Ausgabe 
18.2.1797
 
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Von de» Kapaunen.

Nach den gewöhnlichen Hühnern fol­gen nun die Capaunen; dieses ist eigent­lich ein Hahn, welcher jung kastrirt wor­den ist, damit er sich besser mästen lasse, und ein delikates Fleisch bekomme. Diese Art Vleh bringt auch einen sehr guten Nutzen in Betracht der herrschaftlichen Ta­fel , aber sie wollen auch besonders gut ab­gewartet und behandelt seyn. Zur Mä­stung eineS solchen Capaune gehört ein be­sonder- dazu eingerichteter Stall; dieser Stall muß enge seyn, so daß er sich dar­innen nicht bewegen kann, sondern bestän­dig still sitzen muß. Dieser Stall muß sere­ner auch so eingerichtet seyn , daß der Kopf de- Capauns vorne heraus sieht, und hin­ten der Steiß , damit er sich nicht verun­reinige, und ihm die Federn vor dem Steiß zusammen kleben. Der Ort, wo die Ca- paunen gemästet werden, muß dunkel, still und nicht zu kalt ftyn, das ist eine Hauptsache.

Desgleichen muß man ihnen die Fe­dern am Bauch, Kopf und Steiß, unter den Flügeln und Beinen rupfen, damit sich keine Flöhe oder ander Ungeziefer dar­innen ^ufhalte, und das Thier peinige. Ihr Futter besteht au- allerlei gutem Mehl, woraus man Nudeln macht, sie trocknet, und wenn man sie verfüttert, werden sie erst einmal in Bier oder Milch getaucht, damit sie gut rutschen, sodann muß Was­ser mit klarem Sand vorgesetzt werden, damit sie den Magen reinigen, und besser zunehmm.

Es ist überhaupt die Art da- Feder­vieh zu mäßen, zweierlei, die Art mit Nu­deln, welche man ihnen in Hals steckt, heißt man Nudeln oder Stoppen, diese- geschieht des Tage- 3 auch 4 mal , nach­dem der Capaun verdauet, dieses erfährt man,, mrnw man ihm dm Kropf anfühlt,

ob er noch voll, oder leer ist. Man muß sich dahero in Acht nehmen, daßman sie mcht überftopft, denn sonst müsten sie krepiren. Die andere Art ist diese, daß man Honig mit Wasser und Mehl ver­mischt , und einen Teig knetet. Davon werden sie auch sehr gut. Ferner gilbt man chnen Weirbrod mit Milch, oder Brod mit Bier, bei dieser Mast müssen sie etwa- zu saufen erhalten, aber nur nicht viel, damit sie kein schwammige- Fett be­kommen , weiches al-dann zu sehr auvbratet.

Von den Truthühnern.

Diese Gattung nennet man auch Trut- oder Indische, oder Kalekutische oder Pu- terhuhner, nach der gemeinen Sprache tür­kische oder welsch« Hühner; sie sind aus. ländische Thiere, die aus dem Königreiche Kalekut herstammen, einer Halbinsel in Ostindien. Dieses Geflügel ist in einer Wirtschaft von großem Nutzen, wenn es ordentlich und accurat behandelt wird, ausserdem aber nicht so viel einbringt, als dar Futter kostet. Die Truthühner sind hochbeinigter als die Gänse, auch größer. Ihr Kopf und Obertheil des Halste ist glatt, und ohne Federn, blo- mit einer runzlich, ten, roth und blau vermischten Haut über­zogen, oben über dem Schnabel haben sie einen rothen Lappen von Fleisch hangen, den sie ausdehnen oder verlängern können, nachdem sie böse sind. Die sprenklichen sollen besser seyn, al- die weißen, davon habe ich noch keinen gründlichen Beweis, die großen Truthühner aber sind die besten.

Zu den Truthühnern gehört auch ein Hahn, welcher aber füglich nicht mehr al« 5 Stück Hühner bestreiten kann, sonst wird er bei m-hreren in der Folge kontrakt, be­kommt die Gicht u dergl. Der Hohn darf nicht unter e,n Jahr, auch nicht über vier Jahr alt seyn, denn ein junger Hahn tritt hurtig und munter, ein alter aber strapa» litt