Ausgabe 
18.11.1797
 
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Lieber die Airwendung-er Pappel- und Weidenwalle.

Man hat männliche und werbliche Pap- pelbäume und Weiden. Hier >st nur von letztem die Rede. Das L)amenbehä!tniß bei den weiblichen Pappelbäumen ist eine eiförmige, zweifachrige Kapstl, welche viele eiförmige mit Wvllbüscheln besetzte Samen enthält. Das Samenbehaltniß auf den weiblichen Weiden ist eine eiför­mige pfriemenartige, zugespitzte Fruchtkap­sel, die viele kleine mit einer Haarkrone besetzte Samen enthalt. Die ftidenfedri- gen Schuppen der Dlüthenzapfen von der weiblichen weissen oder Silberpappel, fair jen im Junius ab. Den reifen Samen von der schwarzen Pappel säet die zarte weisse Wolle im Junius fliegend au». Du Fingerlangen Fruchtzapfen der Lorbeer, weide oder Baumwollenweide geben hau» ssge und feine Baumwolle, welche wenn man sie gleich täglich einige mal abnimmt, dennoch »on neuen nachwächst. Man nennt dieses Flockwerk Märkische oder Thü­ringische Baumwolle. Man hat sie mit der Makedonischen Baumwolle oft ver­mischt , zu Gespinnsten angewandt. Diese Baumwolle reift im S ptember oder Octo­ber nach etlichen Rachtreifen; sogar erhält fie sich unter dem Schnee gut. Die übri­gen Landweiden verwehen schon im Julius ihre Baumwolle.

Man hat für das Fach der Manufa- ituren an mehrern Orten Versuche gemacht, ob man den immer höher steigenden Preis d,r Biberhaare und der Makedonische» Baumwolle durch Benutzung unsrer Lan- deSproducte znm fallen bringen könne; und dies ist besonders mit der Wolle unsrer Pappel und Weide geschehen. Unter ein ynt) achtzig Papierversuchen lieferte die Pappelwolle das feinste; ausserdem wurden gew-ble gestrickte und gedruckte Probenzeuge

aus einer Mischung von zwei Dritlherk Pappelbaumwolle undeinemDrittheil aus­ländischer Arten, wie auch Garn, verfer­tigt. Das Papier, welches aus gezupf­ter Wolle der Schwarzpappel verfertigt wurde, war schmutzig weiß oder grau, welk, ohne die gewöhnliche Streifigkeit, voller Knoten, ungleich, wegen der mit» gestampften Samengehäuse; aber im An­fühlen sanft wie Seidenpapier, und man konnte darauf drucken und schreiben. Man zupfte auch nach Art der Schafwolle, eine Quantität Pappelwolle, und schmierte sie mit Fett ein; doch nahm sie kein Fett an, und ballte sich zwischen den Fingern zu Klumpen, und zerriß, als man sie zu spin­nen anflnq, ohne einen Faden zu geben. Also strich man sie wie die Baumwolle mit Kartälsg^n d. h. nut hakigen Drathkäm- men; allein es wollte keine Biatterwolle entstehen, weil die Haare der Pappelwolle gar zu kurz sind, und sie ballte sich $u Klumpen im Striche, und konnte aus den Kämmen nicht die Gestalt der Blatter ge­bracht werden. Nun vermischte man drei Theile der Pappelwolle mit einem Theil der eigentlich so genannten Baumwolle; man strich diese Mischung, und es gelang zwar das Kartätschen besser; aberdieBlat- ter blieben ungleich, und waren also zum Spinnen noch untauglich. Besser gerielh der Versuch mit einem Theile Baumwolle und zwei Theile» Pappelwolle; aber die gestrichenen Blätter enthielten noch Knoten, woraus man lange und feste Fäden spann, welche aber wegen der mit einqesponnenen Klumpe grob und knotig ausfielen. Die­ses Gespinste schien also zu groben Zeugen, Strümpfen und Schnupftüchern hinläng­lich zuseyn; aber zu den feinen Fäden und Zeugen fehlte es dem Faden an Festigkeit, Gleichartigkeit und Stärke. Indessen gab es doch-ein Baumwollengewebe. EinLeln- wrber lieferte aus einer Kette von Leinfa- den, und aus dfm Einschläge von diesem - v t "'. aus