Ausgabe 
11.3.1797
 
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Gedanke»

über Die Baum;uchc imZ Grossen,, zur Besetzung der Haupt- und Land- strüssen mit Bäumen.

Verfolg.

Die Verschönerung eines?- Landes, welche hierdurch noch einen starken Zu­wachs bekömmt, wenn auch schon ohne dies die herrlichsten Lustschlösser,, Gärten und Städte ein Land sehenswürdig ma­chen,^ gereicht nicht nur zum Vergnügen und Ruhm der Einwohner, sondern sie ist auch nicht ganz ohne Nutzen. Ware ir­gendwo in Deutschland eine beträchtliche Strecke durchgehends mit Daum - Alleen bepflanzt, es selten gewißlich viele rei­sende Ausländer Lust bekommen, ein Land zu sehen und sich darinn aufzuhalten, wo man meilenlang unter dem angenehmsten Schatten wandeln und an herrlichen Baum­früchten sich ergötzen und sich damit erqui- cken kann..

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Die Luft kann sich nur da ihrer frem- den Theilgen entledigen, wo etwas ist,, das diese einschluckct. Gegenden also, wo wo nur wenig Holz - und Baumgewachse anzutreffen sind , werden niemal so gesund seyn, als solche, wo sich die Luft an Ge- bürgen, Waldern und andern Baumen anstossen kann. G'ebt es in jenen Gegen­den noch Sümpfe und Moraste,- aus wel­chen beständig schädliche Dunftetn die Luft aufsteigen,, so' sind sie noch ungesunder. Hin grosser. Theil des Königreichs Ungarn mag hievon einen Beweis abgeben. War- den in dergleichen Gegenden nur erst or­dentliche Strassen angelegt, wozu man auf beiden Seiten soviel Erde herausnehmen wüßte, als zu. einer zwei Fuß hohen Er­höhung über dir andere Erdfläche nvlhig: ist , und sodann; diese erhöhte Straffen mit Baumen besejd: so müßte sich in kurzer Zeit ein sehr gpter Erfolg zeigenundsnicht-

nur eine solche Gegend gesünder gemacht sondern, auch nach, und nach dem Holz? mangel abgeholfen werden tonnen.

Haben die ersten Belaier in ihren Nie- derlassungtn Anfangs Nichts als ein Chaos von Schilf,. Sand und Wasser angelrof- fen, und durch unermüdeten Fleiß und Arbeit in der Folgezeit endlich ihr Land gleichsam zu einem Paradies umgrschaffen; warum solle e» anderwärts nicht auch mög­lich seyn, dem Land, eine andere Gestalt zu geben,, und selbst phisischen Uebeln abzu- helfen 3 Beharrlichkeit kann endlich noch die pontinrschen Sümpfe auetroknen..

Ich gebe zu, wie schon erwähnt, wor­den, daß dieser Gegenstand schon von meh- rern andern, unß vielleicht noch kundiger als von mir, durchgedacht worden sey.. Aber ich mache mir hieraus selbst die Frage,, warum doch bei allen Ermunterungen,' gleichwohl eine Sache nicht so in Bewe­gung gesezt, vor die Hand genommen und zur Ausführung gebracht werden, wie es ihre Wichtigkeit, und so zu sagen ihre Na- tur erfordert. Man hat doch weit grössere Dinge unternommen und zu Stande ge­bracht ;. man hat Berge abgehoben und Thäler damit ausgefüüt; man hat ganze Berge durchqraben,. schiffbare Flusse und Seen durch Canäle mit einander, vereinigt, und dies alles, der Handlung, der Der- breitung. deO Lu<ruö wegen, oder die.' landesherrlichen Einkünfte zu vermehren.

Die Baumzucht im Grossen, mußent- weder in den Augen derjenigen, welche zur. Ausführung hinlängliche Macht und Ver­mögen besitzen, nicht wichtig genug schei- nen sie zum Gegenstand ihrer Sorge und Thätigkeit zu machen, oder man gedenkt: sich Schwierigkeiten dabei, die nicht zu he­ben zu seyn scheinen. Sie ist freylich in allem Betracht eine Unternehmung, welche nur grosse Herren Landesregenten und