Ausgabe 
30.7.1796
 
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Wie wir es anfange» mässe« , wenn wir aus dem Saämen oder Rernen un­srer gepfropften, edlen Obstbänme sofort diefelbr'ge Frucht wieder er­langen wollen.

Wenn wir die Ursache und den Grund, warum der Saame unsere veredelten Stein - und Kernobstes dieselbe nicht wieder giebt, ausfindig machen wollen, so wird uns die Betrachtung deö Baums und dessen Struk­tur hiezu schon den Weg von selbst bahnen. Alle unsere Bäume, von welchen wir daö gute Obst haben, sind ursprünglich oder von Grund aus nicht daö, was sie fepn sollen, sondern ein aus zween Theilcn zu­sammengesetztes Gewächs. Wir säen nem- lich Kerne aus, und pfropfen auf die hier­aus gezogenen Stämme kleine Reiser von den 'Sorten, welche wir haben wollen. Jene nennen wir den wilden Stamm, die­ses das ächte Reiß. Wie oft sind nun aber Diese beiden Gewächse ihrer ganzen Natur nach von einander unterschieden. Wir wollen nur aleich bei der Pfirsiche stehen bleiben. Wenn wir die Behandlung der­selben betrachten, so werden wir finden, wie sehr widernatürlich man bei deren Fort pfianzunq zu Werke geht. Man hält zwar Durchgängig dafür, daß man die Pfirsiche- um einen guten Baum und Frucht zu zie­hen, auf einen Pflaumenbaumstamm setzen müsse, und fast alle unsre Pfirschendäume, welche wir aus den Plantagen erkaufen, sind auf diese Weise erzogen. Wie sehr un­terschieden ist nun aber Vie Pfirsiche von ei­ner Pflaume 7 Diese zusammengesetzten beiden Geschlechter machen also einen wah­ren Zwitter. Der auf diese Weise erzwun­gene Baum zieht seine ersten NahrungS- säfte aus der Erde an sich; die welche er aus der Luft empfängt, abgerechnet. Der Stamm, der in der Erde stehet, ist ein Pflaumbaum. Es gehen assv durch die

Wurzeln nur diejenigen Safte und Theike in ihn über, die zur Bildung seiner Pflau­mensubstanz nöthig sind. Sind die Le­benssäfte so hoch gestiegen , daß sie bis an den edeln Stamm kommen, so müssen die Safte, weiche nicht zur Bildung des Pfir- sichenbaums erforderlich sind, entweder zu- ruckblkiben, oder aber, es muß noch eini­ger Urstoff davon mit in den Pfirfchen- stamm übergehen.

Im ersten Falle und wenn die ganze Pflaumensubstanz in dem untern wilden Stamm zurückbleibt, ist es nicht abzuse­hen, warum der Kern einer Pfirsche nicht ein und dieftibige Frucht wieder geben sollte. Denn ein'jedes Gewächs oder Ge­schöpf, daö auö reinem, unvermischten Safte oder Blut entsprossen ist , bringt sei­nes gleichen wieder hervor. Dies güt so- wo! im Pflanzen als Thierreiche. Nun aber finden wir, daß diesem nicht so ist, sondern daß auö dem Kern einer durchs Pfropfen rc. veredelten Frucht ein anderes Gewächs entstehet, als das war, von wel­chem es herstammt. Es muß also hier der zweite Fall eintreten, nemlich, daß von dem Urstoff des wilden Stammes etwas mit in den edeln Stamm übergeht; und die Erfahrung lehret uns, daß wir dieses als eine Hypothese annehmen können. Ich will von mebrern Erfahrungen nur diese eine enfuhren.

ist bekannt, daß eine auf einen Quittenstamm gesetzte Birn, sowol im Ge­schmack als Geruch etwas von der Quitte annimmt. Selbst in der Farbe zeichnet sie sich vor andern aus; denn ihr Fleisch ist viel gelber, als das Fleisch derjenigen Birn, die auf einen Stamm von ihrer Art, auf einen Birnstamm gepfropft ist. Ist es nun aber gewiß, und wird es durch die Erfahrung bestätigt, daß von den Säften und Be- standtheilen des wilden Stammes etwas mit