Ausgabe 
17.6.1797
 
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Die Rmiff zn bewachen.

Verfolg.

Ein Dummlopf, oder ein nieder- irächtig höfischer Mensch wird eure Aus­schweifungen unvernünftig loben , oder sie gar mitmachen. Hin vernünftiger Mann wird keines von beiden thun; er wird es nur wagen, euch euer Unrecht bescheiden vorzustellen.

Wollt ihr wissen, ob euer Freier ein eifersüchtiger Ehrmann seyn werbe, so setzt ihn auf die Probe; treibt aber die Sache nicht zu weit, denn dieser Versuch rft bie- weilen gefährlich. Ihr könnt einem an­dern , einem Stutzer, oder einem Narren, in seiner Gegenwart schön thun. Ist nun der Liebhaber sehr zu einer närrischen Ei­fersucht geneigt, so wird er euch Grobhei­ten sagen, und sich sehr ungestümm auf- fuhren. Ist er selbst ein Stutzer, so wird er euch wieder eifersüchtig machen wollen, und mit einem andern Mädchen liebäugeln und schäckern, um euch nur zu ärgern; rr wiro sich in der gestickten Weste brüsten, und stolz vor euch vorbeihüpfen. Ist er ein Dummkopf, oder ein nachlässiger, schläfriger Mann, so wird er euch gehen lassen , und sich gar nicht um euch beküm­mern , oder wohl gar aus Einfalt dazu lachen. Ist er ein vernünftiger Mann, so wird er es zu verbergen suchen, daß ihn eure Aufführung verdrießt; vder^ ganz wird er es doch nicht verbergen können. Allein, wie gesagt, nur die Probe nicht zu weit getrieben; denn sonst könnte er anfan- gew, euer H.'rz zu verachten, und euch eurer üblen Wähl zu überlassen.

S od nicht so leichtgläubig, einen F eyer deswegen für einen höflichen Mann zu hatten, weil er gegen euch höflich ist, oder ihn freigebig zu glauben, weil er euch prächtige Geschenke schickt. Fragt nach, wie er gegen andere ist, und daraus

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beurteilet ihn. Der größte Geizhals gicbt bisweilen seiner Braut die bellen 'Ge­schenke. Es ist, als wenn er Geld auf Zrne auöleihen thate, denn er hofft alles, was er euch giebt, wieder zu bekommen, wenn ihr feine Frau werdet. Er giebt euch nicht, weil er euch liebt; nein, er hebt euch, weil er euch Geschenke gegeben hat, und er würde untröstlich seyn, wenn er ste nicht wieder bekäme, ober deswegen giebt er sich auch so viel Muhe, euer Herz zu erhalten.

Ein närrischer Mann schläft feiner Frau alles ab ein Dummkopf ist je­ner, ter ihr gar nichts abschlagen kann hingegen ist^ derjenige ein vernünftiger Maiiii, der sich in Kleinigkeiten bisweilen nach dem Willen ferner Frau richtet, der ihr aber, niemals zuläßt, in wichtiaen Sachen über ihn herrschen zu wolleir. Ein Liebhaber, der euch gar keine Gefälligkeit erzeigt, und ein anderer, i r euch zu ge­fallen Thorheiken begeht, sind alle beide wer h, daß ihr ste abweistt.

Glaubt nicht, daß es bequem ist, ei­nen Mann zu haben , der weniger Ver­stand hat, ais ihr. Es ist wahr, ihr wer­det bietveilen über ihn herrschen, aber oft wird er wieder ohne Urfach die Herrschaft behaupten wollen.

Ich habe sehr artige und verständige Mädchen gesehen, die sich in gar nichts­würdige und unartige Mannspersonen ver­liebt hatten: ich habe auch viele sonst ver­nünftige Mannspersonen in Närrinnen verliebt gesehen, Oie ihrer nicht wenh wa­ren, Die Liebe ist an sich selbst nicht ver­werflich, sie macht oft Dummköpfe schlau, und lasterhafte tugendhaft Hütet euch aber ja, einen unwürdigen Gegenstand eu­rer Liebe zu wählen. Die Narren scheinen bisweilen liebenswert!), aber eurer Freund­schaft sind sie nie würdig.

Das