allgemein • brauchbares Mürel, Linder gleich von den ersten Jahren ihre« Lebens an absolut gehorsam und tugendhaft zu erziehen.
Verfolg.
2) Allein bis zum Zeitpunkte des Ler« nenS darf man die Ruthe nicht bei mittel- masigen Köpfen veciparen. Hier wurde schon viel versehen seyn, wenn man die ersten drei bis vier Jahre ohne Ruthe hm- aehn lassen wollte. Es würden sich gar bald die sogenannten Flegelrahre einstel- len # die bei meiner Methode gar nicht Mode sind', und zum Vorscheine kommen dürfen. Man muß dem Eigenwillen gar keine Zeit lassen, sondern ihn in allen Fal- len mit der Ruthe verfolgen; und den Anfang kann man bei dieser Gattung von Kindern ohne Bedenken nach Verlauf deö ersten Jahre» machen. So bald es strotzt, schreit, beißt, schlägt, stößt, stampft, etwas im Zorne wcgwirft, nach etwas Ver- boinrm greift, etwas nicht hergeben oder nehmen, reden oder thun will, oder redt und thut, was es nicht soll: so muß es sogleich ohne langen Verzug etliche derbe Schlage auf der Stelle mit der Hand oder Ruthe bekommen, und lieber zehne zu vrel, als ui wenig; denn es ist wahrhaftig keiner verloren, wie das alte Sprüchwort sagt, als der daneben fallt. Und bei dieser Art von Züchtigung muß man sich gleich bleiben, und durchaus nicht zugeben , daß jemand die Kinder bedaure oder in Schutz nehme, und trenn» sogar die Hebe Mama wäre. Ein Vater, der meiner Methode folgt, muß hier allen Ver- yruß von Seiten seiner Frau nichts achten.
Gerade sind die allerbesten Mütter in diesem Falle immer die allerzartlichsten, und könnens am wenigsten verschmerzen, wenn die Lieblinge ihre» Herzens so hart gezüchtigt werden, und Striemen bekommen. Allein der erste Verdruß ist besser als der letzte. Mich hats noch nie gereut, in diesem Stücke dem äusserlichen Scheine nach mich ost in einen Grausamen verwandelt, und den Unbarmherzigen gespielt zu haben. Was ich Salomon und Sirach theoretisch auf ihr Wort glaubte, und praktisch ausübte, das hat sich durch die gesegneten Folgen gar herrlich ausgewiesen. Wie viel Aettern werden auftreten und sagen können, daß zwischen sechs Kindern von sechzehn bis vier Jahren, viir Söhnen und zwei Töchtern, ( das siebente kommt jezt noch nicht in Betrachtung, weil» zu klein ist, ) ganze Jahre lang kein Schimpfen, Schlagen, Stossen, Zanken im Ernste und mit Beleidigungen rc. vorfiele? und daß die größern, wenn die kleinern von einem, zwei, drei Jahren npch nicht Spaß genug verstehn, und bei kleinen Neckereien fich nach dem natürlichen Triebe der Selbsterhaltung durch Schlagen zu helfen suchen, nicht wiederschlaqen und Rache oueuben? Kleine Wortwechsel gehören nicht hierher; diese sind von keiner Bedeutung. Wae har diese bewundernswürdige Eintracht unter diesen Geschwistern hervorgebracht? Nicht» als die Methode, in den ersten Jahren nichts von Haß, Neid, Zank, Eigensinn, Schimpfen, Scklagen re. ohne nachdrückliche Ahndung mit der Ruthe hingehn zu lassen.
In den ersten Jahren macht die Ruthe bei Kindern von mittelmäsigem Feuer alles.


